Pierre Dietz und Beate Koslowski müssen lachen, wenn sie zeigen, wie sie sich um den Probedruck ihres gemeinsamen Kinderbuchs "Barakabas" streiten.
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Pierre Dietz und Beate Koslowski müssen lachen, wenn sie zeigen, wie sie sich um den Probedruck ihres gemeinsamen Kinderbuchs "Barakabas" streiten.

Literatur

Kinderbuch aus Nauheim: "Skurriles und Absurdes ist wichtig"

  • vonRainer Beutel
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Nauheim: Künstlerin und Autor veröffentlichen gemeinsames Kinderbuch

Künstlerin Beate Koslowski und Pierre Dietz, Illustrator und Autor mehrerer Bücher, haben das Kinderbuch "Barakabas - plötzlich allein" als gemeinsames Kunstprojekt herausgegeben. Sie erzählen von einem aufregenden Entstehungsprozess und präsentieren auf 40 Seiten ein farbenfrohes Werk voller kreativer Skurrilität.

Seit ihrer Kindheit in Wiesbaden hat die in Nauheim lebende Malerin Beate Koslowski einen engen Bezug zur Welt des Zirkus. Nicht weit von ihrem Zuhause hatte der Zirkus Roncalli immer wieder seine Zelte aufgeschlagen. Jahre später entstanden Bilder aus dem Leben der Akrobaten und Artisten, von Tierdressuren und Clowns.

"Diese Bilder habe ich Pierre Dietz gezeigt und ihn gefragt, ob er sich vorstellen könnte, dazu eine Geschichte zu schreiben", erzählt sie. Der ebenfalls in Nauheim lebende und in Paris aufgewachsene Dietz sagte spontan zu. Nachdem er schon mehrere dokumentarische Bücher geschrieben hat, darunter investigativ über die Legende von König Artus, Avalon und den heiligen Gral, dachte er sich nun eine kindgerechte Fantasieerzählung aus.

Nauheim: Bunte Seifenblasen fliegen hin und her

"Wir haben Text und Bild verzahnt", erklärt Dietz, der beruflich beim Fernsehen als Grafiker arbeitet. Koslowski drückt die Kooperation metaphorischer aus: "Zwischen uns sind die bunten Seifenblasen nur so hin und her geflogen." Der kreative Schaffensprozess mitten in der Corona-Pandemie streckte sich von Juni bis Dezember vergangenen Jahres. Anschließend konnte Dietz mit der Produktion des Buches beginnen.

Als Folge von Erfahrungen mit Buchverlagen entschied er sich für Veröffentlichung als "Book on Demand", um selbst bestimmen zu können, was aus dem Kunstprojekt werde.

Zu oft habe er erleben müssen, dass professionelle Verlage den Autoren Vorschriften machten, die rein verlegerischen, das heißt unternehmerischen Vorstellungen entsprächen. Unabhängig von externen Druckmitteln sei stattdessen ein "lebhaftes, offenes und fluffiges" Kinderbuch herausgekommen, so Dietz. Es bereite einfach Freude und werde schon wegen seiner sehenswerten Bilder gerne in die Hand genommen.

"Oder um daraus vorzulesen", wie Beate Koslowski betont. "Barakabas" eigene sich beispielsweise für Großeltern, die ihren Enkeln beim Vorlesen etwas vermitteln und erklären wollten. Es gebe durchaus Bezüge zu Nauheim. "Denn dort, wo heute das Atrium steht und früher das Feldchen war, gastierten immer Zirkusse", erinnert sich Koslowski.

Freude aus Nauheim für junge Leser

Die Geschichte um Barakabas gehe darauf ein. Der Zauberer sei zum Beispiel vor Nauheims neuer Ortsmitte mit Baukran im Hintergrund und einem Flugzeug auf der Südumfliegungsroute zu entdecken. Doch keine Sorge: Handlung und Dialoge kommen nicht mit erhobenem Zeigefinger daher. Die didaktischen Ansätze erscheinen eher nebenbei und sind in die Geschichte verwoben. Kinder und Erwachsene lernen etwa, dass Mäuse Duftdrüsen haben und gerne an Möbel nagen. "Ja, es gibt durchaus Skurriles und Absurdes, das ist bei Kinderbüchern ganz wichtig, dann können die Kinder selbst entscheiden, was in ihre Welt passt und was nicht", sagt Dietz. Jungen Lesern solle es Freude bereiten, mit Stolz selbst zu erkennen, was real ist und was ein bisschen übertrieben sein könnte. Apropos Realität: Die Corona-Pandemie habe die Veröffentlichung des Kinderbuches ein wenig verzögert, bedauern die Herausgeber. Nachdem den beiden vor wenigen Tagen nur ein Probeabdruck vorlag, den sie sich am liebsten gegenseitig aus den Händen gerissen hätten, sei das Werk nun im Buchhandel zu bekommen. "In Nauheim beispielsweise bei Martin Kaus von SchriftArt", erzählt die Künstlerin.

Gerne aber auch in der Schule, in Kitas oder der Bücherei würden Beate Koslowski und Pierre Dietz Kindern aus ihrem Buch vorlesen - wenn es die Kontaktbeschränkungen wieder erlauben. Das sei, wie so vieles, leider von den Infektionszahlen abhängig. Und die könne selbst Barakabas nicht verzaubern. Von Rainer Beutel

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