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Der Künstler Douglas Burress arbeitet an seinem abstrakten Werk ?Life is just a Fantasy?. Foto/Repros: Erlenbach

Künstler Douglas Burress

Zarte Töne in leuchtendem Acryl

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Der Maler Douglas Burress ist ein Mann der Gegensätze. Der Kfz-Mechaniker und Soldat drückt sich oft in zarten Tönen aus, er kann aber auch anders. Zurzeit läuft eine Ausstellung seiner Gemälde im Kulturhaus Mörfelden.

Er ist ein Mann frappierender und kompromissloser Gegensätze. In feinste monochrome Bleistiftzeichnungen von Neugeborenen legt er die Wärme und Innigkeit, die der Künstler Douglas Burress für sie empfindet. Die drucklosen Striche sind derart zart, dass sie den Wunsch nach Streicheleinheiten aufs Papier bannen, mit denen die Hand auch des Betrachters den abgebildeten kleinen Menschen liebkosen möchte.

Das ist nur eine Seite des 48-jährigen Amerikaners mit tiefgründigen blau-grünen Augen aus Mörfelden. Der gelernte Kfz-Mechaniker kann auch anders. Auch der Einsatz nahezu der gesamten Pracht seiner leuchtenden Acrylfarben ist ihm nicht fremd. Gelegentlich malt er bunte Bilder mit kindgerechten Motiven für den Nachwuchs seiner Freunde.

Dann wieder widmet sich der Fa-milienvater mit gedämpfter Cou-leur Erinnerungen an seine ur-sprüngliche Heimat in Kansas. Mal kommt ein Hauch von Patriotismus zum Ausdruck, mal der Gedanke an Freiheit und Macht der Vereinigten Staaten, dann wieder steht ein Motiv aus der tiefsten Provinz Pate für Gemälde von alten Tankstellen und Oldtimern.

Burress wurde in Kansas geboren, wuchs dort auf und besuchte die Highschool. Lediglich während der letzten Schuljahre von der 9. bis zur 12. Klasse genoss er Kunstunterricht. Sein künstlerisches Talent hatte er jedoch bereits in der dritten Klasse entdeckt, als er begann, voller Leidenschaft viele Weißkopf-adler als majestätisches Wappentier der USA zu zeichnen.

1988 trat er in den Militärdienst ein. Ab dieser Zeit zeichnete er mit Bleistift und Kugelschreiber viele Totenköpfe. „Das hatte nichts mit meinem Militärdienst zu tun. Mich faszinieren Totenköpfe einfach.“ Am 4. Januar 1989 kam der Soldat nach Deutschland. Er war in Hanau stationiert. Dort traf er seine große Liebe und spätere Ehefrau Bettina Sullivan, mit der er 1994 zunächst nach Walldorf und 1997 nach Mörfelden zog.

Während Burress nicht mehr so recht an sein künstlerisches Talent glaubte, ermutigte seine Gattin ihn stets, weiter zu zeichnen und auch zu malen. So kam es, dass er 1994 mit Bleistift das Motiv des Musicals „König der Löwen“ zeichnete, weil es ihn faszinierte.

2014 griff der Künstler dann auch zu Acrylfarben und Pinseln. Eines seiner ersten Werke mit überwiegend gegenständlichen Motiven war „Lost War“ (Verlorener Krieg) nach dem Song „Lady in Black“ der Gesangsgruppe Uriah Heep. Während er es hörte, sah er das Motiv vor seinem inneren Auge und bannte es dann auf Leinwand. Auch seiner Gattin kam beim Hören ein Bild in den Sinn – ein anderes, das Burress dann nach ihren Vorstellungen zu einer zweiten optischen Interpretation des Liedes animierte.

Burress hat als Autodidakt niemals Kunstkurse besucht. „Jeder sieht seine Arbeit anders, jeder hat seinen eigenen Stil. Dazu brauche ich keinen Lehrer. Ich male nur für mich.“ 2014 und 2015 schuf der Künstler auch zwei abstrakte Wer-ke, kehrte danach jedoch zur Ge-genständlichkeit zurück.

Burress will künftig während verschiedener Experimente Farbverläufe auf seine Leinwände bringen. Er malt zu Hause im eigenen Atelier auf dem Speicher, sofern er abends und an Wochenenden neben seinem Beruf Zeit für seine Leidenschaft findet. „Meine erste Leidenschaft ist jedoch meine Frau. Dann kommt die Musik, sie ist mein Leben – und an dritter Stelle kommt das Malen“, lacht Burress, und strahlt über das ganze Gesicht.

Zurzeit sind seine neuesten Bilder mit großen Blüten anlässlich einer Retro-Ausstellung in der Treppenhausgalerie des Kulturhauses in Mörfelden ausgestellt.

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