Durch die Flut haben viele Menschen fast alles verloren. ArchivfOTO: dpa
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Durch die Flut haben viele Menschen fast alles verloren. ArchivfOTO: dpa

Porträt

Flutfolgen: Wann immer möglich, fährt er ins Ahrtal

  • VonRainer Beutel
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Roland Kappes transportiert Spenden und Hilfsgüter in die Gebiete, die von der Flut besonders schlimmt getroffen wurden.

Wenn es sein Beruf als Gerüstbauermeister erlaubt, fährt Roland Kappes einmal in der Woche die 175 Kilometer lange Strecke ins Ahrtal, um den von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen Spenden und Hilfsgüter zu schenken. "Dort sind immer noch katastrophale Zustände", sagt er.

Kappes und sein erwachsener Sohn Timo bringen den Menschen Geld, das in Nauheim gesammelt und gespendet wurde. Erst kürzlich hatte Kappes ein Benefizkonzert veranstaltet. "Wir haben inzwischen 12 000 Euro, die wir nach und nach verteilen", erzählt er.

Bedürftig seien die meisten. Nach schon mehreren Fahrten ins Ahrtal beschreibt er Lebensumstände, die unter die Haut gehen. Einer alten Frau habe er 500 Euro gegeben. "Die hat geweint und war völlig überfordert", schildert Kappes, was er erlebt hat. Die Frau, die vor der Flut mehrere private Schicksalsschläge habe verkraften müssen, sei es nach eigener Aussage "nicht gewohnt, dass Privatmenschen helfen".

Warten auf Hilfen vom Staat

Etliche Ahrtal-Bewohner, die so viel, wenn nicht gar alles verloren haben, warteten noch auf finanzielle Hilfen vom Staat. "Die können nicht mal einen Handwerker bestellen, weil sie kein Geld mehr haben", berichtet Kappes. Immerhin würden sie mit Lebensmittel versorgt und hätten auch noch eine Apotheke, um an notwendige Medizin zu kommen.

Mit Geld allein sei nicht geholfen, führt Kappes aus. Er transportiere mit einem seiner Firmenlastwagen vor allem Sachspenden ins Ahrtal, darunter Trockner, Spülmaschine und Fahrräder. Von einem Baumarkt habe er Spenden und Preisnachlässe erhalten, so dass er Farbe, Baumaterial, Kabel und Stecker in das vom Rhein-Main-Gebiet etwa zwei Stunden entfernte Gebiet schaffen könne.

Fahrräder seien derzeit sehr gefragt. Viele hätten kein Auto mehr. "Die sind nicht mobil", zieht Kappes einen Vergleich mit der Nachkriegszeit, als Menschen mit klapprigen Zweirädern ihren Notbedarf vom Schwarzmarkt organisierten. Dass den Menschen Strom fehle, lässt er nicht unerwähnt: "Abends sitzen die mit ein paar Kerzen im Dunkeln."

Der Helfer hofft auf jene, denen es bei uns so gut geht, dass sie sich kürzlich ein Elektrofahrrad geleistet haben. Diese hätten vielleicht noch ihr altes Fahrrad und könnten es spenden. "Die müssen doch nicht im Keller oder einer Garage stehen", sinniert der Handwerker, der außerdem den Bauhof und die ortsansässigen Fahrradschrauber ansprechen will, ob in ihrem für Asylbewerber vorgesehenen Fundus Räder übrig sind.

Hilfreich wären weitere Sachspenden für den alltäglichen Bedarf, betont Kappes. Also Hausgeräte aller Art. Er bittet allerdings eindringlich darum, "dass es kein Schrott ist", was ihm angeboten wird. "Ich mache keine Entrümpelungen", sagt er. Außerdem bittet er um Verständnis, dass er die Sachen nicht von heute auf morgen abholen kann. Auch seine Kapazitäten seien begrenzt, zudem habe er keine Zwischenlagerfläche.

Auf seinen Aufwand angesprochen, wiegelt Kappes bescheiden ab. Das spiele keine Rolle, sagt er. Es gebe andere Menschen, "die machen noch viel mehr, das geht vor Ort effektiver", weiß er. Für ihn stehe jedoch fest: Wann immer möglich, fahre er ins Ahrtal, um den Menschen zu zeigen, dass sie nicht allein seien. Letztlich gehe es um das Menschliche. Rainer Beutel

Roland Kappes hilft, wo er kann und bringt Sachspenden und Geld zu den Menschen im Ahrtal.

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