Musiker Dany Bober

Zeitreise durch die jüdische Geschichte

Die Zuhörer im Saal der evangelischen Kirchengemeinde Walldorf bekamen ein besonderes Konzert geboten. Der Wiesbadener Künstler Dany Bober begeisterte sein Publikum mit einer musikalischen Zeit- und Weltreise durch die jüdische Geschichte.

Wie spannend Geschichte sein kann, wenn sie den Zuhörern gekonnt nähergebracht wird, das zeigt der Wiesbadener Künstler Dany Bober auf seinen vielen Konzerten im deutschsprachigen Raum. Rund 40 Besucher nutzten die Gelegenheit, um Bober am Samstagabend im Saal der evangelischen Kirchengemeinde Walldorf zu erleben. Sie begaben sich mit dem Künstler auf eine bewegende Zeit- und Weltreise durch die mehr als 3000-jährige jüdische Geschichte. Die Veranstaltung trug den Titel: „Gegen das Vergessen: eine jüdische Zeitreise mit Dany Bober“.

Das Publikum erlebte einen vielseitigen Abend voller Fröhlich- und Traurigkeit, mit nachdenklichen Momenten und einer Menge Humor. So spiegelte der Abend komprimiert die wechselvolle jüdische Geschichte wider. Mit Gespür für sein Publikum wechselte Bober zwischen traurigen und fröhlichen Liedern. Der Künstler begeisterte seine Zuhörer mit seinem profunden Wissen über die Welt- und Religionsgeschichte im Allgemeinen und die jüdische Geschichte im Besonderen.

Mit einer gehörigen Prise Humor und vielen lustigen Anekdoten lockerte Bober den Abend auf. Trotz der vielen traurigen Momente und schrecklichen Erlebnissen in der jüdischen Geschichte, die alle thematisiert wurden, hielt eine melancholische Stimmung nie lange an. Zum Thema Humor hatte Bober ein passendes Zitat des Religionsphilosophen Martin Buber parat: „Wenn ein Mensch nur Glauben hat, steht er in Gefahr, bigott zu werden. Hat er nur Humor, läuft er Gefahr, zynisch zu werden. Besitzt er aber Glaube und Humor, dann findet er das richtige Gleichgewicht, mit dem er das Leben bestehen kann.“

Bober begeisterte mit Liedern in vier Sprachen: Hebräisch, Spaniolisch, Jiddisch und Deutsch. Er begann den Abend mit vertonten Psalmen der Könige David und Salomo auf Hebräisch. David war nach christlicher Zeitrechnung um 1000 vor Christus König von Juda und als Nachfolger Sauls auch von Israel. Aus der prophetischen Zusage eines ewigen Bestands der David-Dynastie entwickelte sich der Glaube im Judentum an die Erwartung des Messias, der Israel von allem Unheil erlösen wird.

Bober erläuterte den Zuhörern, dass König David Jerusalem eroberte und schließlich auch die Bundeslade dorthin brachte. Dadurch wurde Jerusalem zum religiösen Zentrum für das Judentum. Auf David folgte dessen Sohn Salomo, der den ersten Jerusalemer Tempel erbauen ließ. Dieser wurde 587 vor Christus nach der Einnahme Jerusalems durch die Neubabylonier zerstört. Große Teile der Bevölkerung wurden ins Exil verbannt, die „babylonische Gefangenschaft“ begann. Dieses traurige Kapitel der jüdischen Geschichte drückte Bober mit melancholischer Musik aus.

Nach dem Sieg der Perser über die Neubabylonier wurde um 515 vor Christus der zweite Jerusalemer Tempel errichtet, der unter Herodes dem Großen stark erweitert wurde. Dieser wurde jedoch bei der Eroberung Jerusalems durch römische Truppen im Jahr 70 nach Christus zerstört. Die jüdische Bevölkerung verlor ihre politische Autonomie und wurde in alle Winde zerstreut.

Danach machte Bober einen großen Zeitsprung und sang in Spaniolisch zwei Liebeslieder aus der „goldenen Zeit“ für die jüdische Bevölkerung in Spanien im Mittelalter. Doch wurde diese durch religiöse Intoleranz, Verfolgung und Vertreibung im 15. Jahrhundert beendet. Nach der Pause fokussierte sich Bober überwiegend auf jüngere historische Ereignisse, davon viele mit Frankfurter Bezug. Bobers Eltern hatten Deutschland während der Nazi-Zeit verlassen und überlebten den staatlich organisierten Massenmord an der jüdischen Bevölkerung Europas – den Bober ebenfalls musikalisch thematisierte – im Exil in Palästina.

Bober, der sich seit rund 40 Jahren im christlich-jüdischen Dialog engagiert, ist trotz diverser antisemitischer Straftaten im Deutschland des Jahres 2018 für die Zukunft optimistisch: „Ich erlebe eine wachsende Solidarisierung, die sich gegen den Antisemitismus wendet“, so der Künstler.

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