Pfarrer Norbert Braun weihte die neue Glocke am 30. September 2011 um 12.54 Uhr. Den großen Moment für St. Jakobus verfolgten neben 220 Gottesdienstbesuchern Nauheims erster katholischer Pfarrer Ludwig Böhm (im Hintergrund links).
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Pfarrer Norbert Braun weihte die neue Glocke am 30. September 2011 um 12.54 Uhr. Den großen Moment für St. Jakobus verfolgten neben 220 Gottesdienstbesuchern Nauheims erster katholischer Pfarrer Ludwig Böhm (im Hintergrund links).

Kirche

Für ein vollendetes Klangbild

St. Jakobus erinnert an Weihung der vierten Glocke vor 20 Jahren

Nauheim -Vor 20 Jahren feierte die Gemeinde ihre 1150-Jahrfeier. Für die katholische Kirchengemeinde St. Jakobus war das Jahr 2001 noch aus einem anderen Grund bedeutsam: Sie erhielt eine vierte Kirchenglocke. Mit dem Geld von rund 60 Spendern und Gönnern sei die Glocke finanziert worden, erinnert sich Hans-Joachim Brugger vom Heimat- und Museumsverein an das Ereignis, auf das die Kirchengemeinde am kommenden Sonntag, 26. September, in ihrer Sonntagsmesse von 10 Uhr an eingehen möchte.

Brugger teilt im Auftrag von St. Jakobus mit, dass zu der Messfeier besonders die Sponsoren der Glocke eingeladen sind. Allerdings sei es wichtig, dass sich Teilnehmer am Gottesdienst telefonisch unter (0 61 52) 96 01 50 oder per E-Mail an die Adresse Sankt_Jakobus@t-online.de anmelden. Das sei wegen der Pandemie nötig.

"Alles könnte melodischer sein"

Wie kam es vor zwei Jahrzehnten zum Kauf einer vierten Glocke? Bislang hatte die Kirchengemeinde drei Glocken, die damals schon älter als 20 Jahre waren. Ein Fachmann hatte seinerzeit festgestellt, dass diese nicht mehr so schön klingen wie sie könnten. "Alles könnte melodischer sein", sagte der damalige Nauheimer Pfarrer Norbert Braun.

Das Klangwerk sollte neue eingerichtet werden. Da im Turm noch Platz für eine vierte Glocke war, habe sich die Kirchengemeinde entschlossen, diese anzuschaffen, um das Klangbild zu vollenden. Dumm nur, dass die Kirchengemeinde gerade den Ausbau ihres Pfarrheims plante, für das 850 000 Mark aufgebracht werden mussten. Rund 250 000 Mark wollte die Kirchengemeinde selbst beisteuern und den Rest über Zuschüsse finanzieren. Für die neue Glocke wurden deshalb finanzstarke Sponsoren gesucht, was auch gelang. Das Ziel war, den Klangkörper an der Nauheimer Kerb zu weihen. Die Glocke sollte zudem an das 1150-jährige Bestehen der Gemeinde erinnern.

Den Auftrag für die Herstellung der Glocke erhielt die Gießerei Albert Bachert in Heilbronn. "Beim Glockenguss am 14. September 2001 nahm eine Abordnung aus Nauheim teil, unterstützt durch Diakon Günter Seemann aus Astheim als geistlicher Beistand", ruft Brugger ins Gedächtnis. Die Jubiläumsglocke wurde wenige Wochen später von einem Spediteur angeliefert. Mit einem Autokran wurde sie in den Kirchturm gehievt.

Der Rüsselsheimer Glockensachverständige Günter Schneider bezeichnete damals die silbern glänzende Errungenschaft als "Instrument". Brugger informiert, dass das Instrument einen Durchmesser von exakt 1,161 Meter hat. Die Glocke besteht aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn und ist 1,03 Meter hoch. Ihr Gewicht beträgt 780 Kilogramm. Sie klingt im Ton f1 plus 3/16 Halbton und hat 110 Sekunden Nachhall. Sie sei damit "die größte der Nauheimer Kirchenglocken" und trägt die Inschrift "St. Jakobus der Ältere". In den Kirchturm wurde sie von der Nordseite eingeschwenkt.

Mit den 40 000 Mark war es damals nicht getan. Hinzu kommen weitere Ausgaben für die Arbeit in der Gießerei, die Erneuerung des elektrischen Laufwerks im Kirchturm, drei neue Klöppel für die vorhandenen Glocken und den Transport. Die Gesamtkosten wurden vor 20 Jahren mit 50 000 Mark angegeben.

Eine randvoll gefüllte Kirche

Zum damaligen Hochamt zur Glockenweihe kam der inzwischen verstorbene Nauheimer Pfarrer Ludwig Nöll von seinem Wohnort Laubenheim extra zurück nach Nauheim. Er war bei St. Jakobus zwischen 1963 und 1970 Seelsorger und zitierte in seiner Predigt Schillers "Glocke". Außerdem wirkten Pfarrer Norbert Braun und Diakon Günter Seemann sowie 20 Messdiener mit. 220 Besucher wurden damals in der Kirche gezählt. "In der randvoll gefüllten Kirche saßen vorne die Kerweborsch, dahinter die Stifter der Glocke und dann die anderen Gottesdienstteilnehmer", erinnert sich Brugger.

Geweiht wurde die Glocke von Pfarrer Norbert Braun. Er salbte sie mit Kreuzen auf vier Seiten als Symbol für alle Himmelsrichtungen, in die das Geläut schallt. Danach schlug er die Glocke an. Der frühere stellvertretende Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde Siegfried Lösel und die damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elke Schmidt machten es ihm nach. Den dritten Glockenschlag nahm der ehemalige Organist Felix Sokoli an der Kirchenorgel auf, um diesen in einer Improvisation weiterzuführen. Rainer Beutel

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