Weil viele Vereine ohne Einnahmen in der Corona-Pandemie den Gürtel enger schnallen müssen, wie es die Vorstandsmitglieder Ansgar Ostendorf (links) und Ralf Uhlemann symbolisch tun, will der Gewerbeverein Geld spenden. FOTO: BEUTEL
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Weil viele Vereine ohne Einnahmen in der Corona-Pandemie den Gürtel enger schnallen müssen, wie es die Vorstandsmitglieder Ansgar Ostendorf (links) und Ralf Uhlemann symbolisch tun, will der Gewerbeverein Geld spenden.

Corona und die Folgen

Finanzspritze für die kleinen Vereine

  • vonRainer Beutel
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Der Nauheimer Gewerbeverein will helfen: Nauheimer Clubs können sich für eine Spende bewerben.

Nauheim -Sport- und Kulturvereinigung, Turnverein, Sportverein 07, ebenso DRK und Feuerwehr - das sind die großen Nauheimer Vereine. Wie es ihnen in der Corona-Krise geht, das beschäftigt viele. Doch was ist mit den kleinen Clubs in der Kommune? Wie überstehen sie die Einschränkungen ohne Erlöse bei Veranstaltungen? Der Gewerbeverein will jetzt helfen.

Der Vorstand des Gewerbeverein hat eine Idee entwickelt, wie jenen geholfen werden könnte, deren Lobby nicht so stark ist. "Wir denken an all die Vereine, die normalerweise bei Veranstaltungen dabei sind und mit einem Verkaufsstand Einnahmen erzielen, das aber seit einem Jahr nicht mehr dürfen. Die müssen alle enorm den Gürtel enger schnallen", sagt Ansgar Ostendorf, zweiter Vorsitzender des Gewerbevereins.

Den Bedarf erläutern

"Denen muss dringend geholfen werden", bekräftigt Vorstandsmitglied Ralf Uhlemann bei einem Gespräch, in dem das Konzept vorgestellt wird. Die Idee sei relativ einfach: Vereine, Verbände und Organisationen aus Nauheim könnten sich von jetzt an beim Vorstand des Gewerbevereins für eine Finanzspritze bewerben. "Sie sollten darlegen, für was sie Geld gebrauchen könnten", informiert Ostendorf.

Ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit sei die Spende des ortsansässigen Handwerkers Roland Kappes. Er habe durch sein ehrenamtliches Engagement bei der DLRG Nauheim/Trebur erfahren, dass für den Betrieb des Kleinschwimmbeckens am Hegbachsee Geld fehle, das normalerweise durch die Öffnung der Freizeitanlage an der DLRG-Wachstation erwirtschaftet worden wäre. Doch Corona verhinderte 2020 den Badespaß, wofür Besucher normalerweise Eintritt zahlen. Kappes organisierte Spender und steuerte aus eigener Tasche Geld bei, um dem bei der DLRG angegliederten "Förderverein Kleinschwimmbecken" unter die Arme zu greifen.

Nach diesem Prinzip wolle auch der Gewerbeverein helfen. "Es geht um eine Art Bewerbung", sagt Beisitzer Uhlemann. Es komme darauf an, dass ein Verein seine Idee darlege oder begründe, warum eine Geldspende dringend nötig sei. "Wir wissen, dass die Vereine zurzeit richtig heftig leiden", betont Uhlemann. Es sei wichtig, "dass niemand vergessen wird", ergänzt Ostendorf. An die großen Clubs dächten viele, schon weil diese viele Mitglieder hätten. Nach mehr als einem Jahr Stillstand bei Festivitäten und Veranstaltungen drohe das Szenario, dass zuerst die kleinen Vereine auf der Strecke blieben. Ein weiteres Problem sei der Mitgliederschwund und weniger Einnahmen aus Beiträgen.

Keine Ausgaben angefallen

Helfen könne der Gewerbeverein nicht etwa, weil der Zusammenschluss vieler örtlicher Geschäftsleute so viel Geld auf der hohen Kante habe. Die Spendensumme, deren Betrag noch nicht genau feststehe, ergebe sich eher aus dem gleichen Umstand, der auch den anderen Vereinen zu schaffen mache: Weil der Gewerbeverein weder Weinfest, noch Weihnachtsmarkt oder Frühlingsfest ausrichten konnte, seien Ausgaben gespart worden, die für die Organisation und Material angefallen wären. Aus diesem Fonds solle die Spende generiert werden, erläutert der zweite Vorsitzende.

Welcher Verein welche Summe erhalte, zeige sich nach Sichtung der Unterlagen. Es sei durchaus möglich, dass zwei oder drei Clubs berücksichtigt würden. Maßgeblich sei, dass in einem formlosen Schreiben an den Gewerbeverein begründet werde, warum eine Spende notwendig sei. Die Bewerbungsfrist gehe bis zum 1. Juni. Kontaktdaten seien über die Homepage des Gewerbevereins (www.gewerbeverein-nauheim.de) zu beziehen.

Auf anderen Wege helfe der Gewerbeverein ebenfalls. Ostendorf kündigt eine Werbekampagne unter dem Motto "Kauf lokal" an. Dazu würden Banner aufgehängt, zum Beispiel auf den Vereinsgeländen, so dass die Vermietung von Werbeflächen wieder etwas Geld in die Kasse bringe. "Es ist klar, wir können nicht die Welt retten, aber vielleicht einen kleinen Beitrag leisten", stellt Ralf Uhlemann fest. Rainer Beutel

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