Einfach selbst gemacht: Wie ein Tuch mit Bienenwachs bestrichen wird, erklärt Heike Schulz-Gerst (rechts) Christine Nolle-Schmid (links). FOTO: RAINER BEUTEL
+
Einfach selbst gemacht: Wie ein Tuch mit Bienenwachs bestrichen wird, erklärt Heike Schulz-Gerst (rechts) Christine Nolle-Schmid (links).

Verbraucher

Es geht auch ohne Plastik

  • VonRainer Beutel
    schließen

Landfrauen stellen nachhaltige Alternative zu Frischhaltefolie her

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, bedienen sich die Landfrauen schon mal einiger Tricks. Sie rühren zum Beispiel vor ihren Veranstaltungen gerne die Werbetrommel. Gelungen ist das bei einem Projekt der vereinseigenen Kreativgruppe, die jetzt begeistert Bienenwachstücher hergestellt hat.

"Wer braucht noch einen Pinsel?", fragt Gabi Prozeller die muntere Runde im Alten Rathaus. Die Landfrau leitet mit Heike Schulz-Gerst seit Jahren die Kreativgruppe. Sofort melden sich zwei Frauen, die gespannt sind, wie sich mit einem Pinsel geschmolzenes Bienenwachs auf Baumwolltücher verteilen lässt.

Wenige Augenblicke später gelingt ihnen das wie geschmiert. Der Trick ist nicht neu. Aus Foren und Büchern, die zu Entfaltung eigener Kreativität anspornen, ist das Imprägnieren von Stoffen mit Bienenwachs bekannt. Die damit behandelten Deckchen und Tücher sollen dazu beitragen, im Haushalt Plastikfolien zu ersetzen. Werden Lebensmittel damit eingepackt, bleiben sie länger frisch.

Neue Gesichter in der Runde

Ein Dutzend Frauen haben sich getroffen, um das mal auszuprobieren. Nur eine kleine Mehrheit gehört dem Landfrauenverein an. "Wir haben vier Gäste hier", freut sich Heike Schulz-Gerst über das geweckte Interesse. Mitte Juli hatten die Landfrauen mitgeteilt, dass zur Kreativgruppe gerne auch Nichtmitglieder stoßen könnten.

Christine Nolle-Schmid gehört zu den "Neuen". Sie habe "aus der Zeitung" davon erfahren und sich gedacht, das würde sie gerne mal versuchen. "Ich will in den Tüchern Käse einwickeln", erklärt sie. Derweil köchelt auf mehreren mobilen Herdplatten das Bienenwachs, das die beiden Gruppenleiterinnen in Form von Pastillen besorgt haben. Diese müsse aufweichen. In das flüssige Wachs kommen ein paar Tropfen Kokosöl, damit die Tücher einen angenehmen Duft annehmen.

Nun geht's zur Sache. Es gibt drei Bügelstationen. Also können nicht alle anwesenden Frauen gleichzeitig beginnen. Christine Nolle-Schmid ist die Erste. Beherzt und gleichmäßig verteilt sie das Wachs auf ein Tuch. Darunter liegt ein Zeitungsblatt, als Puffer wird Backpapier dazwischen geschoben. Kaum ist das Tuch behandelt, legt Nolle-Schmid ein weiteres Blatt Backpapier obendrauf. Dann wird das getränkte Tuch gebügelt. Es wird heiß und steif, kühlt aber schnell ab, wenn es ein bisschen an der Luft geschwenkt wird. Schlag auf Schlag geht es weiter. Die Teilnehmerinnen schmieren das Wachs reihenweise auf gepunktete und karierte Tücher. Manchmal ist das behandelte Gewebe nach dem Bügeln noch zu feucht. Kein Problem, Heike Schulz-Gerst verrät einen weiteren Trick: "Einfach ein Stück Papier von einer Küchenrolle dazwischen legen, um überschüssiges Wachs aufzusaugen. Ränder werden mit einer Zickzackschere in Form gebracht. Kaum sind die ersten Tücher fertig, wirken alle glücklich.

Nachwuchs für die Kreiselbiene

Apropos Wachs: Auch Landfrauenvorsitzende Anne Dammel wird in den nächsten Tagen viel mit Wachs und Öl zu tun haben. Am heutigen Montag (9.) erwartet sie den Holzschnitzkünstler Christoph Peez, der zu der von ihm hergestellten und bereits imprägnierten großen Biene aus Holz zwei kleine, noch unbehandelte Exemplare bringt. Dammel will auch den Nachwuchs witterungsbeständig machen. Als kleine Familie sollen die Bienen künftig den Verkehrskreisel zieren.

Und weil der Trick mit der Werbung so gut klappt, kündigt die Vorsitzende an, dass sich die Landfrauen am Nauheimer Kultursommer beteiligen. Am Sonntag, 22. August, ist ein gemütlicher Swing-Nachmittag mit der Band My LadySwing geplant. Die Freiluftveranstaltung auf der Wiese am Seeweg 8 beginnt um 15 Uhr. Sängerin Katrin Armani, Pianistin Tanja Mathias-Heintz und Kontrabassistin Geeke Sieben, die in Nauheim aufgewachsen ist, spielen Musik aus den 1920er- bis 1940er-Jahren. Die Landfrauen servieren Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Eintrittskarten gibt es für fünf Euro im Schreibwarengeschäft SchriftArt, Waldstraße 49. "Einen Teil der Einnahmen kommt den Menschen der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zugute", verspricht die Vorsitzende, deren Mitglieder noch einen extra Trick planen: Auf den Tischen sollen Spendenschweine stehen, um den Erlös für die Flutopfer zu erhöhen. Rainer Beutel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare