Die Landfrauen lassen sich von Lars Nitschke über Beweggründe und politische Ziele seiner Direktkandidatur für den Bundestag informieren. FOTO: RAINER BEUTEL
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Die Landfrauen lassen sich von Lars Nitschke über Beweggründe und politische Ziele seiner Direktkandidatur für den Bundestag informieren.

Politik

Landfrauen fühlen Nitschke auf den Zahn

  • VonRainer Beutel
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Grünen-Bundestagskandidat steht Rede und Antwort

Sechs Landfrauen haben sich mit Lars Nitschke getroffen. Bei alkoholfreien Getränken, Brezeln und Spundekäse fühlten Vorstandsmitglieder dem Bundestagsdirektkandidaten der Grünen auf den Zahn - allerdings in aller Freundschaft. Man kennt sich seit Jahren.

Dass mit dem 24-Jährigen ein ziemlich junger Mann für den Deutschen Bundestag kandidiert, hat sich in der Gemeinde rumgesprochen. Zumal Lars Nitschke ein "Naumer Bub" ist, im Ort aufwuchs, schon mit zwölf Jahren ins Jugendparlament einzog und dann als jüngster Gemeindevertreter aller Zeiten politisch weitermachte.

Jetzt also will er nach Berlin. Er muss die übliche Ochsentour eines Wahlkreiskandidaten auf sich nehmen. Hier ein Wahlkampfstand, dort eine Parteiversammlung. Er nimmt sich außerdem Zeit für seinen Heimatort, ist präsent, wann und wo es geht. Kürzlich nahm er mit der Landfrauenvorsitzenden Anne Dammel Kontakt auf und erkundigte sich, ob es möglich sei, sich bei den Landfrauen vorzustellen.

"Wichtiger Verein in Nauheim"

"Warum gerade bei uns?", wollen die Vorstandsmitglieder wissen, die ihn im Hof ihrer Vorsitzenden in der Bahnhofstraße willkommen heißen. Nitschke zögert keine Sekunde mit seiner Antwort: "Weil die Landfrauen ein wichtiger Verein in Nauheim sind". Und weil die meisten Mitglieder einer anderen Generation entstammten. Ihm sei es wichtig, alle Altersgruppen zu verstehen, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu kennen und miteinander im Gespräch zu sein.

In der gemütlichen Runde an rustikalen Holztischen wird schnell deutlich, dass es engere Bezüge gibt. "Ich kenne Anne, seit ich ein Baby war", skizziert Nitschke seinen Lebensweg. Der Landfrauenvorsitzenden habe er zu verdanken, dass er ins Kinder- und Jugendparlament gegangen sei. Anne Dammel war damals Kinder- und Jugendbeauftragte der Gemeinde. Sie hat viele junge Menschen inspiriert, sich zu engagieren.

Dass daraus vielleicht mal eine politische Karriere werden könnte, konnte niemand wissen. Umso mehr freut es die Landfrauen, dass sich Lars Nitschke so engagiert. "Aber warum bei den Grünen?", wollen sie wissen. Ihr Gesprächspartner überlegt einen Moment und berichtet dann, dass er sich auch bei der SPD umgeschaut habe. Das sei "ok gewesen, aber bei den Grünen in Nauheim war es familiärer". Er nennt zusätzlich politische Gründe. Allem voran der Klimaschutz. Schon seit früher Jugend sei er für das Thema sensibilisiert.

Zu jung fühlt sich Nitschke keineswegs. Es schade nicht, wenn ein Jüngerer in der großen Politik mitmische. Er bringe parlamentarische Erfahrung mit, ist seit einigen Jahren Gemeindevertreter. Er wisse nicht nur, wie Anträge gestellt würden. Es gehe auch um etliche Sachthemen, die er sich auf die Fahnen geschrieben habe. So kommt er zurück zum Thema Klimaschutzpolitik, die für ihn gerecht sein müsse. "Familien mit Hartz IV sollen nicht noch drauf zahlen", fordert er und findet Zustimmung. Anne Dammel betont, dass auch Ältere Zukunftsängste hätten. Gerade wegen des Klimawandels. "Es ist fünf vor Zwölf", warnt sie. Nitschke studiert derzeit im sechsten Semester Politikwissenschaft. Was würde er machen, wenn er tatsächlich gewählt würde, hakt die stellvertretende Vorsitzende Gabi Bender nach. "Corona hat mir beigebracht, dass ein Fernstudium funktionieren kann", entgegnet der Kandidat, der sein Studium unbedingt beenden wolle, sogar mit Büro in Berlin. "Das wird anstrengend, ist aber machbar", sagt er.

Direktmandat wäre eine Sensation

Die Eroberung des Direktmandats im hiesigen Wahlkreis wäre für ihn (und die Grünen) sensationell. Über die Liste ist er nicht hundertprozentig abgesichert. Wenn die Grünen am 26. September 24 Prozent oder mehr Stimmen erzielten, werde es interessant, schätzt er. Für ihn stehe jedenfalls fest, bis zum Wahltag und darüber hinaus gebe er 100 Prozent.

Vorsitzende Dammel betont, dass vor der Bundestagswahl auch andere Politiker willkommen seien, wenn sie sich dem Verein vorstellen wollten. Der Vorstand sei für weitere Gesprächsrunden offen, falls Bedarf bestehe. Gleichzeitig teilt der Verein mit, dass die für die nahe Zukunft geplanten Veranstaltungen, darunter das Latwerge rühren, der Kerwekaffee und das Lichterfest, Corona-bedingt ausfielen. Damit nehme der Verein Rücksicht auf steigende Inzidenzen und richte sich nach der neuen Allgemeinverfügung im Kreis Groß-Gerau. Rainer Beutel

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