+

Steigende Preise

Grundschule: Drei Millionen Euro mehr für Neubau

Die Baufirmen sind ausgelastet, die Preise steigen. Auch der Kreis Groß-Gerau muss für den Neubau der Grundschule in Nauheim tiefer in die Taschen greifen.

Nauheim - Der Neubau und die Sanierung der Grundschule Nauheim werden rund drei Millionen Euro teurer als geplant. Das ist der Kreisverwaltung seit längerem bekannt. Schon bei der Jahrespressekonferenz im Januar hatte Landrat Thomas Will (SPD) das Neubau-Projekt in der Gemeinde Nauheim als Beispiel für gestiegene Baukosten angeführt. Grund dafür sei die angespannte Auftragslage, die mit steigenden Preisen einhergehe, so Will.

Nun haben es die Kreistagsabgeordneten schwarz auf weiß: In der Beschlussvorlage, die sowohl dem Bildungs- als auch dem Finanzausschuss vorliegt, bittet die Kreisverwaltung um Zustimmung für sogenannte investive Mehrkosten in Höhe von 3 122 000 Euro. Die zusätzlichen Kosten habe der Kreis bereits für die Jahre 2020 und 2021 im Haushalt eingeplant.

Im Juni 2017 hatte der Kreistag beschlossen, den 1963 erbauten Klassentrakt an der Nauheimer Grundschule abzureißen, genauso wie die Pavillons und das WC-Gebäude. Die Verwaltung veranschlagte damals Gesamtkosten von rund 14 396 000 Euro. Doch das reicht zwei Jahre später nicht mehr, denn der zuständige Fachbereich habe nur eine geringe zusätzliche Sicherheit miteinkalkuliert.

Betriebe sind ausgelastet

Doch von Mai 2017 bis Februar 2018 seien die Baupreise von 2,7 Prozent auf 4,7 Prozent gestiegen. Diese Preissteigerung beziehe sich einzig auf Personalkosten und Materialkosten. Hinzu komme, dass die Baufirmen stark ausgelastet sind und die Preise durch den geringen Wettbewerb deutlich höher liegen. Die Folgen: Der Baubeginn verzögerte sich laut Kreisverwaltung, weil bei der ersten Ausschreibung kein Auftrag erteilt werden konnte und die Ausschreibung wiederholt werden musste.

Zudem habe der Kreis mehrere Aufträge über der anfänglichen Kostenberechnung vergeben müssen - 17 Prozent mehr für die Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen, 19 Prozent mehr für die lufttechnischen Anlagen und sogar eine 33-prozentige Preissteigerung für die Fassade. Der Kreis rechne deshalb mit einer Kostensteigerung von 20 Prozent bei weiteren zu vergebenden Aufträgen, was Investitionen von rund 2,5 Millionen Euro entspreche.

Für den Umbau der Außenanlage kommen rund 900 000 Euro dazu, nachdem der Kreis gemeinsam mit der Schulgemeinde einen Masterplan zur Gestaltung der Anlage entwickelt hat. Anfangs hatten die Planer mit der Hälfte dieser Summe gerechnet, nun muss der Kreis weitere 420 000 Euro bereitstellen. Unterm Strich ergeben sich also insgesamt Mehrkosten von rund drei Millionen Euro, das Investitionsvolumen von anfangs rund 15 Millionen Euro steigt somit auf rund 17,5 Millionen Euro.

Keine Einsparung möglich

Die außerplanmäßigen Ausgaben könnten nicht durch verschiedene Einsparungsmaßnahmen aufgefangen werden, heißt es im Bericht des Kreises. Man könne zwar weniger Spielgeräte auf der Außenanlagen aufbauen, doch die seien ohnehin bereits auf ein Minimum reduziert. Außerdem sei die Planung weitestgehend abgeschlossen und ein Großteil der Aufträge aufgrund der Dringlichkeit des Projekts ausgeschrieben und beauftragt.

Derzeit werde die Decke betoniert, die Rohbauarbeiten sollen im September 2019 abgeschlossen werden. Die Herstellung der kompletten Fassade sowie der Haustechnik sei beauftragt; Dacharbeiten, Trockenbau und Estrich habe die Verwaltung ausgeschrieben. Damit liege man im Zeitplan: Der Neubau soll im Dezember 2020 fertiggestellt sein, so dass der Schulbetrieb dort voraussichtlich zum Schulhalbjahr 2021 aufgenommen werden kann.

Entschlössen sich die Kreistagsabgeordneten für eine nachträgliche Planänderung, entstünden Zusatzkosten durch Planungs- und Leistungsänderungen, gibt die Kreisverwaltung zu bedenken.

Nach den neuen Berechnungen trägt der Kreis mit rund 14 Millionen Euro den größten Anteil am Bauprojekt Grundschule Nauheim. Die Gemeinde schießt rund drei Millionen Euro hinzu, die Restsumme soll mit Fördergeld finanziert werden.

Im Bildungsausschuss wurden die Mehrkosten nach ausführlicher Diskussion mit den Stimmen der Fraktionen SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke/Offene Liste und FDP/FWG gegen die Stimme der AfD-Fraktion angenommen. Der Kreistag entscheidet vor der Sommerpause in seiner Sitzung am 24. Juni über die Drucksache.

VON DOROTHEA ITTMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare