Mit Grafiken von Nauheimer Sehenswürdigkeiten ist das Wahlprogramm der Grünen illustriert. FOTO: RAINER BEUTEL
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Mit Grafiken von Nauheimer Sehenswürdigkeiten ist das Wahlprogramm der Grünen illustriert.

Kommunalwahl

Heimat entdecken und mitgestalten

  • vonRainer Beutel
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Es ist ein "Programm von Nauheimern für Nauheim": Statt klassischer Wahlwerbung, laden die Grünen in ihrem Flyer zu einem "Spaziergang mit Mehrwert" ein.

Der Wahlkampf in Corona-Zeiten führt bei den Nauheimer Grünen zu einer ungewöhnlichen Präsentation. Wie andere Parteien verteilen die Mitglieder ihr Wahlprogramm an die Haushalte. Das jedoch flattert nicht als gewöhnlicher Flyer in die Briefkästen, sondern in einem auffälligen Format mit Anregungen, sich zu bewegen, samstagmorgens Müll einzusammeln und mit Fotos von Nauheim das Internet schöner zu machen.

Klar, bei den Grünen ist alles grün. Die Farbgebung versteht sich von selbst. Auf die volle Größe von rund 60 mal 60 Zentimetern ausgeklappt offenbart sich allerdings eine neue Idee: Die Grünen laden zu einem "Spaziergang mit Mehrwert" ein. Der in einem Wort geschriebene Slogan wird mit einem Hashtag versehen, um zu signalisieren: Die Wähler sind aufgerufen, sich zu beteiligen.

Vom Seichböhl bis zum Skaterpark

Es sei ein "Programm von Nauheimern für Nauheim", das den gesamten Ort im Blick habe und dies visualisiere. Zu sehen ist eine Karte mit den Ortsteilen und ihren Besonderheiten, die als Grafik illustriert werden. Angefangen im Westen mit Seichböhl, Bahnhof und Rathaus, Kastanienbaum und historischem Ortskern über die neue Grundschule bis zu den Hochhäusern und dem Skaterpark im Osten. Zwischendrin sind Blühwiesen, Feuerwehrauto, Traktor, Reptilien und der Hegbachsee zu entdecken. Nicht zu vergessen der Wald und die Funkfeueranlage als Signalgeber für die Südumfliegung.

Zu allen "Sehenswürdigkeiten" führen die Grünen aus, was sie sich dazu politisch vorstellen. Das reicht von mehr Biodiversität über intelligentes Bauen, "echte Barrierefreiheit" bis zum Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr sowie dem Erhalt des Waldes. Die programmatischen Ansätze und Konzepte sind keineswegs nur ökologisch geprägt. Unter dem Stichpunkt Politik werden die Schlagworte Transparenz und Bürgerbeteiligung hervorgehoben. Unter "Finanzen" geht es um möglichst wenig Defizite und Schulden.

Die Grünen betonen, dass sie ein Programm zum Mitmachen und Mitgestalten entworfen hätten. Im Rahmen der Aktion "#SpaziergangMitMehrwert" rufen sie auf, samstags ab 10 Uhr beim Gang durch Nauheim Müll einzusammeln.

Bilder mit Hashtag versehen

Gleichzeitig soll die Bevölkerung animiert werden, anhand der Karte das Wahlprogramm zu erkunden und die damit verbundenen Orte zu entdecken. Das Ziel ist eine weitere Aktion unter dem Motto "#DasInternetSchönerMachen". Die Nauheimer Bürger werden aufgefordert, unterwegs mit dem Smartphone oder der Kamera Bilder zu schießen und diese mit dem erwähnten Hashtag in den sozialen Medien hochzuladen, damit das Internet schöner werde.

In einzelnen Kapiteln widmet sich die Partei inhaltlichen Zielen, die mit den Örtlichkeiten zusammenhängen. Zu finden sind auch Aspekte, die in der kommunalen Debatte bislang eher selten angesprochen wurden, etwa die gefahrlose Nutzung von landwirtschaftlichen Feldwegen für Fußgänger und Radfahrer mit der Intention, dafür ein "allgemeingültiges Reglement" zu schaffen. Landschaftsschutz, biologische Vielfalt, der Nauheimer Wald, das Ehrenamt und die Nachverdichtung nehmen breiten Raum ein. Das örtliche Gewerbe wird als unterstützenswert erwähnt. Der in der nächsten Legislaturperiode zu erschließende Gewerbepark Süd ist, zumindest auf der Karte, noch nicht näher ins Auge gefasst. Nicht fehlen dürfen indes die Kandidaten mit ihren persönlichen Schwerpunkten.

Angesprochen auf die unorthodoxe Präsentation betont Fraktionsvorsitzender Marco Müller (Listenplatz zwei), dass dies nicht sein Verdienst gewesen sei. Das Programm stamme federführend von Spitzenkandidatin Gabi Killian und Stefanie Hackler-Siesenop (Rang drei) "mit externer Unterstützung im Kommunikationsdesign". In einem erweiterten Team hätten Silvia Best (sieben), Swenja Gesemann (fünf), Elmar Lütge (sechs), Michael Brandmüller (acht), Mathias Purr (zwölf) und Klaus Fischer (neun) mitgewirkt. Von Rainer Beutel

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