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Ab und zu telefoniert Werner Krieg vom Rettungswagen aus mit der Leitstelle in Groß-Gerau.

Seit 45 Jahren im Ortsverein Mörfelden aktiv

Werner Krieg ist dem Roten Kreuz verbunden

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Auslöser für Werner Kriegs Engagement für das Deutsche Rote Kreuz war 1968 ein Zugunglück in Mörfelden. Damals beobachtete er den schwierigen Einsatz der Rettungskräfte.

Was bringt einen jungen Mann dazu, sich dem Ortsverein Mörfelden des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) anzuschließen und ihm 45 Jahre in aktiver Funktion treu zu bleiben? Das weiß niemand besser als Werner Krieg. Er ist das älteste aktive Mitglied des Roten Kreuzes im Stadtteil und hat sich im Laufe von mehr als 40 Lenzen durch viele ehrenamtliche Positionen gedient. Heutzutage lässt es der 59-jährige Finanzbuchhalter, Ehemann und dreifache Vater etwas ruhiger angehen als einst. Er kümmert sich als Schatzmeister im Vorstand vorwiegend um die Finanzen des Vereins und überlässt den aktiven Dienst der jüngeren Generation. Doch das war nicht immer so.

Der schlanke Mann mit grünen Augen und braun-grau-melierten Haaren ist der dritte von vier Söhnen von Hilde und August Krieg. Zwei der Mörfelder Buben landeten später bei der freiwilligen Feuerwehr, zwei beim DRK. Werner jedoch schloss sich als erster in der Familie einem Hilfsdienst an. Auslöser war ein Zugunglück 1968 in der Mainstraße. Damals lief der zehnjährige Knabe gerade zum Unterricht in die Bürgermeister-Klingler-Schule und beobachtete als Zaungast den schwierigen Einsatz der Rettungskräfte. „Es war eine eingleisige Strecke, zwei Züge waren zusammengefahren“, erinnert er sich. Speziell der Einsatz von Rettungs- und Krankenwagen hatte den Schüler fasziniert. So kam es, dass er sich kurz darauf beim DRK meldete, eintrat und sich zunächst im Jugend-DRK engagierte. Parallel dazu besuchte er die Bürgermeister-Klingler-Schule, dann die Handelsschule in Groß-Gerau und absolvierte vom 1. Juli 1973 an seine zweijährige Ausbildung zum Industriekaufmann.

Im Alter von 17 Jahren wechselte Krieg in die Aktiven-Bereitschaft des DRK und mit 18 Jahren in den Katastrophenschutz des Kreises Groß-Gerau. Dort engagierte er sich zehn Jahre. Unterdessen ließ er sich zum Ersthelfer und Sanitätshelfer ausbilden, aber auch während sieben Wochen Theorie und Schulbesuchs in Gießen sowie vierwöchigen Praktikums in der Uniklinik Frankfurt zum Transportsanitäter. Danach fuhr Krieg zwischen 1977 und 1987 im Rettungsdienst mit. „Dann kamen meine Kinder, und ich hörte auf.“

Seit April 1998 betätigt er sich als Schatzmeister im DRK-Ortsverein und fährt heute noch ab zu mit zu Einsätzen. Vorher war Krieg im Katastrophenschutz in Mörfelden im Sanitätszug Süd aktiv, dem er seit 40 Jahren angehört. 2014 wurde er vom Landrat mit der Katastrophenschutzmedaille für sein 25-jähriges Engagement im Katastrophenschutz gewürdigt und erhielt auch den Landesehrenbrief.

Als einschneidendster Einsatz blieb Krieg das schlimme S-Bahn-Unglück mit vielen Toten am 2. Februar 1990 in Rüsselsheim im Gedächtnis. „Ein Signal war falsch gestellt. Es war menschliches Versagen“, erinnert er sich mit seiner ruhigen und besonnenen Art.

Kriegs heutige Aufgaben beschränken sich jedoch nicht nur auf die Finanzen des Vereins. Er nimmt auch an Sanitätsdiensten und Ausbildungsabenden teil und investiert monatlich rund 20 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Zwischen 1985 und 1991 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender und später als Beisitzer.

Er schätzt speziell die familiäre und kameradschaftliche Atmosphäre im DRK. „Dort kann sich jeder auf jeden verlassen – wie bei der Feuerwehr.“ Gewiss habe sich das einstige Kribbeln im Bauch junger Jahre gelegt, „wenn heutzutage die Sirene oder der Melder geht“. Mitunter ärgert sich der sonst so besonnene Rot-Kreuz-Mann auch, wenn beispielsweise bei Einsätzen Autofahrer keine Rettungsgasse bilden.

Ein junger Mensch könne viel beim DRK erleben, er komme weit herum und lerne auch viele Menschen kennen. Krieg erinnert sich an einstige Zivildienstleistende im Ortsverein, zu denen er bis heute noch freundschaftliche Kontakte pflegt.

Für den DRK-Ortsverein wünscht er sich weitere Helfer – und dass mitunter sehr strenge Vorschriften ein wenig gelockert werden mögen. Ob Krieg noch einmal in das DRK eintreten würde? „Jederzeit. Trotz harter Arbeit gab es stets schöne Erlebnisse.“

Sein Hobby sei das Rote Kreuz – viel Freizeit bleibe ihm nicht. Trotzdem spielt Krieg bei der TGS in Walldorf in zwei Gruppen regelmäßig Volleyball und absolviert dort auch Rückengymnastik. Darüber hinaus geht der naturverbundene Mann gerne mit seinen beiden Hunden durch den Wald spazieren und erinnert sich an die stürmischen Zeiten vor dem Bau der Startbahn West. „Einmal stand ich als Mörfelder vor dem Zaun, einmal als Helfer dahinter. All das sind Erlebnisse, die ich nicht missen möchte.“

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