Gisela Höfeld (links) lässt es sich nicht nehmen, beim Pflanzen des Ginkgos anzupacken. Sebastian Hempfmann vom Bauhof und Bürgermeister Jan Fischer (von rechts) assistieren. foto: RAINER BEUTEL
+
Gisela Höfeld (links) lässt es sich nicht nehmen, beim Pflanzen des Ginkgos anzupacken. Sebastian Hempfmann vom Bauhof und Bürgermeister Jan Fischer (von rechts) assistieren.

Porträt

Ein Ginkgo zum Geburtstag

  • vonRainer Beutel
    schließen

Zu ihrem 85. Ehrentag spendet Gisela Höfeld der Gemeinde Nauheim einen Baum.

Die 85 Jahre alte Gisela Höfeld hat der Gemeinde Nauheim einen Baum gespendet. Anlass dafür war ihr halbrunder Geburtstag im Februar. Jetzt gedeiht ein knapp vier Jahre alter Ginkgo in bester Gesellschaft, und zwar in der Nähe der sogenannten Einheitsbäume zur Erinnerung an die deutsche Wiedervereinigung.

Dass es nun einen Wettstreit gebe, welcher der nun vier Bäume eines Tage mal der älteste sein werde, wurde bei der Pflanzaktion von Umstehenden verneint. Doch der Ginkgo habe keine schlechten Chancen, er werde gut und gerne bis zu 300 Jahre alt, sagte Thomas Arnold vom Umweltamt der Gemeinde.

Mit ihm hatte sich Gisela Höfeld abgesprochen, welchen Baum sie für ihre Geburtstagsspende aussuchen könne. Der Ginkgo werde nicht nur alt, sondern auch robust. Er sei daher "genau das Richtige, wie meine Mutter", bemerkte Höfelds Tochter Cornelia Czernek.

Noch ist er ein "Bäumchen"

In der Nähe einer Ruhebank sei der Standort perfekt. Passanten könnten dort verweilen und eines Tages auf den Ginkgo blicken und sich entspannen. Im Moment allerdings bietet die in China beheimatete und von einer Baumschule aus Norddeutschland gelieferte Pflanze einen eher schmächtigen Anblick. Blätter und Äste hat sie noch keine. Der Stammumfang betrage 16 bis 18 Zentimeter, informierte Arnold. In ein vom Bauhof ausgehobenes Loch wurde der Ginkgo mit vereinten Kräften gesetzt. Die Hauptarbeit erledigten die Bauhofgärtner Sebastian Hempfmann und Manolya Capraz. Doch Gisela Höfeld ließ es sich nicht nehmen, zur Schippe zu greifen. Gemeinsam mit dem Bürgermeister schaufelte sie Erde auf das Wurzelwerk.

Bürgermeister Jan Fischer überbrachte der Seniorin seinen nachträglichen Glückwunsch. Der Ginkgo gelte als Lebensbaum, betonte er, bevor er für das Geschenk an die Gemeinde dankte. "Es ist eine tolle Leistung, 85 Jahre alt zu werden und dann noch ein Denkmal zu setzen", lobte er, um anzufügen: "Der Ginkgo wird nun für immer mit ihrem Namen verbunden sein."

Ganz unbekannt ist Gisela Höfeld in Nauheim ohnehin nicht. Sie pflegt regen Kontakt zur katholischen Kirchengemeinde, in deren Kreis sie früher kleine Lesungen in Frankfurter Mundart hielt.

Ein Frankfurter Mädchen

2008 war sie aus ihrer Heimatstadt ("Ich bin ein echt' Frankfurter Mädche'") nach Nauheim gezogen, nachdem ihr Mann gestorben war und sie in der Nähe ihrer Tochter leben wollte. "Nauheim ist meine zweite Heimat geworden", sagte die Frau.

Bekannt unter den Anwesenden war auch, dass die Blätter des Ginkgo pharmazeutisch genutzt würden. Nicht in Erinnerung war den Anwesenden allerdings, dass der frühere Bürgermeister Helmut Fischer in jüngeren Jahren am Nauheimer Klangweg ebenfalls mal einen Ginkgo gepflanzt hatte.

Mit übrigens durchaus gleichen Hintergedanken wie Gisela Höfeld - der Baum möge hoffentlich sehr alt werden. Die Einheitsbäume, weniger als einen Steinwurf vom Ginkgo entfernt, gedeihen mehr oder weniger gut.

Sie waren 2014 gepflanzt worden, um in einem gleichschenkligen Dreieck auf rund 50 Quadratmetern zusammenwachsen. Im Westen symbolisiere eine Rotbuche die alte Bundesrepublik, im Osten eine Kiefer die ehemalige DDR und im Norden eine Stieleiche das vereinigte Deutschland, hieß es vor sieben Jahren. Die Buche "kümmert uns ein bisschen", bemerkte Thomas Arnold. Rainer Beutel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare