Ahmadiyya-Gemeinde

„Wir Muslime tun zu wenig“

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Die muslimische Gemeinde in Mörfelden-Walldorf hatte eingeladen und 150 Gäste waren gekommen. Darunter auch Politiker aus dem hessischen Landtag. Ein großes Thema war der Dialog der Muslime untereinander.

Zu einem Neujahrsempfang hatte die Ahmadiyya-Gemeinde der Doppelstadt eingeladen, um „mit Nachbarn, Freunden und Förderern zusammenzufinden“. Rund 150 Gäste folgten der Einladung. Zu Beginn wurden von Luqman Saqib Verse aus dem Koran im Original rezitiert. Die Anwesenden in der Stadthalle Walldorf erfuhren, dass in vielen Ländern die Mitglieder von Ahmadiyya verfolgt würden, sogar in Pakistan, dem Ursprungsland der Religionsgemeinschaft.

In Hessen ist die Ahmadiyya-Gemeinde eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts. Abdullah Uwe Wagishauser, Bundesvorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland, machte deutlich, dass davon auszugehen sei, dass weitere Bundesländer bald folgen würden. Mit dem Körperschaftsstatus kann beispielsweise das Islam-Institut „Jamia Ahmadiyya“ als staatliche Hochschule anerkannt werden.

„Lassen Sie mich einen alten Spontispruch zitieren: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, sagte Magistratsmitglied Ilona Wenz (SPD). Jeder dritte Einwohner in der Gemeinde habe mittlerweile einen Migrationshintergrund, so die Politikerin. Mit dem Ausspruch von Papst Franziskus, „Frieden ist ein Gut, das größte Wachsamkeit erfordert“, riet sie zu mehr Offenheit.

Sie sprach außerdem sowohl über die Arbeit der Integrationsbeauftragte als auch über die ehrenamtlichen Helfer für Asylsuchende. Mehr Toleranz und Respekt solle einem friedlichen Miteinander dienen. „99,9 Prozent der weit über vier Millionen Muslime in Deutschland leben friedlich. Die Politik muss noch Vieles nachholen. Integration ist prozesshaft und reicht bislang bei weitem noch nicht“, äußerte sich auch Corrado di Benedetto (SPD), Mitglied des Landtags und integrationspolitischer Sprecher.

Kaum etwas habe die Politiker in den zurückliegenden Jahren derart beschäftigt wie die tagtägliche Integrationspolitik. Alle Menschen in Deutschland würden letzten Endes vom Pluralismus profitieren. „Deutsche sind prinzipiell dialogbereit und nicht menschenverachtend.“ Er bedankte sich für „die sehr gute Zusammenarbeit und das Engagement“ der Ahmadiyya. „Sie haben uns auf jeden Fall an Ihrer Seite“, meinte er.

Der Ahmadiyya-Bundesvorsitzende Wagishauser sieht sich als „Vertreter der muslimischen Gemeinschaft“ und wollte „über die Befindlichkeiten der Muslime sprechen“. Wagishauser grenzte deutlich die Ahmadiyya-Gemeinde von den islamistischen Fanatikern ab. Diese würden nur behaupten im Namen des Islam zu handeln.

Auch fand er lobende Worte für die aktuelle Bundesregierung. „Wir sollten für Angela Merkel beten, weil sie eine stärkere Diskussion über den Islam in Gang gebracht hat“, forderte er die Gläubigen auf. „Wir Muslime haben noch viel zu wenig dafür getan, um unseren Glauben deutlich zu machen.“ In anderen Ländern würden Muslime in Ghettos leben und hätten keine Möglichkeit, politisch aktiv zu werden. In Deutschland gebe es jedoch die Chance auf einen Dialog. Und damit meinte er nicht nur den interreligiösen Dialog. Die unterschiedlichen muslimischen Gemeinden sollten miteinander reden und gemeinsam aktiv werden. Immerhin sei Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland, mit ihrer Zentrale in Frankfurt-Bonames, eine der fünf größten muslimischen Verbände in der Bundesrepublik.

„Deutschland ist ein Einwanderungsland, und wir vertreten Werte, die mit dem deutschen Grundgesetz kompatibel sind“, meinte der Ahmadiyya-Bundesvorsitzende. Der Islam gehöre zu Deutschland, was zweierlei beinhalte: Zum einen den Willen nach Integration und zum anderen die Übernahme von Verantwortung der Muslime für das Land in dem sie leben.

Das „Phänomen Pegida“ überrasche Wagishauser nicht. „Wir gehen davon aus, dass es ohnehin 50 Prozent Ressentiment gegen dem Islam gibt, da fällt so eine Propaganda auf fruchtbaren Boden.“ Er sei überzeugt davon, dass sich die Zusammensetzung der Gesellschaft in Deutschland verändern werde.

Unter den Gästen befand sich nicht nur die neue Integrationsbeauftragte für Mörfelden-Walldorf, Manuela Maria Grabsch, sondern auch viele Stadtverordnete sowie Altbürgermeister Bernhard Brehl (SPD). Deutschlandweit existieren bereits 47 Moscheen der Ahmadiyya-Gemeinde, von denen ein paar auf ein 124-jähriges Bestehen zurückblicken können.

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