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Weil es in einigen Gebäude kein zweiter Rettungsweg gibt, soll für die Nauheimer Feuerwehr ein Drehleiterfahrzeug angeschafft werden. Bislang eilte die Feuerwehr Groß-Gerau mit ihrem Hubrettungswagen in den Nachbarort. FOTO: RAINER BEUTEL

Feuerwehr

Gemeinde will neue Drehleiter kaufen

Für einige Gebäude in Nauheim gibt es keinen zweiten Rettungsweg. Aus diesem Grund will die Gemeinde ein Drehleiterfahrzeug anschaffen. Kreisbrandinspektor Friedrich Schmidt hält den Kauf jedoch für überflüssig.

Nauheim -Die Gemeinde Nauheim plant bis zum Jahr 2022 den Kauf eines Drehleiterfahrzeugs für die Freiwillige Feuerwehr. Dabei wird mit Ausgaben bis zu 800 000 Euro gerechnet, die ohne Landeszuschüsse aufgebracht werden sollen. Kreisbrandinspektor Friedrich Schmidt halte die Anschaffung allerdings für nicht notwendig, hieß es im Haupt- und Finanzausschuss am Montagabend.

Mit einem Mehrheitsbeschluss hat der Ausschuss den Kauf abgesegnet. Abgestimmt wurde über den neuen Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Wehr. Darin ist die Investition in ein Drehleiterfahrzeug als Maßnahme für die nächsten zwei Jahre vermerkt. CDU, Grüne und Freie Liste votierten mit vier Stimmen dafür. SPD und FDP signalisierten noch Beratungsbedarf und enthielten sich. Das letzte Wort spricht morgen die Gemeindevertretung bei ihrer Sitzung in der SKV-Halle.

Nauheim habe sich baulich so entwickelt, heißt es im Bedarfs- und Entwicklungsplan, dass die Anschaffung "dringend anzuraten" sei, erklärte Bürgermeister Jan Fischer (CDU). Er stellte die auf zehn Jahre angelegte Bedarfsplanung in groben Zügen vor. Die Öffentlichkeit hatte bislang keinen Einblick in die Unterlagen.

Alarmierungszeit nicht einzuhalten

Die Auffassung von der Gemeinde, der Feuerwehrführung und der Brandschutzkommission wird von höherer Stelle in der Feuerwehr nicht geteilt. Kreisbrandinspektor Friedrich Schmidt, der im Ausschuss nicht anwesend war, halte den Kauf eines Hubrettungsgerätes, so der offizielle Name für die Drehleiter, "nach einer rechtlichen Betrachtung nicht für zwingend notwendig", erklärte Fischer die Position von Schmidt. Der Brandschutz könne wie bisher sichergestellt werden, indem notfalls ein Drehleiterfahrzeug aus der Kreisstadt nach Nauheim eile. Das sei innerhalb von maximal 20 Minuten möglich.

An der Zeit für einen Rettungseinsatz scheiden sich die Geister. Die Befürworter eines Kaufs begründen ihr Vorhaben mit zwei Bebauungsplänen, nach denen in der Gemeinde Gebäude errichtet worden seien, denen ein zweiter Rettungsweg fehle. Ohne diesen zweiten Rettungsweg sei vorgeschrieben, dass die Feuerwehr innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort sein müsse, wenn es dort brenne. Die Drehleiter aus Groß-Gerau käme also zu spät.

"Wir haben einen anderen baulichen Bestand als vor zehn Jahren", sagte der Bürgermeister. Grünen-Fraktionschef Marco Müller ("Wir haben es uns in der Brandschutzkommission nicht einfach gemacht") fordert eine Prüfung, ob die verantwortlichen Bauträger nach dem Versäumnis nun verpflichtet seien, sich an den Kosten für ein Drehleiterfahrzeug zu beteiligen. Die Baupläne seien noch nicht verjährt.

Landeszuschuss fällt weg

Der Verwaltungschef verwies zuvor auf "ein praktisches Problem", das sich aus dem Dissens mit dem Kreisbrandinspektor ergebe. Dessen Veto führe dazu, dass Nauheim keinen Landeszuschuss bekomme. Also müsse die Gemeinde die Drehleiter selbst bezahlen. In der Regel koste so ein Fahrzeug um die 650 000 Euro. Andere Schätzungen gehen, je nach Ausstattung, von rund 800 000 Euro aus.

Trotz dieser hohen Summen rate der Gemeindevorstand zum Kauf, sagte Fischer. "Wir können an dieser Stelle nicht zurück, sonst würden wir unseren eigenen Bebauungsplan in Frage stellen", betonte Müller. FDP-Fraktionsvorsitzender Gerd Petersen wandte ein, dass die Meinung des Kreisbrandinspektors nicht übergangen werden sollte. Es sei "die Instanz der höchsten Kompetenz". SPD-Vorsitzender Frank Schmitz hält eine Entscheidung in der Gemeindevertretung für zu früh, denn es gebe noch viele offene Fragen. Grundsätzlich stimme die SPD dem Konzept zu. Fischer bot an, der SPD-Fraktion noch vor der Parlamentssitzung alle Fragen persönlich zu beantworten.

Rainer Beutel

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