Mit der Kettensäge trennt Christoph Peez den mächtigen Stamm einer 300 Jahre alten Eiche. Später formt er das Holz zu einer Bienenskulptur. Foto: Rainer Beutel
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Mit der Kettensäge trennt Christoph Peez den mächtigen Stamm einer 300 Jahre alten Eiche. Später formt er das Holz zu einer Bienenskulptur.

Kunst

Eine Skulptur der "fleißigen Bienen"

Kunst mit der Kettensäge soll den Kreisel in der Rüsselsheimer Straße verschönern. Dafür sorgte jüngst Christoph Peez.

Nauheim -Künftig soll eine große Biene den Kreisel in der Rüsselsheimer Straße zieren - und zwar aus Holz. Der Künstler Christoph Peez hat die Skulptur am Donnerstag in mehreren Stunden Arbeit aus dem Vollen gefertigt. Damit ist seine Arbeit aber noch nicht abgeschlossen.

Der prominente, angedachte Platz mitten auf dem Kreisel hängt mit dem Engagement der Landfrauen zusammen. Noch bevor sich eine Treburer Firma um die gärtnerische Gestaltung des Verkehrsknotenpunkts am Ende der Ostumgehung gekümmert hat, sorgten die Landfrauen für eine schöne Optik des Rondells. Die Mitglieder nennen sich bekanntlich "fleißige Bienen", daher die Anspielung.

Auch der aus Mörfelden stammende und mittlerweile im Sauerland lebende Christoph Peez erweist sich am Donnerstag als überaus fleißig. Gegen 10 Uhr rückt der Künstler, der seine Arbeiten auch zum Kauf anbietet, mit einem beeindruckend großen Arbeitsgerät an. An seiner Kettensäge ist ein Meter langes sogenanntes Schwert befestigt. Nur mit dieser immensen Länge habe er eine Chance, den mächtigen Stamm zu teilen, den der Bauhof nach Nauheim gebracht hat.

Schaffensprozess mit Ohrschützern

Es handelt sich um ein gewaltiges Stück Eiche. Der unter Denkmalschutz stehende Baum war im August 2019 bei einem Unwetter im Oberwald umgestürzt. "Ich schätze das Alter auf bis zu 300 Jahre", sagt Thomas Arnold vom Umweltamt, während Peez seinen Arbeitseinsatz fortsetzt. Sicherheitshalber trägt er Ohrschützer, denn der Lärm seiner Kettensäge ist brutal. Von zwei Seiten geht er vor, um das Holz zu spalten. Mit einem Radlader bugsiert ein Bauhofmitarbeiter den Stamm in die passende Position. Doch Peez gelingt es nicht ganz, den schweren Brocken zu durchtrennen. Also wird getrickst. In den mit Keilen vergrößerten Sägespalt dringt nun von oben die Gabel des Radladers ein. Nach wenigen Sekunden knirscht und knackt es und das Drum purzelt, zerlegt in zwei Teile, auf die Erde.

"Das war nötig, weil ich den Kern nicht nutzen kann", erklärt Peez. Die Eiche litt unter einer Ringfäule. Daher musste aus dem Innern ein Stück ausgesägt werden, dessen Holz noch intakt war und für die künstlerische Gestaltung der Biene geeignet ist. Peez hat reichlich Erfahrung. Er fertigt seit vielen Jahren mehr oder weniger große Skulpturen aus Holz. Voriges Jahr im März war er zum zweiten Mal für den Stammtisch "Schwarze Sau" tätig, der das von Wildschwein-skulpturen gesäumte Entree des Nauheimer Regionalparkabschnitts hegt und pflegt. Aus groben Stämmen fertigte er zwei neue Holz-Säue.

Spontane Zusage für weitere Figuren

Landfrauenvorsitzende Anne Dammel hatte mit ihm eine stilisierte Biene entworfen, die Peez jetzt in großen Schwüngen auf das Holz zeichnet. Alles Weitere ist weniger mit dem anfänglichen Gewaltakt zu vergleichen, sondern eher Peez' unnachahmlich geschicktem Umgang mit der Kettensäge zuzurechnen. Er montiert je nach Bedarf kleinere Schwerter an seine Kettensäge. Die sind "nur" noch 70 und 50 Zentimeter lang. Über Stunden formt er die große Holzbiene, die in absehbarer Zeit mit einer geeigneten Verankerung auf dem Kreisel platziert werden soll.

Das war's noch nicht. Mehrere Landfrauen haben am Donnerstag zur Mittagszeit eine Vesper gebracht, um Peez und die Helfer vom Bauhof zu verköstigen. Die stellvertretende Landfrauenvorsitzende Gabi Bender überrascht den Sägekünstler mit einer Bitte: Es wäre doch passend, wenn es nicht bei einer Biene bliebe, sagt sie. Schließlich träten die "fleißigen Bienen", also die Landfrauen, gewöhnlich ja auch im Schwarm auf. Spontan sagt Peez zu, noch einige kleine Figuren anzufertigen. Allerdings nicht mehr heute, sondern zu Hause im Sauerland. Wann diese Holzbienen dann nach Nauheim schwirren, steht noch nicht fest. Rainer Beutel

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