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Kinder werden zurzeit in Containern unterrichtet. Ab Herbst 2020 sollen Nauheimer Schüler eine neue Ganztagsschule besuchen.

Kritik

Nauheim: 2020 soll neue Ganztagsschule Betrieb aufnehmen – Eltern fühlen sich schlecht informiert

An dem Konzept für die neue Ganztagsschule können keineswegs alle Eltern der Grundschüler mitarbeiten, das versteht sich. Aber ein wenig mehr Einfluss wünschen sich die Mütter und Väter künftiger Schüler schon.

In der Gemeinde soll noch in diesem Jahr mit dem Bau der Ganztagsschule begonnen werden. Schon beim Abriss alter Gebäude meldeten sich unzufriedene Eltern zu Wort. Jetzt verschaffte sich erneut eine Mutter Gehör. Sie tappe im Dunkeln, wenn sie wissen wolle, wie ihr Kind künftig unterrichtet und nachmittags betreut werde.

Um sich bei der konzeptionellen Arbeit für die Ganztagsschule einzubringen, wurde bislang nur ein offizieller Termin bekannt gegeben. Die Veranstaltung wurde in einer Bürgerversammlung publik gemacht. Teilgenommen hätten aus dem Kreis der Eltern allerdings nur Personen, die sich zuvor angemeldet hätten, war zu erfahren.

Keine Anlaufstellen

Das führe zu dem Eindruck, dass hinter verschlossenen Türen besprochen werde, was für künftige Schulkinder relevant sei, kritisiert eine Mutter. Ihr sechs Jahre altes Kind aus einer Kita wechsele im Sommer 2019 in die Grundschule. Gerne würde sich die Mutter engagieren. Wenn sie eine Chance bekäme. Doch die Tür sei bislang nur für Eltern jetziger Schulkinder offen gewesen.

Die Frau erwartet, dass alle interessierten Mütter und Väter in Planungen und organisatorische Prozesse eingebunden werden. Es gehe um Gespräche mit Vereinen oder Institutionen für die Nachmittagsgestaltung. Oder um ein Konzept, wie die Nachmittagsangebote aussähen, falls die Personaldecke nicht ausreiche. „Für pädagogische und amtliche Abläufe gilt das natürlich nicht“, erklärt die Mutter.

Gibt es regelmäßige Informationsschriften oder Treffen von Eltern der einzelnen Schulklasse, möchte sie wissen? „Außerhalb der Schule bekommt man nichts mit, wenn man nicht selbst bei Freunden oder Bekannten nachfragt“, sagt die Frau. Da kaum einer der Kita-Eltern etwas wisse, sei ein Austausch untereinander kaum möglich. Sie wünsche sich nur, dass ihr Kind gut und sicher betreut werde, so dass sie in Ruhe arbeiten gehen könne. Auch ein Plan B, falls das Personal nicht aufgestockt werden kann, halte sie für sinnvoll. Der zunehmende Lehrermangel in ganz Deutschland sei ja bekannt, betont sie. Die Mutter will wissen, ob es auch einen Ersatzplan gebe, wenn die Ganztagsschule möglicherweise wegen eines Lehrermangels nicht wie angestrebt im Jahr 2020 starte. Landrat Thomas Will (SPD) räumte bereits ein, dass noch Lehrkräfte fehlten und es sei nicht klar, ob der Stellenmarkt bis zum angestrebten Start des Ganztagsschulbetriebs im Herbst 2020 genügend Kräfte hergebe. Er versicherte allerdings, dass Kinder nachmittags nicht planlos nach Hause geschickt werden. Der Kreis als Schulträger finde eine Lösung, versprach er.

Arbeitsgruppe geplant

„Konzeptionell erwarte ich, dass es für alle Kinder eine ausreichende Betreuung gibt und die Jahr für Jahr fehlenden Betreuungsplätze der Vergangenheit angehören“, spricht die Mutter den sich erneut abzeichnende Platzmangel bei der Schulkindbetreuung im kommenden Sommer an. Bis zu 135 Plätze gibt es, rund 150 Eltern hätten ihre Kinder bereits angemeldet, heißt es dazu aus dem Rathaus.

In die Planungen sollten wenigstens die Kita-Elternbeiräte eingebunden werden, schlägt die Mutter vor. Schulelternbeiratsvorsitzender Stefan Krug würde derweil gerne aushelfen und bietet sich ausdrücklich als Kontaktperson unter 0157 – 39 33 05 02 an.

Dass sich Eltern über mangelnde Informationen beschweren, sei ihm bislang unbekannt gewesen. Über den Elternbeirat, die Gesamtkonferenz und die Schulkonferenz könnten sich diese einbringen. Demnächst solle eine Arbeitsgemeinschaft eingerichtet werden, an der Eltern teilnehmen könnten.

VON RAINER BEUTEL

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