Ernste Gesichter bei den Fußballern: Die Mitglieder erfahren in der Jahreshauptversammlung, dass es dem SV 07 finanziell nicht gerade gut geht. FOTO: Rabe
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Ernste Gesichter bei den Fußballern: Die Mitglieder erfahren in der Jahreshauptversammlung, dass es dem SV 07 finanziell nicht gerade gut geht. FOTO: Rabe

Vereine

Corona verschärft die finanzielle Schieflage beim SV 07

Keine Feste, keine Einnahmen: Dem SV 07 fehlt Geld und das nicht erst seit der Corona-Krise. Jetzt ist auch der Pächter der Vereinsgaststätte weggebrochen.

Nauheim -Die Umsetzung eines im Dezember 2019 aufgestellter Plans, wie der Sportverein 07 (SV) aus einer Finanzkrise gelangen könnte, verzögert sich mindestens um ein weiteres Jahr und reicht bis 2024. Aber nicht nur die Corona-Pandemie belastet die Vereinskonten.

Vorsitzender Bernd Passinger legte in der von rund 50 Mitgliedern besuchten Jahreshauptversammlung am Freitagabend die Karten auf den Tisch, als er auf die wirtschaftliche Situation des SV einging. Wegen der aktuellen Lage sei es nicht sicher, wann es wieder große, öffentliche Veranstaltungen gebe. Einnahmen aus dem Speisen- und Getränkeverkauf, beispielsweise beim Frühlingsfest, Weinfest, dem Fest der Vereine oder dem örtlichen Weihnachtsmarkt, seien ein großer Posten der Vereinsfinanzierung.

"Bis auf einen kleinen Bruchteil ist alles weggebrochen", stellte Passinger fest. Demzufolge seien keine Einnahmen zu erzielen. Das gelte auch für die Erlöse von Sponsoren oder bei der Werbung. Da es auch manchen Gönnern schlecht gehe, fielen auch in diesem Bereich die Einnahmen deutlich geringer als erwartet aus. Der Verein müsse deshalb noch vorsichtiger planen. Möglicherweise stehe auch das Frühlingsfest 2021 auf der Kippe.

Pachtvertrag gekündigt

Bei den Pachterlösen zeichne sich ebenfalls ein großer Verlust ab, da der Pächter der Vereinsgaststätte nicht in der Lage sei, seine Verbindlichkeiten zu zahlen. Das hänge nicht nur mit Corona zusammen, sondern auch mit ausstehenden Zahlungen aus Vorjahren. Verhandlungen seien erfolglos geblieben. "Deshalb haben wir die Kündigung ausgesprochen", informierte der Vorsitzende. Der Vorstand sei sich mit dem Pächter einig, eine gütliche Lösung zu finden. Offene Beträge müssten noch gezahlt werden. "Der Ausgang ist aber ungewiss", so Pasinger, Auf Nachfrage eines Mitglieds berichtete der Vereinschef, dass dem SV allein aus dieser Quelle eine fünfstellige Summe fehle.

Staatliche Zuschüsse wegen der Corona-Krise seien für den Gastwirtschaftsbetrieb beantragt und gezahlt worden. Aber diese mittlere vierstellige Summe decke das Minus keineswegs. Landeszuschüsse für den Verein seien keine geflossen, weil die Bilanzen unmittelbar vor dem Lockdown noch einen positiven Zahlungsfluss aufwiesen. Inzwischen liefen Neuverhandlungen mit einem Nachfolgepächter, so dass die Gaststätte möglicherweise 2021 neu bewirtschaftet werde.

Ein anderes Problem seien ausstehende Mitgliedsbeiträge. Dem Verein fehle "jährlich ein großer Batzen von 4000 bis 5000 Euro, die einfach wieder zurückgebucht werden". Das passiere wegen falscher Kontonummern oder nicht gedeckter Konten. Nachforschungen seien erfolgt, aber fast ebenso zwecklos wie Klagen. "Wir haben das bereinigt und diese Leute aus dem Verein rausgenommen", erklärte Passinger.

Aus den roten Zahlen bringen

Unterm Strich ergebe sich, dass die Dezemberplanung mit dem Ziel, bis 2023 wieder finanziell auf Kurs zu sein, nicht mehr haltbar sei. Frühestens 2024 könne dies gelingen. Der Konsolidierungsplan sei prinzipiell gut angelaufen, "aber leider nur bis März 2020".

Jetzt müsse sich der SV anders aufstellen. "Es ist schwierig, aber man kann es fassen, wenn sich die Corona-Bedingungen nicht noch weiter verschlechtern oder schlecht bleiben."

Der Vorstand werde nun noch mehr sparen müssen. Sofern möglich, seien kleinere Veranstaltungen geplant. Zwischenzeitlich sei ein noch höheres Minus in der Kasse zu erwarten. "Wir werden nicht aus dem Füllhorn schöpfen können, aber der Weg ist vernünftig, um den Verein aus den roten Zahlen herauszuführen", bilanzierte Passinger, der "2024 eine schwarze Null" erwartet und hinzufügte: "Schöner kann ich es nicht reden".

In der Hauptversammlung wurden anschließend die üblichen sportlichen Bilanzen gezogen. Bei den Vorstandswahlen wurden die meisten Positionen mit den bisherigen Verantwortlichen besetzt. Neu im erweiterten Vorstand sind Susanne Pfeffer als Ehrenamtsbeauftragte, Jens Bolbach als Platzkassierer und Paul Pfeffer im Vergnügungsausschuss. Rainer Beutel

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