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Viele können zum Klimawandel beitragen, auch im Kleinen. Beispielsweise Eltern, die morgens ihre Kinder trotz beharrlicher Hinweise des Freiwilligen Polizeidienstes ihre Kinder mit dem Auto zur Schule chauffieren.

Interview

Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft Volker Mosbrugger über den Klimawandel

Der Verein Lebenswertes Nauheim beschäftigt sich mit dem Klimawandel und hat Professor Volker Mosbrugger zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Echo-Mitarbeiter Rainer Beutel hat sich vorab bei dem Frankfurter Wissenschaftler erkundigt, warum der Klimawandel auch die Menschen in einem kleinen Ort wie Nauheim betrifft.

Herr Professor Mosbrugger, der Begriff Klimawandel ist schon längst kein Fremdwort mehr und bereits in aller Munde. Welche Auswirkungen bekommt jemand, der beispielsweise in Frankfurt oder Nauheim lebt, davon zu spüren?

VOLKER MOSBRUGGER: Das Klima ist ein statistischer Wert und errechnet sich aus dem Mittel der Wetterdaten über 30 Jahre. Klimawandel macht sich also nicht an einzelnen Wetterereignissen, sondern nur als Verschiebung des Mittelwertes bemerkbar. Insofern können nur ältere Personen den Klimawandel tatsächlich direkt wahrnehmen, weil zum Beispiel die Sommer heute durchschnittlich wärmer und die Winter milder sind, als noch vor 50 Jahren. Eindeutig belegt ist der Klimawandel durch die konkreten Wetteraufzeichnungen.

Wir haben den Sommer 2018 mit seiner langen Trockenperiode erlebt. War das ein Anzeichen für den Klimawandel?

MOSBRUGGER: Da Klima eben ein statistisches Mittel und das Wetter auch im Jahresverlauf extrem variabel ist, kann der trockene Sommer 2018 allein kein Beleg für einen Klimawandel sein. Man muss vielmehr die Verteilung der Extremereignisse über die letzten 50 oder 100 Jahre anschauen. Und hier sieht man eindeutig, dass die Häufigkeit der warmen Sommer über die vergangenen Jahrzehnte zugenommen hat. Den letzten vergleichbaren „Jahrhundertsommer“ gab es vor 15 Jahren.

Was kann ein einzelner für das Klima tun?

MOSBRUGGER: Der Klimawandel wird entscheidend verursacht durch einen von Menschen gemachten Anstieg der Treibhausgase. So läge die natürliche atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration bei etwa 280 ppm (ppm: Teile Kohlendioxid pro Teile Luft). Tatsächlich haben die Werte heute aber schon 400 ppm überschritten. Alles, was den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid verringert, hilft also. Typischerweise heißt das, dass wir unseren Verbrauch an fossilen Energieträgern verringern müssen. Aber auch die Reduktion der Entwaldung, wie sie in den tropischen Regionen erfolgt, sowie das Anpflanzen von Bäumen machen sich positiv bemerkbar, da wachsende Bäume Kohlendioxid aufnehmen. Zudem erhält man so die biologische Vielfalt.

Müssen wir also langfristiger denken?

MOSBRUGGER: Tatsächlich. In Deutschland beginnen die systematischen Wetteraufzeichnungen 1881, doch gab es natürlich schon früher einzelne Wetteraufzeichnungen. Über verschiedene komplexe Verfahren sind heute Klimarekonstruktionen über viele Millionen Jahre möglich. Grundsätzlich ist sich die Wissenschaft einig, dass es einen durch den Ausstoß von Treibhausgasen verursachten menschengemachten Klimawandel gibt.

Wenn die Natur in einem Ballungsraum wie dem Rhein-Main-Gebiet immer weiteren Bauprojekten weichen muss, sei es für einen Flughafen oder für den Straßenbau, welche Auswirkungen sind davon messbar?

MOSBRUGGER: Typischerweise wirken sich Wälder dämpfend auf den Temperaturverlauf aus: Im Sommer ist es in den Wäldern kühler, im Winter wärmer, in geringerem Umfang gilt dies auch für andere Vegetationsformen. Die „Ent-Grünung“ unserer Städte führt daher zu sogenannten „Wärmeinseln“. In großen Städten wie Frankfurt kann daher je nach Bebauung die Temperatur um mehrere Grad höher liegen, als im Umland. Auch tragen Pflanzen erheblich zur Luftreinhaltung bei. Bäume zu pflanzen ist daher immer eine sinnvolle Maßnahme.

Welche Folgen sehen oder befürchten Sie durch den zunehmenden Kraftfahrzeugverkehr?

MOSBRUGGER: Die durch den Verkehr verursachten Emissionen sind seit 1990 etwa gleich geblieben (rund 160 bis 170 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente/Jahr), obgleich der Verkehr insgesamt erheblich zugenommen hat. Die Luftqualität hat sich schrittweise verbessert. Ich würde vermuten, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Wünschenswert wäre natürlich, dass es auch im Verkehr eine Netto-Reduktion der Emissionen gibt.

Der klimabewusste Deutsche steuert jetzt ein Elektrofahrzeug oder fährt Fahrrad und Bahn statt Auto. Bringt das denn etwas angesichts höchster Umweltbelastungen in anderen Nationen?

MOSBRUGGER: Das bringt in der Tat sehr viel. Zunächst einmal führt es lokal zur Verbesserung der Luftqualität. Darüber hinaus wirkt dieses umweltschonende Verhalten der „Trittbrettfahrer-Problematik“ entgegen, die ja bisher verhindert, dass es mit dem Klimaschutz wirklich vorangeht.

Wer ist damit gemeint?

MOSBRUGGER: Trittbrettfahrer sind Personen und Länder, die selbst nichts zum Klimaschutz beitragen wollen und nur den Beitrag der anderen einfordern.

Auch das Ozonloch ist immer wieder ein Thema. Wie entwickelt sich eigentlich dieses Problem?

MOSBRUGGER: Verantwortlich für das Ozonloch in der Stratosphäre sind vor allem die FCKWs, die Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe, die früher als Kühlmittel in Kühlschränken verwendet wurden. Da deren Produktion durch das Montreal-Protokoll 1987 mit seinen nachfolgenden Verschärfungen verboten und so die FCKW-Emission schrittweise eingedämmt wurde, hat sich die Ozonschicht inzwischen deutlich erholt. Allerdings werden durch unsachgemäße Entsorgung oder Recycling von alten Kühlschränken immer noch FCKWs freigesetzt.

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