Anwohner, die sich vom geplanten Wohnungsbauprojekt von Michael Adrian (Sechster von links) übergangen fühlen, melden sich zu Wort. FOTO: Rainer Beutel
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Anwohner, die sich vom geplanten Wohnungsbauprojekt von Michael Adrian (Sechster von links) übergangen fühlen, melden sich zu Wort.

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Anwohner über Neubaupläne besorgt – „Sie bauen uns zu!“

  • VonRainer Beutel
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In Nauheim plant Seniorenheimbetreiber Michael Adrian ein Bauprojekt. Nachbarn protestieren vehement.

Nauheim - Für das Bauprojekt von Seniorenheimbetreiber Michael Adrian an der SKV-Halle soll ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. Das entschied der Bauausschuss einstimmig bei einer Enthaltung.

Anlieger können sich in einem Beteiligungsverfahren zu Wort melden. Massive Proteste äußerten die künftigen Nachbarn am Mittwoch vor der Sitzung. "Sie bauen uns zu", kritisierte ein Mann bei einem Ortstermin. Adrian garantierte, dass der Baugrund östlich der Halle nach dem Bau weniger versiegelt sei als vor dem Abriss der inzwischen ungenutzten und an ihn verkauften Wirtschaftsgebäude der SKV.

Nauheim im Kreis Groß-Gerau: Anwohner von Bauplänen wenig begeistert

Der Seniorenheimbetreiber will 15 Betriebs- und fünf Sozialwohnungen errichten. Vor allem Auszubildende aus Pflegeberufen sollen dort wohnen. Für die Sozialwohnungen bekomme die Kommune ein Belegungsrecht. Dafür werde ein städtebaulicher Vertrag abgeschlossen. Mit einem Mietpreis von 5,50 Euro verlange Adrian weniger als den üblichen Marktwert, lobte Bürgermeister Jan Fischer die Absichten. Das sei "heutzutage keine Selbstverständlichkeit".

Anlieger aus der Umgebung zwischen dem SKV-Komplex und der Goethestraße wirkten von den Vorhaben weniger begeistert. Sie gingen Adrian bei dem Ortstermin verbal massiv an. Ein Mann sorgte unter Anwesenden für Verwunderung, als er Adrian vorschlug, dieser könne doch die alte SKV-Kegelbahn modernisieren und auf Wohnungen verzichten.

Nauheim: Seniorenheimbetreiber reagiert auf Kritik

Der Angegriffene verteidigte sich. Er handele nicht wie ein Immobilienunternehmer, der Einfamilienhäuser baue und gewinnbringend veräußere. Er wolle jungen Menschen, die kein Auto oder keinen Führerschein hätten, eine Wohnmöglichkeit nah am Ausbildungs- oder Arbeitsplatz bieten. Er verwies auf die im Ort bestehende Pflegeakademie mit rund 100 Schülern und seine drei Seniorenhäuser mit vielen jungen Pflegekräften - einem Beruf mit Zukunft, der großen Zulauf verspüre, unterstrich er.

"Ich kann nur bauen, wie es möglich ist", sagte Adrian. Selbstverständlich werde er sich an alle gesetzlichen Vorgaben halten, vom Brandschutz über Parkplätze und Fluchtwege bis zu den Abständen zu Nachbargebäuden. Er räumte ein, dass von Balkonen und Terrassen seines Neubaus der Blick in Gärten der Nachbarschaft möglich sein werde.

So etwas sei bei keinem Bauprojekt auszuschließen. "Ihnen schauen aber keine 50 Leute auf den Teller", bekräftigte Adrian. Der Ausschussvorsitzenden Gabi Killian (Grüne) gelang es, die Gemüter während des Ortstermins zu beruhigen.

Nauheim im Kreis Groß-Gerau: Bauaufsicht, Verwaltung und politische Gremien prüfen Kritikpunkte

Sie lud die Bürger in die anschließende Sitzung ein. Dem Angebot folgten allerdings nur einzelne. Es sei noch nichts entschieden, sagte sie. Die betroffene Nachbarschaft werde so früh wie möglich in das Bauleitplanverfahren einbezogen, das nun erst beginne.

"Das ist der erste Aufschlag jetzt", bestätigte der Bürgermeister. Bei der öffentlichen Auslegung der Pläne könnten Anlieger ihre Einwände vortragen, "die berücksichtigt würden".

Mit anderen Worten: Bauaufsicht, Verwaltung und politische Gremien prüfen, ob Kritik berechtigt ist, ob der Bauträger daraus Konsequenzen ziehen muss oder ob dessen Bauantrag rechtmäßig ist. "Die Stellungnahmen werden abgewogen", nutzte Fischer die amtliche Bezeichnung für diesen Vorgang. Erst nach der Abwägung werde endgültig beschlossen.

Bürgermeister von Naheim: "Nahverdichtung" sinnvoll

Fischer sagte zu, dass die Kommune "mit einer Wurfsendung" darauf hinweise, wann sich die Leute zu Wort melden könnten. Selbstverständlich werde dies rechtzeitig auf der Homepage der Gemeinde (www.nauheim.de) bekannt gemacht. "Es gab auch schon Vorhaben, wo Nachbarn diesen Prozess verpasst haben", erinnerte er.

Anliegern, die sich schon jetzt fühlen, als würden sie vor vollendete Tatsachen gestellt, versicherte der Verwaltungschef: "Es ist heute der frühestmögliche Zeitpunkt, darauf aufmerksam zu machen."

Eine Tendenz pro Bebauung steht offenbar fest. Fischer betonte, dass "wir eine Nahverdichtung im Innenraum für sinnvoll halten". Details, wie der erwünschte Erhalt einer groß gewachsenen Kastanie an einer Zufahrt, würden noch geregelt.

Grünen-Gemeindevertreterin Stefanie Hackler-Siesenop bat ausdrücklich darum, dass der Baum nicht gefällt werde. Adrian garantierte, dies anzustreben. Wegen der großen Löschfahrzeuge müsse die Kastanie womöglich im unteren Bereich ausgedünnt werden. Das entscheide die Feuerwehr. (Rainer Beutel)

An drei weiteren Standorten freies WLAN: Nauheim vergibt Auftrag für Hotspots.

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