Der Männergesangverein Germania ließ sich mit dem früheren Vorsitzenden Philipp Diehl (vorne, Sechster von links) beim 50-jährigen Bestehen 1934 ablichten. REPRO: RAINER BEUTEL
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Der Männergesangverein Germania ließ sich mit dem früheren Vorsitzenden Philipp Diehl (vorne, Sechster von links) beim 50-jährigen Bestehen 1934 ablichten. REPRO: RAINER BEUTEL

Lokal-Historie

Auf der Suche nach historischen Quellen

  • vonRainer Beutel
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Hans-Georg Müller erforscht die Geschichte des Gesangvereins Germania.

Gibt es noch Nachkommen von Mitgliedern des ehemaligen Gesangvereins Germania? Schlummern in einem alten Familienalbum Bilder von anno dazumal? Hans-Georg Müller ist auf den Spuren des einst großen Vereins, zu dem er sogar einen kleinen persönlichen Bezug hat. Doch bislang ist seine Datenlage rudimentär. Jetzt sucht er Unterstützung.

Seit 1992 kümmert sich Müller um die Chronik des Gesangvereins Eintracht, Nauheims ältestem Verein von 1868, in dessen aufgelöstem Männerchor er einst gesungen hat. Über die Eintracht sei sehr viel bekannt und mit historischen Bildern und Dokumenten belegt, "abgesehen von den ersten 25 Jahren nach der Vereinsgründung", wie der Chronist einschränkt.

Bei seinen Recherchen stieß er auf den zweiten großen Nauheimer Gesangverein, der für das kulturelle Leben in der Gemeinde im 19. und frühen 20. Jahrhundert prägend gewesen sei - die Germania. "Also habe ich mich auch darum gekümmert", erklärt Müller den Grund seiner lokalhistorischen Forschungen.

Er ist glücklich über Zufallsfunde wie den von Lothar Walbrecht. Der zweite Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins brachte ihm kürzlich einen gläsernen Bierkrug aus dem Besitz von Evelin Viering. Die Gravur auf dem Zinndeckel verweist auf 1909. Zum 25-jährigen Germania-Bestehen sei damit Wendel Geyer als Mitgründer gewürdigt worden. Ein schönes Überbleibsel, wie Müller findet. Doch Niederschriften über Versammlungen der Germania besitze er nicht und bedauerlicherweise auch nur vereinzelt Bilder.

Die Spuren verlieren sich

Müller hofft daher auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Möglicherweise erinnere sich jemand, dass der Groß- oder Urgroßvater der Germania angehört habe. Dann wäre er dankbar, wenn er den einen oder anderen Tipp bekäme oder sich ein altes Foto mal anschauen könnte. Müller ist erreichbar unter der (0 61 52) 6 24 24.

Immerhin kennt er die Eckdaten der Germania. Gegründet wurde der Verein 1884. Zu den Mitgründern habe Johannes Berz gehört, der Namensgeber der Berzallee in Nauheim. Dieser habe den Verein als Vorsitzender bis 1988 geführt. Danach aber verliefen sich die Spuren aus den Anfängen der Sänger. Bekannt ist allerdings, dass Berz von 1888 bis 1905 und von 1908 bis 1919 Nauheimer Bürgermeister war.

Eine andere wichtige Person war Philipp Diehl, der beim 50-jährigen Bestehen 1934 Germania-Vorsitzender gewesen sei. Ein typischer Nauheimer und Königstädter Name, wie Heimatkundler wissen. Weitere Anhaltspunkte für mögliche familiäre Verbindungen bis in die Gegenwart liefern vereinzelte Aufzeichnungen aus Philipp Diehls Zeit. Diese Familiennamen sind noch heute in der Gemeinde allgegenwärtig: Mischlich, Jüngling, Sünner, Kuhlmann, Schad, Wedel, Neumann und Arnold.

Schmunzelnd berichtet Müller, was er über die Goldenen Zwanziger Jahren rausbekommen hat. 1926 habe es Versuche gegeben, die Germania und die Eintracht zu vereinen, um einen "noch schlagkräftigeren Gesangverein" auf die Beine zu stellen. Das wiesen Protokolle der Eintracht aus. Doch wegen unüberbrückbarer Differenzen sei das Unterfangen gescheitert. Anschließend hätten sich die beiden Sängervereinigungen gegenseitig die Schuld zugeschoben.

Nach dem Krieg nicht wiederbelebt

Zwangsvereinigt worden seien die Clubs unter den Nazis 1934. Ende 1936 seien beide Vereine wieder selbstständig geführt worden. Bis 1945 sei dann nichts Wesentliches mehr von der Germania bekannt. Nach dem Krieg sei es den verbliebenen Mitgliedern - ganz im Gegensatz zur Eintracht - nicht gelungen, die Germania wiederzubeleben.

Eines aber sei verbürgt: Gegründet hat sich die Germania vor 137 Jahren in der ehemaligen Gaststätte "Zur Linde" in der einstigen Rathausstraße 5. Das Gebäude am heutigen Heinrich-Kaul-Platz 5 dient nach der Gaststättenschließung 1939 bald darauf als Wohnhaus. Wo sich einst Theke, Gaststube und ein Saal befand, wohnt heute ein Ehepaar, das somit einen persönlichen Bezug zur Germania gefunden hat: Hans-Georg Müller und seine Frau Ingrid. Rainer Beutel

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