Ultratriathlet Dirk Leonhardt erklärt im Sportpark, wozu eigene Ziele nützlich sind. FOTO: RAINER BEUTEL
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Ultratriathlet Dirk Leonhardt erklärt im Sportpark, wozu eigene Ziele nützlich sind.

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Lernen vom Weltrekordhalter

  • VonRainer Beutel
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Triathlet Dirk Leonhardt motiviert Nachwuchs-Footballer der Wild Boys

Die Wild Boys haben ihr "Big-and-Strong-Projekt" erfolgreich gestartet. 20 Kinder nehmen teil, Gönner und Förderer bringen den Nachwuchs unabhängig vom Football voran. Mit Dirk Leonhardt unterstützt ein mehrfacher Weltrekordhalter das Ziel, die Heranwachsenden groß und stark zu machen.

Am frühen Abend im Sportpark sitzen auf der Steintribüne mehr als 20 Kinder und einige Mütter, Väter und Vereinsfreunde. Sie hören einem 39-jährigen Athleten zu, der ihnen nicht nur von seinen Rekorden berichtet. Es ist Dirk Leonhardt aus Bruchköbel, ein sympathischer und auskunftsfreudiger Mann im besten Alter.

Zu seiner Biografie gehören Eckdaten, die unglaublich für jeden klingen, der schon mal einen Marathon (42 Kilometer) gelaufen ist. Oder gar einen Triathlon, bei dem zum Marathon noch 180 Kilometer auf dem Rennrad und eine Schwimmdistanz von 3,8 Kilometern kommen. Leonhardt hat voriges Jahr mehr als 30 Triathlons hintereinander absolviert.

Niemand wird als Superheld geboren

Er benötigte dafür 45 Tage, schwamm 200 Kilometer, radelte 5400 Kilometer und lief 1320 Kilometer. Nachts legte er Pausen ein. Darüber hinaus halte er den Weltrekord im Treppensteigen über eine Zeit von mehr als 28 Stunden. In dieser Woche fahre er mit dem Rad in sieben Tagen durch 15 europäische Länder, was ebenfalls rekordverdächtig sei, informieren die Veranstalter.

Leonhardt bekennt sich vor den Kindern und Jugendlichen freimütig zu seiner Zeit vor dem Extremsport. In der Schule sei er unsportlich gewesen. Er habe eher zu jenen gehört, die gehänselt worden seien. Irgendwann habe er angefangen, sich zu beweisen, dass in ihm viel mehr stecke. "Ich hatte einfach Bock drauf", erinnert er sich.

Seine Botschaft an den Nachwuchs ist tiefgründig. "Ihr seid viel mehr, ihr könnt alles schaffen", ruft er seinen jungen Zuhörern zu. Er sei sich sogar sicher, dass nahezu jeder, der vor ihm sitzt, eines Tages einen Weltrekord schaffen könne. "Es wird niemand als Superheld geboren", betont er. Aber wer es wirklich anpackt und motiviert ist, könne sich "sein Ziel Stück für Stück erarbeiten".

Leonhardt unterstreicht, dass seine sportlichen Leistungen schon viele motiviert hätten. Wer so etwas umsetze, könne sich "sein ganzes Leben lang daran aufrichten". Und klar sei, dass es immer wieder Tiefen und Rückschläge gebe. Das gehöre zum Leben. Doch niemand müsse in der Rolle des Verlierers für alle Ewigkeit verharren, schärft er die Sinne seine Zuhörer.

Viele weitere Projektbeteiligte

Mit seiner mentalen Ausrichtung sei Leonhardt genau der Richtige, um Kinder und Jugendliche, die im Sport, in der Schule oder privat etwas erreichen wollten, anzuspornen, sagt Thomas Baier von den Wild Boys, bei dem für das Big-and-Strong-Projekt organisatorisch die Fäden zusammenlaufen. Neben Leonhardt habe der Verein mit finanzieller Unterstützung der Kreissparkassenstiftung und des Stromdienstleisters "Mainova" weitere Projektbeteiligte ins Boot geholt, die jungen Menschen beispielsweise erklären, wie sie sich gesund ernähren (Sanja Schneider) oder dagegen wehren, von anderen gemobbt (Tugçe-Albayrak-Verein) zu werden.

Die Wild Boys verfügten mittlerweile über ein großes Netzwerk, bei dem sich "die Puzzleteilchen zusammenfügen, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen", freut sich Baier. Apropos Mobbing: Dirk Leonhardt verrät, dass ihm Mobbing aus der Zeit, als er in der Schule mit Sport eigentlich nichts zu tun hatte, keinesfalls unbekannt sei. Seinen neuen Fans rät er, eigene Ziele zu verwirklichen und damit das Selbstbewusstsein zu steigern. "Ihr müsst euch Anker setzen: Wo stehe ich, wo will ich hin?"

Doch nicht nur das zähle. Jeder solle sich fragen, wie er anderen helfen könne. Auch er habe bei seinen Weltrekorden viel Unterstützung erfahren. Genau deshalb helfe er mit seiner Philosophie auch den Wild Boys und jenen, die es ihm nun vielleicht nachmachen wollen.

Rainer Beutel

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