Bauarbeiten für die Verlegung von schnellen Internetleitungen sind ein "notwendiges Übel". Wichtiger sei vielmehr der digitale Fortschritt, sagt der Bürgermeister.
+
Bauarbeiten für die Verlegung von schnellen Internetleitungen sind ein "notwendiges Übel". Wichtiger sei vielmehr der digitale Fortschritt, sagt der Bürgermeister.

Schnelles Internet

Glasfasernetz soll ausgebaut werden

Die Deutsche GigaNetz will den Ausbau selbst finanzieren. Die Gemeinde Nauheim muss lediglich die eigenen Anschlusskosten zahlen.

Nauheim -Mit einer politischen und bürgerfreundlichen Offensive will die Gemeinde die Digitalisierung vorantreiben. Der Gemeindevorstand favorisiert einen Ausbau mit Glasfaser im gesamten Ortsgebiet innerhalb der nächsten beiden Jahre. Als Partner stünde die Firma Deutsche GigaNetz bereit, sagt Bürgermeister Jan Fischer (CDU). Eine ähnliche Initiative mit der Telekom war 2015 gescheitert.

Der Verwaltungschef strebt jetzt eine politische Entscheidung an. Der Gemeindevorstand habe die Zusammenarbeit der Deutschen GigaNetz positiv beschieden, informiert er auf Nachfrage dieser Zeitung. Als Alternative gebe es noch ein zweites Modell, das auf eine mit der Gemeinde zu gründende Betreibergesellschaft mit dem Unternehmen Greenfiber hinausliefe, mit dem die Stadt Raunheim zusammenarbeite.

Auch für die entlegenen Ortsteile

Nun solle es gelingen, alle Ortsteile mit Glasfaser zu versorgen. Die Deutsche GigaNetz wolle in Nauheim ein komplett eigenes Netz verlegen und diesen Ausbau selbst finanzieren. Auf die Kommune entfielen lediglich die Kosten, die die Gemeinde für eigene Anschlüsse etwa im Rathaus oder in Kitas benötige.

Der entscheidende Vorteil im Vergleich zu den Vorschlägen der Telekom vor sechs Jahren: Das schnelle Glasfasernetz mit bis zu 1000 Mbit würde vollständig bis zu den Gebäuden führen. Bei der Telekom gab es damals unter anderem das Manko, dass auf der sogenannten letzten Meile mit einer Länge von bis zu 300 Metern weiterhin Kupferkabel genutzt würden, die dann mit einem speziellen System (Vectoring) überbrückt werden müssten. Zudem hieß es damals auf einer Bürgerversammlung, dass zunächst nur die Außenbezirke Nauheims versorgt würden und nicht die älteren Ortsteile.

Ein weiterer Nachteil: Firmen mit größeren Telefonanlagen hätte die Telekom seinerzeit nicht bedient. Bei der Deutschen GigaNetz werde ganz Nauheim abgedeckt, so Fischer. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass die Telekom weiterhin am Markt tätig sei und es über Partnerbetriebe zu einem unlauteren Wettbewerb gekommen sei. Beispielsweise seien an Haustüren Bürger mit der Behauptung angesprochen worden, dass diese jetzt einen neuen Telekomanschluss benötigten, weil es einen Vertrag mit der Gemeinde gebe. "Dem ist nicht so", versicherte der Rathauschef.

Wichtige für Gewerbebetriebe

Die Deutsche GigaNetz würde mit einem Vollausbau einsteigen, wenn eine 30-prozentige Kundenabdeckung erreicht sei. Dafür würde die Gemeinde - eine politische Zustimmung der Gemeindevertretung vorausgesetzt - Reklame machen, betonte der Bürgermeister. Auch bei Antrags- und Genehmigungsverfahren helfe das Rathaus. Schon jetzt sieht Fischer dem Ausbau gespannt und positiv entgegen, weil dies insbesondere für Gewerbebetriebe ein entscheidendes Argument sei, im Ort tätig zu sein oder zu bleiben. Bekannt ist, dass zumindest ein potenter Gewerbesteuerzahler nach 2015 die Kommune verlassen habe, weil es in Nauheim kein zeitgemäßes Internet gab.

Das Glasfaserkabel verlege das Unternehmen "in einer ordentlichen Tiefe" mit klassischen Verlegearbeiten". Bei einer Auftragsvergabe würden früher oder später in ganz Nauheim Bauarbeiten einsetzen, um Rohre für die Kabel zu verlegen. Das sei "ein notwendiges Übel", sagt Fischer. Allerdings gehe er nicht von außergewöhnlich großen Erdarbeiten aus. Vor allem nicht in Höfen und Gärten.

Direkt zu Wohngebäuden würden die neuen Leitungen unterirdisch "durchgeschossen", so dass nichts aufgegraben werden müsse. Wie die Deutsche GigaNetz arbeite, davon habe sich der Gemeindevorstand anhand von Referenzen - zurzeit beispielsweise in Flörsheim - überzeugen können. Rainer Beutel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare