Dem ehemaligen Kommunalpolitiker Thomas Kötz ist es gelungen, sehenswerte Fotos von der Sonne zu schießen. FOTO: RAINER BEUTEL
+
Dem ehemaligen Kommunalpolitiker Thomas Kötz ist es gelungen, sehenswerte Fotos von der Sonne zu schießen.

Astronomie

Ein scharfer Blick ins Universum

  • vonRainer Beutel
    schließen

Thomas Kötz gelingen besondere Aufnahmen der Sonne

Nauheim -Detailreiche Fotografien der Sonnen? Für einen Hobbyastronomen ist das Anlass genug, genauer hinzuschauen und zu fachsimpeln. Für Thomas Kötz ist es purer Grund zur Freude. Denn er schießt die ungewöhnlichen Aufnahmen selbst. Und mittlerweile gelingen dem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der Grünen die Bilder annähernd so, wie er es sich vorstellt.

Im Frühjahr 2011 berichtete der damalige Kommunalpolitiker von seinem nicht alltäglichen Hobby. Er sagte damals, er sei "von der Polarlichtseuche infiziert". Die wenigsten, die sich nicht näher mit Astronomie beschäftigen, dürften bis dato von dem Begriff gehört haben. In Fachkreisen ist dieser nicht immer ganz ernst gemeint, gerade in Zeiten, in denen "Infektionen" alles andere als erwünscht sind.

So manchen Hobbyastronomen befalle "eine hochgradige innere Unruhe, wenn der Himmel Wolken verhangen ist und nicht der Hauch einer Chance besteht, ein Polarlicht zu sichten", erklärte Kötz. Nur ein einziges Mal habe er ein Polarlicht über Nauheim erblicken können. Liebend gerne beobachtete er indes die Sonne und schoss Fotos von Sonnenflecken und Protuberanzen, den Materieströmen. Dass sie besser hätten gelingen können, war ihm bewusst.

Ausrüstung hat sich verbessert

Zehn Jahre später präsentiert Kötz Fotos, die ihm mehr zusagen als die Aufnahmen von damals. Sie sind klarer, schärfer und so, wie er es sich schon 2011 gewünscht hatte. Er habe es "endlich geschafft", freut er sich über das positive Resultat. Er habe dafür das Sonnenteleskop benutzt, das er als 50-Jähriger beim Kinder- und Jugendfest vorgeführt hatte. Zusätzlich habe er eine bessere Webcam eingesetzt, um die Bilder aufzuzeichnen.

Er habe durch Teleskop und Webcam einen Film gedreht, mit einer frei zugänglichen Software bearbeitet und anschließend 1475 brauchbare Bilder extrahiert. Diese habe er zentriert und gemittelt sowie mit Rechteck- und Gauß-Filter nachgeschärft. Nachteilig habe sich ausgewirkt, dass er durch eine Fensterscheibe gefilmt habe. Zum Öffnen des Fensters nach der Einrichtung seines Instrumentariums hätte er das Teleskop versetzen müssen. Das hätte alle Arbeiten wieder zunichte gemacht. "Ich wollte ja nur probieren, ob ich ein scharfes Bild bekommen kann", sagt er. Mit dem Ergebnis sei er "zufrieden", sagt er bescheiden.

Bestenfalls ein Amateur

Ihm sei klar, dass er auch nach zehn Jahren nicht mit Satellitenaufnahmen oder erfahrenen beziehungsweise besser ausgerüsteten Amateuren konkurrieren könne. Er sei "immer noch am Anfang". Seit 2015 lebt er in Alsbach-Hähnlein. 2012 war er von Nauheim fortgezogen, zunächst in seinen Geburtsort Darmstadt ins Woogsviertel. Dort standen allerdings zu viele Bäume im Weg, so dass er mit seinem Hobby längere Zeit aussetzen musste.

Inzwischen habe sich seine Ausrüstung verbessert, von der digitalen Spiegelreflexkamera bis zu einer astronomischen Kamera am Sonnenteleskop. "Besser und anders als früher ist vor allem die Software. Auf dem Rechner von vor zehn Jahren würde die gar nicht mehr laufen", erläutert er. Zu Nauheim pflege er noch private Kontakte. Politisch engagiere er sich nicht mehr. Gleichwohl verfolgt Kötz die Erfolge seiner politischen Nachfolger. Bis Ende 2020 arbeitete er aktiv im "Historischen und Kulturellen Förderverein Schloss Alsbach" mit, so dass er mit Stolz von sich sagen könne, "zum Erhalt und zur Attraktivität des Schlosses beigetragen zu haben".

Von der Polarlichtseuche ist er keineswegs kuriert - will er auch nicht. Jede Impfung erscheint zwecklos. Und das nicht gesundheitsgefährdende Virus scheint nach zehn Jahren auch nichts von seiner Kraft verloren zu haben. Kinder, die dank seiner Apparatur einst beim Jugendfest Sonnenflecken bewundern konnten, sind inzwischen Jugendliche oder junge Erwachsene. Ob sich der eine oder andere angesteckt hat, ist nicht bekannt. Rainer Beutel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare