+
Börner-Geschäftsführer Holger Lempert sagt, dass die Nauheimer Firma derzeit bis zu 800 Hustenschutz-Barrieren anfertigt und liefert. Foto: Rainer Beutel

Sicher gegen Viren

Corona in Nauheim: Hustenschutz so gefragt wie nie

  • schließen

Die Firma Börner ist Acrylglas-Spezialist und eigentlich für seine transparenten Stadiondächer bekannt. In Corona-Zeiten produziert das Nauheimer Unternehmen auch Glasscheiben, die Menschen vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen sollen. Die Nachfrage ist groß.

  • Corona in Nauheim: Acrylspezialist versinkt in Anfragen
  • Nauheim: Husten und Spuckschutz gegen Coronaviren
  • Nachfrage steigt in Zeiten von Corona rasant
Nauheim - Die Nachfrage nach einem Husten- und Spuckschutz aus Acrylglas ist bei der Nauheimer Firma Börner in den vergangenen Wochen in die Höhe geschnellt. Das mittelständische Unternehmen liefere derzeit 500 bis 800 Stück pro Woche aus, sagt Geschäftsführer Holger Lempert.

Aufgrund von Corona-Pandemie: Lange Liste von Abnehmern

Die Referenzliste der Kunden, die bei dem 1945 von Hans Börner gegründeten Unternehmen die Schutzsperren für Theken und Kassen bestellt haben, hat eine beachtliche Länge. Sie reicht von der Kreissparkasse Groß-Gerau und den Kreisausschuss über Ärzte, Friseure, Gewerbebetriebe und Tierärzte bis zu Kommunalverwaltungen von Bischofsheim und Trebur. Die Goethe-Universität in Frankfurt und der TÜV gehören ebenfalls zu den Abnehmern.

Sogar Bundeswehr will Schutz gegen Corona

"Sogar die Bundeswehr hat sich schon gemeldet", berichtet Seniorchef Ortwin Lempert. Erfreut erwähnt er, dass Nauheims Bürgermeister Jan Fischer (CDU) bei seinen Amtskollegen im Kreis bekannt gemacht habe, wie schnell Börner liefere. "In der Regel innerhalb von zwei bis vier Tagen", heißt es vom Unternehmen. Selbst dann, wenn es sich um große Stückzahlen des thermisch gekanteten Acrylglases handele, das verhindern soll, dass sich Menschen mit Covid-19 infizieren.

Ortwin Lempert informiert, dass es die Trennwände schon vor der Corona-Krise im Sortiment gegeben habe. Sie gehören eher zu den kleinen Nebenprodukten. Der Acryl-Spezialist hat sich vielmehr weltweit unter anderem mit dem Bau von transparenten Stadiondächern einen Namen gemacht und seit mehreren Jahrzehnten in der Branche den Begriff der "Nauheimer Lichtkuppeln" geprägt. Die Nachfrage nach dem Hustenschutz sei allerdings wegen der Corona-Krise extrem in die Höhe geschnellt.

Hohe Nachfrage in Zeiten von Corona - Rohmaterial wird knapp

Das sei nicht nur bei Börner der Fall, sondern auch bei den Mitbewerbern auf dem Markt. Allerdings gebe es für den einen oder anderen Hersteller ein Problem - das Rohmaterial werde knapp. Zudem seien die Materialpreise zwischen 30 und 50 Prozent gestiegen. Das habe zu der kuriosen Situation geführt, "dass unsere Konkurrenz bei uns nachgefragt hat, ob wir noch Material haben", erzählt Ortwin Lempert. Die eigenen Lager seien jedoch gut gefüllt. Das hänge mit den mittlerweile 70 Jahre währenden Verbindungen zusammen, die die Firma Börner zu ihren Lieferanten unterhalte.

Während der Seniorchef auf "uralte Verträge" verweist, lässt sein Sohn eine vorausschauende Planung erkennen: "Wir haben rechtzeitig ein bisschen gebunkert", sagt Holger Lempert schmunzelnd, der seit 2009 hauptverantwortlicher Geschäftsführer der Firma Börner ist und den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater seit 2009 führt. Ortwin Lempert, früherer Kommunalpolitiker und Ehrengemeindevertreter, beobachtet das kommunale Geschehen genau. Aufmerksam registriert hat er im Zusammenhang mit der Corona-Krise, dass der örtliche Gewerbevereinsvorsitzende Ludwig Boßler dazu aufgerufen hat, Nauheimer Betriebe zu stärken und lokal einzukaufen. "Das machen wir schon immer. Wenn wir einen Handwerker brauchen, dann kommt der aus Nauheim", versichert Ortwin Lempert und fügt an, dass sein Schwiegervater Hans Börner zu den Gründern des Nauheimer Gewerbevereins gehört habe.

Keine Solidarität in Corona-Krise: Edeka-Markt bestellt woanders

Aufgefallen ist Lempert, dass im Nauheimer Edeka-Markt von Ludwig Boßler an den Kassen Hustenschutzprodukte anderer Produzenten aufgestellt worden seien. "Der Gewerbevereinsvorsitzende sollte bei der Stärkung lokaler Firmen mit gutem Beispiel vorangehen", findet Ortwin Lempert. Boßler fühlt sich durch den Vorwurf zu Unrecht kritisiert. Der Hustenschutz, der in seinem Markt verwendet wird, sei "sehr schnell von einem Königstädter Mitglied des Nauheimer Gewerbevereins geliefert worden", sagt er auf Anfrage. Insofern sei er sich keiner Schuld bewusst.

Von Rainer Beutel

Corona als Chance nutzen, mit vorhandenen Produktionsmöglichkeiten einen Beitrag zur Bewältigung zu leisten: Das hat sich auch die Firma Ehmann aus Mainhausen zum Ziel gesetzt*.

*op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Netzwerks. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare