Gesellige Zusammenkünfte mit vielen Menschen in einem Raum - wie bei der Zehnjahresfeier 2019 - sind den Mitgliedern der Generationenhilfe vorerst nicht vergönnt. FOTO: RAINER BEUTEL
+
Gesellige Zusammenkünfte mit vielen Menschen in einem Raum - wie bei der Zehnjahresfeier 2019 - sind den Mitgliedern der Generationenhilfe vorerst nicht vergönnt.

Soziales

Alle Aktivitäten liegen auf Eis

  • vonRainer Beutel
    schließen

Die Nauheimer Generationenhilfe verzichtet seit einem Jahr auf ihre Treffen.

Die Sozialarbeit der Generationenhilfe ist durch die Corona-Pandemie fast vollständig ausgeschaltet. Alltägliche und früher normale Hilfeleistungen für bedürftige Menschen fänden nicht mehr statt, berichtet Vorsitzende Ingrid Michel. Der zwölf Jahre alte Verein sei froh, dass die Betroffenen viel Verständnis für die angespannte Situation hätten. Das stimme selbst mitten in der Krise optimistisch.

"Grundsätzlich sind wir total aufgeschmissen", sagt Ingrid Michel. Der Verein könne seiner in der Satzung festgelegten Aufgabe nicht nachkommen. Dazu gehöre beispielsweise, alleinstehende Menschen zu einem Arzttermin zu fahren. Oder mal einer Witwe zu Hause eine ausgefallene Telefonanlage wieder zu installieren. Sogar Einkäufe wurden im vergangenen Jahrzehnt erledigt, beispielsweise wenn jemand gerade aus dem Krankenhausentlassen wurde und noch nicht wieder mobil genug war, um eigenständig zu handeln.

Unterstützung nur im Notfall

Besonders wichtig seien die regelmäßigen Zusammenkünfte gewesen, entweder in der Sozialstation im Rahmen der kommunalen Seniorenförderung oder bei gemeinsamen Ausflügen, betont Michel. Seit einem Jahr sei Funkstille, so gut wie nichts gehe mehr.

Es könnte vorkommen, schränkt die Vorsitzende ein, dass ein absoluter Ausnahmefall eintrete. Etwa bei jemand, der wirklich niemanden im privaten Umfeld kenne und keine Angehörigen mehr habe, aber eventuell wegen eines Notfalls sofort Hilfe benötige. In so einer Situation ließe sich unter den Abstands- und Hygienemaßnahmen etwas organisieren. "Aber grundsätzlich sagen wir nein", betont Michel. Andernfalls würden breitflächig Ansprüche geweckt werden, die nicht erfüllt werden könnten.

Aufgefallen sei dem Vorstand, dass während der Pandemie Hilfsdienste innerhalb der Verwandtschaft plötzlich möglich gewesen seien. Das sei grundsätzlich zu begrüßen, aber es sei bemerkenswert, wenn zuvor gesagt worden sei: "Ich habe niemand, der mir helfen kann." Dann sei die Generationenhilfe eingesprungen. "Offenbar übernehmen wir manchmal die Arbeit der Angehörigen", äußert sich Michel etwas nachdenklich.

Den Kontakt aufrecht halten

Die Vorsitzende ist jedoch froh, dass die Bedürftigen unter den rund 200 Mitgliedern die Zwangslage akzeptierten und respektieren. "Alle haben Verständnis", betont Michel. Über E-Mail bemühe sich der Vorstand, zu den meisten Kontakt zu halten. Bei etwa der Hälfte der Mitglieder, die kein Internet nutzten, helfe das gute alte Telefon, sagt sie. Notfalls schreibe sie den Leuten "ein paar liebe Worte".

Die Vereinschefin, die früher in der Seniorenförderung der Gemeinde arbeitete und daher viele ältere Frauen und Männer persönlich kennt, verweist auf die Sozialstation, um zu erklären, wie plötzlich die Zäsur gekommen sei: "In der Sozialstation steht noch unsere Weihnachtstombola." Während 2020 noch das eine oder andere Treffen möglich war, seien im November die Schotten sofort dicht gemacht worden. Ehrenamtliche Helfer hätten noch ein paar Päckchen ausgefahren, dann sei Schluss gewesen.

Es verstehe sich von selbst, dass im März dieses Jahres die Hauptversammlung abgesagt und auf einen noch unbekannten Termin verschoben wurde. Zusammenkünfte seien weiterhin undenkbar. Bei solchen Treffen der älteren Generation kämen vielleicht nur zehn Personen zusammen, es säßen dann jedoch Personen aus zehn Haushalten in einem Raum.

Wie es mit der Generationenhilfe weitergeht und vor allem wann, das wisse sie noch nicht. Es sei zu hoffen, dass möglichst bald alle oder zumindest viele Menschen gegen Covid-19 geimpft sind und dadurch eine Herdenimmunität entstehe. "Dann fahren wir schnell wieder hoch. Sobald es einen Funken Freiheit gibt, legen wir los", gibt sich Ingrid Michel zuversichtlich. Rainer Beutel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare