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Natur- und Vogelschutzbund Bauschheim will Nachhaltigkeit fördern

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Der Natur- und Vogelschutzverein will verstärkt gegen achtloses Wegwerfen und wilde Ablagerungen vorgehen. Unterstützung findet er bei der Stadt Rüsselsheim.

Der Nachmittag beginnt mit einer guten Nachricht: Die Verantwortlichen, die vor zwei Wochen exakt 135 Reifen im Naturschutzgebiet in Bauschheim illegal entsorgt haben, sind gefasst. „Ein Rüsselsheimer Abschleppdienst hat sich bei der Stadt gemeldet und uns den Hinweis gegeben, dass er erst kürzlich ein Unternehmen mit der Entsorgung von 135 Reifen beauftragt hat“, erzählt Stefan Stein. An Zufall will er hier nicht glauben. Stein ist im Bereich Natur- und Umweltschutz für Umweltbeschwerden und Ordnungswidrigkeiten zuständig.

Beschwerden wie die des Natur- und Vogelschutzvereins Bauschheim (NVB) erhält er häufig, die sogenannten „wilden Ablagerungen“ scheinen vermehrt aufzutreten. Der NVB hat nach dem Fund im Naturschutzgebiet Anzeige erstattet, gar 100 Euro Belohnung für Hinweise zur Ergreifung ausgelobt. Günther Waldecker, Vorsitzender des NVB, zeigt sich jetzt aufgrund der frohen Botschaft erleichtert. Zufrieden ist er aber nicht: Er will nachhaltig etwas bewegen in Rüsselsheim und Umgebung.

Deshalb sind am Nachmittag neben ihm und Stein noch sechs weitere Entschlossene anwesend: Ortsvorsteher Werner Stahl, Horst Guthmann vom Verein Für Bauschheim sowie die Vereinsmitglieder Udo Genné, Horst Leismann, Bea Weigel und Günter Rauch. Zusammen wollen sie darüber sprechen, wie man die Idee für weniger Müll umsetzen kann – in Bezug auf wilde Ablagerungen wie auf weggeworfenen Kleinmüll.

Zigaretten und Plastik

„Die Vermittlung von nachhaltigem Denken ist nicht so einfach“, gibt Waldecker zu. Die Gebote der Gesellschaft würden weitgehend ignoriert. Waldecker ist vorbereitet, hat für alle Anwesenden Informationen zusammengetragen, welche Ausmaße weggeworfene Zigarettenstummel, Plastikgebinde und anderer Müll angenommen haben. In die Kritikphase steigen alle Anwesenden ein, fast jeder weiß ein Beispiel aus dem Alltag – seien es To-Go-Kaffeebecher, in der Bahn liegengelassene Bierdosen von enthemmten Fußballfans oder zurückgebliebene Einweggrills im Park.

„Meist ist das Arglosigkeit, Gedankenlosigkeit“, mutmaßt Udo Genné. Böswillige Naturzerstörung sei nicht der Vorsatz. Günter Rauch sieht den Ursprung in der mangelnden Erziehung vieler Menschen. Deshalb, findet Waldecker, müsse man zusammen anpacken und Aufklärungsarbeit leisten. „Wie können wir unsere Kräfte bündeln?“, fragt er in die Runde.

Alleine könne der NVB das personell wie finanziell nicht stemmen. Er schlägt vor, eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen und möglichst viele darin zu involvieren: Vereine, Stadt und andere Experten auf dem Gebiet sollen zusammenkommen.

„Ich finde die Idee prima“, sagt Stein. Er verspricht, die Idee in den Naturschutzbeirat zu tragen. Bisher gebe es noch keine Vernetzung von Naturschutzvereinen. „Der Naturschutzbeirat ist die richtige Anlaufstelle“, findet auch Horst Leismann. „Die Stadt sollte jedenfalls nicht federführend sein – die macht schon zu viel“, sagt Waldecker schmunzelnd. Involviert sollte sie jedoch in jedem Fall werden.

Auch selbst ist man nicht unschuldig, das stellen die Anwesenden schnell fest. „Wie viel Plastik man mit rausträgt, wenn man für einen Zwei-Personen-Haushalt einkauft, ist nicht normal“, findet Horst Guthmann. Bea Weigel hat indes schon Abhilfe in die Wege geleitet: Ein Anruf beim örtlichen Großmarkt führte dazu, dass wiederverwertbare Tüten für loses Obst und Gemüse als Alternative zum Kauf bereitstehen. Das könne aber nur ein Anfang sein. „Wir müssen uns selbst an die Nase fassen“, sagt Werner Stahl.

Konzept entwickeln

Für die wilden Ablagerungen sei ebenfalls ein Konzept zu entwickeln, findet Leismann. Es könne nicht sein, dass in verschiedenen Kommunen verschieden hohe Bußgelder eingesetzt werden. „Da kann man ja gleich überlegen, dass man seinen Müll lieber in der Nachbargemeinde ablädt, weil es da billiger ist“, kritisiert er. „Da gebe ich Ihnen recht, da kocht jeder sein eigenes Süppchen“, gibt Stein zu. Die Rüsselsheimer Abfallsatzung sehe eine Höchstbuße von 50 000 Euro vor, die aber bisher noch nicht verhängt wurde.

Wichtig sei, dass die Idee diskutiert werden müsse. „Es muss ein Wille dahinter sein, auch in der Bevölkerung“, sagt Waldecker. Denunziantentum sei nicht angebracht. „Wir müssen das behutsam angehen“, findet Stahl.

Auch Stein sieht das so, will aber das Projekt gern in Angriff nehmen. Im nächsten Schritt sollen mögliche Beteiligte eingeladen werden. Waldecker ist zufrieden. „Abfallentsorgung ist keine Verhandlungssache“, schließt er die Diskussionsrunde – vorerst.

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