Shootingstar: "Große Frau - ein Fels" von Wanda Pratschke, die dies der Stadt als Dauerleihgabe vermacht. FOTO: s: Friedrich
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Shootingstar: "Große Frau - ein Fels" von Wanda Pratschke, die dies der Stadt als Dauerleihgabe vermacht.

Kultur

Zur Eröffnung ein Ausrufezeichen

Im Skulpturenpark sind 17 Werke zu sehen

Die 23 markiert eine Erfolgsgeschichte: Zum nunmehr 23. Mal gelingt es der Kommunalen Galerie und ihrem Förderverein, mit dem Skulpturenpark Mörfelden-Walldorf ein Stück zeitgenössischer Objektkunst und Bildhauerei in den Bürgerpark zu holen.

Trutzige Plastiken, majestätische, figürliche Skulpturen, verspielte Objektkunst hoch oben in den Baumwipfeln, mahnende und pfiffige Kunst - es ist ein reiches Spektrum, das wieder geboten wird. Zehn Künstler stellen aus. Und 17 ihrer Werke verwandeln den Bürgerpark in Mörfelden für knapp acht Wochen in ein zauberhaftes Reich, wo die Naturkulisse einen besonderen Rahmen für die Kunst bietet.

Die Vernissage vergangenen Freitag, Corona-bedingt relativ klein gehalten, ist auch eine Gelegenheit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Wanda Pratschke, mit 82 Jahren die älteste Ausstellerin, setzt auch gleich ein Ausrufezeichen: "Ich möchte Ihnen meine Große Frau als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen."

Ein archaischer Muttertypus

Dem perplexen ehrenamtlichen Stadtrat Achim Sibeth, der die Ausstellung seitens der Stadt eröffnet, nennt die Bildhauerin die Gründe: Sie habe die Skulptur zu ihrem 80. Geburtstag gefertigt, "über sechs Monate". Die Sitzende verkörpert einen archaischen Muttertypus, der gut sechs Zentner auf die Waage bringt. "Sie passt nicht mehr durch die Tür meines Ateliers", bedauert ihre Schöpferin.

"Das Licht der Kunst liegt in euren Herzen", sagt Sascha Boldt. Warum sein gleichnamiges Objekt, eine riesige Sonnenuhr, ein ganz eigener Zeitmesser ist und schon gar nicht die mitteleuropäische Zeitzone markiert, dafür hat der Künstler gleich etliche Erklärungen parat. Klar ist: Jetzt, nach vielen Monaten, da Kunst und Kultur hinter Coronaregeln zurückstecken mussten, ist es an der Zeit, moderne Kunst zu genießen. "Toll, dass es so etwas wie hier gibt - zweimal darf man als Künstler mitmachen", freut sich Boldt.

Pandemiebedingt hatte der Skulpturenpark, der Teil des Kultursommers Südhessen (KUSS) ist, im Vorjahr eine Pause einlegen müssen. Auch in der Politik wurden unter einer von SPD, FDP und Freien Wählern geführten Koalition die Karten neu gemischt: Die Veranstaltung sollte aus Kostengründen nur noch zweijährig stattfinden. Damit soll jetzt aber Schluss sein, kündigte Sibeth an. Der Skulpturenpark werde wieder jährlich stattfinden. Bis zu 20 000 Euro kostet die Veranstaltung laut Bürgermeister Thomas Winkler. Organisiert und unterstützt wird sie von der Kommunalen Galerie Mörfelden-Walldorf, der Stadt und ihrem Förderverein.

Ob Experte oder Laie, die Skulpturen im Park ziehen Menschen in den Bann, die Veranstaltung genießt weit über die Grenzen der Doppelstadt hinaus einen Bekanntheitsgrad. "Sogar die Nachbarn fühlen sich mit verantwortlich", sagt Heiko Emmel, der gemeinsam mit Elke Behrens und Gabi Jancke an der Spitze der Kommunalen Galerie steht. Will heißen: Aus den umliegenden Häusern haben Anwohner stets ein Auge auf die 17 Objekte.

Den Geist beflügeln

Unter zahlreichen Bewerbern hatte eine Fachjury zehn Künstler herausgepickt. "Es sind akademisch ausgebildete und handwerklich geschulte Künstler, die mit klassischen Materialien, wie Holz und Bronze, aber auch mit modernen Materialien, wie Kunststoff arbeiten", erläutert Isa Bickmann, akademischer Kopf der Veranstaltung. Die Skulpturen im Park stellen ein breites Spektrum zeitgenössischen Schaffens dar, das figürliche und abstrakte Kunst zeigt, Alltägliches - ob beispielsweise Hula-Hoop-Reifen oder Rettungsring - in einen neuen Kontext rückt und mit komplexen Konstruktionen den Geist des Betrachters beflügeln soll. Den Höhepunkt aus Künstlersicht markiert die Finissage Ende August, bei der neben dem Preis der Jury auch der Publikumspreis vergeben wird.

Ursula Friedrich

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