Auf einer 900 Quadratmeter großen Fläche im Seichböhl parken keine Autos mehr, stattdessen gedeihen Wildblumen und Gräser. FOTO: RAINER BEUTEL
+
Auf einer 900 Quadratmeter großen Fläche im Seichböhl parken keine Autos mehr, stattdessen gedeihen Wildblumen und Gräser. FOTO: RAINER BEUTEL

Umwelt

Blühwiesen für größere Artenvielfalt

Mit Blühstreifen will Nauheim mehr Lebensraum für Insekten in der Gemeinde schaffen. Doch die hochwachsenden Kräuter stören den Ordnungssinn mancher Bürger.

Nauheim -Aus Sicht des Umweltamts unternimmt die Gemeinde allerhand, um die Artenvielfalt auf kommunalen Grünflächen zu fördern. Noch im Juni kam Kritik auf, weil einige Straßen- und Wegeränder überraschend gemäht worden waren und deshalb schützenswerte Pflanzen verschwanden.

Das Rathaus zeichnet von den Verkehrsbegleitflächen, wie Verkehrsinseln, Straßenränder und brachliegende Wiesen im Amtsdeutsch genannt werden, ein buntes Bild. Thomas Arnold aus dem Umweltamt sagt, dass öffentliche Grünflächen dazu dienten, die Artenvielfalt zu unterstützen. Aber nicht durch immer mehr Eingriffe. "Im Prinzip kann schon die Reduzierung der Pflege dazu beitragen", betont er.

Es gehe darum, Stauden und einjährige Pflanzen einfach mal in Ruhe zu lassen. Wenn sie blühen und fruchten können, seien sie wertvoll für Insekten und Vögel - "anders als ein kurz geschnittener Rasen". Arnold plädiert zum Beispiel für Altholz- und Lesesteinhaufen, wenn es darum geht, einen Lebensraum für viele Arten zu schaffen. Allerdings gebe es immer wieder Gegenwind von Menschen, die Flächen anders nutzten und einen anderen Anspruch hätten.

Kies besser als Asphalt

Hochwachsende Kräuter entsprächen nicht jedermanns Ordnungssinn. Nicht jeder wisse, dass Kieswege oder -streifen für alles, was kreucht und fleucht, besser als gepflasterte oder geteerte Flächen sind. Dennoch werde ein ordentliches Pflaster von vielen eher akzeptiert als ein paar Pfützen oder Unkraut. Aus Arnolds Sicht wäre es geschickter, Herbstlaub am Rand von Grünflächen zwischen Gehölzpflanzungen einfach liegen zu lassen. "Das ist aber in vielen Fällen nicht möglich, da es nicht akzeptiert wird", bedauert er.

Die Gemeinde jedenfalls unternehme einiges, die Artenvielfalt zu fördern. Erste Maßnahmen gingen auf einen Grünplan von 1980 zurück. Arnold erinnert an die Gestaltung des Wohngebietes Wolfsberg, wo in nahezu jeder Straße ein unbefestigter Kiesstreifen am Straßenrand angelegt worden sei. Mit Blick auf das Mikroklima sei dies für die Artenvielfalt positiv, andererseits seien aber auch Unkrautecken entstanden, weiß er. Bäume würden leider oft als "Verursacher von Dreck und Pflasterschäden" angesehen.

Von den Maßnahmen, die erfolgreich umgesetzt worden seien, erwähnt er unter anderem blühenden Klatschmohn, Vogelwicke und Nachtkerzen am Regenversicherungsbecken Schleifweg, die erst voriges Jahr angelegte Kräuterwiese im Bürgerpark Waldstraße sowie Blumenwiesen am Waldwiesengraben und an der Bahnlinie.

Noch recht jung ist ein mit Baumstücken abgesperrtes Rechteck im Seichböhl an der Chaussee Richtung Trebur. Dort parkten früher täglich Autos von Spaziergängern oder Hundebesitzern, die ihre Vierbeiner dort ausführen. Die Holzstämme blockieren nun das Areal. Auf der 900 Quadratmeter großen, gefrästen Fläche sei Saatgut für Wildpflanzen eingesät worden, berichtet Arnold. Mindestens 28 verschiedene Arten, darunter jeweils zur Hälfte Gräser und Kräuter, könnten auf der Fläche gedeihen, die Eigentum der Stadt Rüsselsheim sei.

Kooperation mit Vereinen

Arnold erwähnt außerdem die Kooperation mit Vereinen, Firmen und Naturschutzverbänden. Dies habe zur Hochstammanlage im Seichböhl, vielen Bäumen am Lärmschutzwall, dem bepflanzten Kreisel auf der Rüsselsheimer Straße und Verkehrsinseln mit Ziergräsern und Stauden geführt. Unter anderem erwähnt er die Kooperation mit dem Obst- und Gartenbauverein, den Landfrauen und der Naturlandstiftung des Kreises, ebenso die Unterstützung durch Firmen wie dem TKW Gebäudeservice, dessen Auszubildende beispielsweise Insektenhotels im Bürgerpark aufgestellt haben.

Letztlich hofft Arnold auf ein Umdenken und Beiträge jedes Einzelnen. Er empfiehlt eine Reihe von Maßnahmen, die helfen könnten, die Artenvielfalt zu fördern. Dass dann doch plötzlich wild bewachsene Ränder von Landesstraßen gemäht würden, liege nicht im Einflussbereich des Rathauses, ließ Bürgermeister Jan Fischer (CDU) kürzlich wissen. Rainer Beutel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare