Flughafen-Gegner

Wurde das Protestcamp im Treburer Wald angezündet?

  • schließen

Schwerer Schlag für das Protestcamp im Treburer Oberwald: Das Versorgungszelt der Umweltaktivisten ist komplett abgebrannt. Vieles deutet auf Brandstiftung hin. Die hätte allerdings noch weitaus schlimmere Folgen haben können.

Aus bisher unbekannten Gründen ist im Protestcamp gegen den Ausbau des Terminal 3 am Frankfurter Flughafen am Dienstagabend ein Feuer ausgebrochen. Verletzt wurde niemand, Einsatzkräfte der Feuerwehren Neu-Isenburg-Walldorf und Zeppelinheim konnten die Flammen löschen, wie Polizeisprecher Manfred Füllhardt auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte.

Während sich Füllhardt mit Blick auf die Ursachen bedeckt gab („Wir ermitteln in alle Richtungen“), wurde Theo Hermann von der Feuerwehr Mörfelden deutlicher. Er war als einer der ersten Brandbekämpfer am Tatort und sagt: „Von selbst hat das nicht angefangen.“

Nach seinen Schilderungen hätten Autofahrer auf der angrenzenden A 5 dunkle Rauchwolken bemerkt und die Einsatzkräfte alarmiert. „Zunächst sahen wir brennende Barrikaden am Eingang zur Waldschneise, dann merkten wir einen weiteren Brand im Inneren der Camp-Areals.“

Das große Versorgungszelt, in dem die Küche und Vorräte der Umweltaktivisten untergebracht werden, sei als solches gar nicht mehr zu erkennen gewesen. Glück im Unglück: Die Brandbekämpfer löschten die Flammen schnell.

Als die Polizei eintraf, hatten sie ihre Arbeit dank des gemeinsamen Einsatzes schon getan. „Wir konnten gerade noch verhindern, dass die Flammen auf die benachbarten Zelte und den umliegenden Wald übergriffen“, berichtet Hermann. „Durch die lange Trockenzeit ist die Gefahr eines Waldbrandes sehr groß gewesen“, macht er deutlich. „Wären wir erst später alarmiert worden oder hätte der Wind ungünstiger gestanden, hätte das ein Riesenfeuer geben können.

Zum Zeitpunkt des Brandes hat sich nach Auskunft sowohl der Einsatzkräfte als auch der Protestler kein Umweltaktivist in den verschiedenen Zelten oder den Baumhütten befunden. Unter der Woche sei das Camp oft nicht oder nur schwach besetzt. Allerdings, berichtet eine Naturschützerin mit dem Decknamen „Fauna“ gegenüber dieser Zeitung, habe ein Sympathisant an diesem Abend das Zeltlager besuchen wollen – „er wurde dann von den Flammen begrüßt.“ Ihnen sei unter anderem die Küche und das Essenslager, dazu auch Mobiliar wie Sofas und Stühle zum Opfer gefallen. Was den möglichen Täter angeht, tappe man im Dunkeln: „Wir haben keine Ahnung, wer so etwas gemacht haben kann.“

Am Tatort bot sich anderntags ein

Bild der Verwüstung

auf der etwa 100 Quadratmeter großen Fläche, auf der das Versorgungszelt gestanden hatte: verschmortes Plastik, verkohltes Holz und die Reste verbrannter Bücher auf dem Boden – und in der Luft immer noch Reste von beißendem Qualm. Fünf Ermittler der Polizei waren bis zum Mittag noch mit der Dokumentation und Spurensuche beschäftigt. Ein Beamter schüttelt den Kopf: „Es gab in den vergangenen Monaten nie Ärger mit dem Waldcamp, nie Beschwerden von Anwohnern“, berichtet er. Jedes Wochenende seien hier viele Leute hergekommen, auch Bürger und Unterstützer der Bürgerinitiativen. „Das war ein friedlicher Treffpunkt, es gab auch Workshops“, fährt er fort und fügt hinzu: „Umso unerklärlicher, was hier passiert ist.“

Für Petra Schmidt von der Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf sind verschiedene Szenarien denkbar: „Einfacher Vandalismus, der schlimm genug ist; gezielt politisch motivierte Täter mit Flughafenausbaugnern als Feindbild – oder Täter, die etwas gegen eine alternative Lebensweise haben.“

Wird das Geschehene den Protest schwächen? „Nein“, betont sie, „eher stärken, weil wieder mehr Menschen mal im Waldcamp vorbei schauen.“ Wichtig sei, dass das Camp ab Herbst, wenn wieder gerodet werden könnte, „als Anlaufpunkt für den Protest da ist und hoffentlich die Baumfällungen behindern kann“.

Das Protestcamp wird von mehreren Bürgerinitiativen genutzt, die sich für den Erhalt der Waldfläche einsetzen. Flughafenbetreiber Fraport beansprucht Teile des Forsts für den Bau eines Autobahnanschlusses in Nähe des Terminals 3 am Frankfurter Flughafen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare