Hauptversammlung im Freien: Die Kerweborsch tagen beim Geflügel- und Vogelzuchtverein. FOTO: RAINER Beutel
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Hauptversammlung im Freien: Die Kerweborsch tagen beim Geflügel- und Vogelzuchtverein.

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Feiern will jeder, helfen keiner

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Dem Kerweborscheverein fehlen aktive Mitglieder

Die Kerweborsch werden an der Nauheimer Kerb erneut keine Feierlichkeiten ausrichten. Das hat der geschäftsführende Vorstand, der in seinem Amt bestätigt wurde, am Freitag in der Hauptversammlung bekräftigt. Nur die Altkerweborsch kümmern sich noch um den Fortbestand des Vereins.

Nicht nur wegen der Corona-Pandemie verzichteten Kerweborsch und -mädcher auf die früher übliche dreitägige Fete Anfang Oktober. "Das war ja auch schon 2020 so", erinnerte Vorsitzender Lars Jüngling daran, dass dem Verein die aktiven Mitglieder fehlen und die Altkerweborsch nach der letzten "Naumer Kerb" im alten Stil 2019 entschieden hatten, nicht mehr den Laden für die Jüngeren zu schmeißen.

Aber jüngere, sprich aktive Mitglieder seien, abgesehen von zwei noch Minderjährigen, nirgends in Sicht, bedauerte Jüngling. Auch zur Hauptversammlung im Freien unter einem Vordach neben dem Klubhaus des Geflügel- und Vogelzuchtvereins erschienen nur Altgediente. "Wir haben rund 100 Mitglieder, aber die sind alle passiv", sagte Jüngling, der den "Hinkelzüchtern" dankte, dass sie ihre Anlage für die Jahresbilanz zur Verfügung stellten.

Finanzielles Polster für Nachfolger

Der Schwund an jungen Menschen, die nicht nur feiern, sondern auch etwas dafür tun wollen, sei nicht gestoppt. Das könne sich eines Tages ändern, hoffte der Vorsitzende, der bei den Vorstandswahlen ebenso einstimmig wiedergewählt wurde wie seine Stellvertreterin Dahlin Mayer. Neu im geschäftsführenden Vorstand sind Vanessa Mayer als Kassiererin und Heike Schubert als Schriftführerin. Zusätzliche Ämter, wie etwa die Positionen des Kerwevadders, wurden nicht gewählt.

Der Vorstand verwalte den Verein, mehr passiere nicht, erklärte Jüngling. Somit wache die kleine Führungsmannschaft über das nicht unerhebliche Finanzpolster, das die Kerweborsch alljährlich mit den Kerwefeierlichkeiten erwirtschaftet hatten, um das nächste Volksfest vorzufinanzieren. Das Geld werde so lange gespart, bis es wieder Nachfolger gebe, die eine Kerb ausrichteten. Diese hätten dann wenigstens Startkapital und müssten nicht bei null anfangen, hieß es.

Auflösung ist keine Option

Eine Vereinsauflösung, wie sie in der Satzung formal geregelt ist, sei für die Kerweborsch keine Option. Dann fiele das Geld an die Gemeinde, die es dann irgendeinem anderen Verein überlassen könnte, der sagt: Wir machen Kerb. "Kommt nicht infrage", betonten Jüngling und Dahlin Mayer unisono.

Dennoch habe der Verein begonnen, sich von Überflüssigem zu trennen. Ein Lager sei geräumt worden. Dabei hätten sich rund sechs Kubikmeter Müll ergeben, darunter die Ortsschilder, mit denen die Kerweborsch früher für ihre Veranstaltungen geworben hatten. Für mögliche Nachfolger bewahrt werde die Sektbar, die so stabil konstruiert war, dass auf ihr getanzt werden konnte. Außerdem werde eine Heizungsanlage bewahrt. Eine Hütte, die als Weinstand genutzt worden sei, werde an den SV 07 abgegeben. Zu kleinen, internen Treffen werden die Altkerweborsch ab und zu zusammenfinden, blickte Jüngling nach vorne. Anlässe gebe es immer wieder. So auch die "Naumer Kerb" Anfang Oktober. Zumindest beim Bieranstich des Hessischen Hofs werde ein bisschen gefeiert. Wer mit den Altkerweborsch anstoßen will, ist am Freitag, 1. Oktober, um 17 Uhr vor Nauheims ältester Gaststube in der Bahnhofstraße willkommen.

Rainer Beutel

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