Das Motiv mit Symbolen von Luthers Reise hat Wolfgang Volz (rechts) gemalt. Reiner Weber (links) sucht dafür einen neuen Standort.
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Das Motiv mit Symbolen von Luthers Reise hat Wolfgang Volz (rechts) gemalt. Reiner Weber (links) sucht dafür einen neuen Standort.

Reformator

Martin Luther auf Durchreise in Nauheim

Pfadfinder suchen neuen Standort für Acryl-Bild von Wolfgang Volz. Entstanden ist eine neuzeitliche Attraktion aus historischem Stoff.

Nauheim -Der Verband der christlichen Pfadfinder macht mit einem Bild auf ein historisches Ereignis aufmerksam. Die von Wolfgang Volz gemalte Szene illustriert Martin Luther auf seinem Weg von Wittenberg nach Worms vor 500 Jahren. Vorerst steht das Motiv auf dem Pfarrgelände, bald aber soll es einen neuen Standort auf dem "Lutherweg 1521" bekommen.

Einen stichfesten Beweis, dass Luther im April vor 500 Jahren nah an Nauheim vorbei kam oder den kleinen Ort damals sogar durchquerte, gibt es nicht. Die Befürworter dieser Behauptung stützen sich auf sprachwissenschaftliche Interpretationen, die erstmals in den 1980er Jahren bekannt wurden.

Die überregional ausgewiesene Strecke des "Lutherwegs 1521" verläuft teilweise auf einer bekannten Originalroute Luthers sowie in einem Korridor, wo sich Luther vor fünf Jahrhunderten bewegt haben könnte. Genau weiß das nämlich niemand. Der Kirchenreformator war damals aufgefordert, vor dem Kaiser in Worms seine Thesen zu widerrufen.

Eine neuzeitliche Attraktion

Die Pfadfinder machen aus dem Thema eine neuzeitliche Attraktion. Ihr Bild zeigt verschiedene Stationen Luthers. Das von Wolfgang Volz gestaltete Motiv - Luther steht auf einem vom Pferd gezogenen Karren - hat drei Gucklöcher. Durch sie kann sich jeder zur Szene gesellen und sich fotografieren lassen. Außerdem rufen die Pfadfinder zu einem Wettbewerb auf. Wer möglichst viele Details auf dem Bild erkennt, kann ein Candle-Light-Dinner gewinnen.

Doch wo war Luther unterwegs? Vor 500 Jahren gab es offenkundig eine mit historischen Karten nachweisbare Fernverbindung von Frankfurt nach Oppenheim, wo Luther den Rhein überquerte, um südlich nach Worms zu gelangen. Die im Hessischen Staatsarchiv hinterlegte "Stereografische Projektion" von 1565 und eine weitere Straßenkarte von 1575, beide entdeckt von einer Königstädter Heimatforscherin, zeigen die ausgebaute Straßenverbindung weit östlich von König-städten, Nauheim und Trebur. Sie verbindet Mörfelden mit Groß-Gerau. Reiste Luther nicht dort, hätte er über Königstädten, Nauheim und Trebur beschwerliche Umwege auf Acker- und Waldwegen nehmen müssen.

Der frühere Stammesleiter der Pfadfinder, Reiner Weber, sagt jedoch: "Am 15. April 2021 jährt sich zum 500. Male exakt der Tag, an dem Luther von Frankfurt an Nauheim vorbei nach Trebur zur Laurentiuskirche und dann weiter nach Oppenheim reiste." Luther habe sich auf der Königstädter Schnepfenschneise bewegt, die in Mörfelden-Walldorf beginne und geradeaus Richtung Trebur führe. Weber beruft sich auf eine "Historische Rheinlaufkarte" aus dem Jahr 1735, die somit die relevante Gegend mehr als zwei Jahrhunderte nach Luthers Reise 1521 und 170 Jahre nach der Karte von 1565 abbildet. Es sei ein historischer Handelsweg zwischen Frankfurt und Metz, sagt Weber. Auf der Karte aus dem 16. Jahrhundert ist dieser Handelsweg nicht eingezeichnet.

Motiv auf Anhänger installiert

Wie auch immer, die Pfadfinder suchen für das neue Motiv auf einer 4,5 Quadratmeter großen Tischtennisplatte einen Standort auf dem neuzeitlichen "Lutherweg 1521" - und zwar auf jeden Fall auf Nauheimer Terrain. Auf einer landwirtschaftlichen Rolle oder einem Autoanhänger wollen sie das Acryl-Bild mobil präsentieren. Fest installiert benötigten sie eine baurechtliche Genehmigung.

Für das bis Himmelfahrt im Pfarrhof stehende Anschauungsobjekt biete sich "direkt am Luther-Pilgerweg" ein neuer Standort an. Es könne auf einer Rolle oder einem Anhänger montiert und befristet auf einem Privatgrundstück, in der Nähe des Nauheimer Bahnhofs oder am Ortsausgang geparkt werden. Der Wegpate für den "Lutherweg 1521", der Nauheimer Hans Joachim Brugger, schlägt "an der Chaussee nach Trebur vor den Römer-Tafeln" am Rand des Seichböhls vor.

Die Initiatoren würden an der Rolle einen Zettelkasten montieren, um über Luthers Reise zu informieren. Auch das Rätsel könne dann näher beschrieben werden - nicht jenes von Luthers wahrem Weg, sondern die Frage nach den symbolisch dargestellten "Besonderheiten aus dem Ried". Wer möglichst viele erkennt, kann seine Lösung samt Selfie vom Luther-Bild bis 1. Oktober an Weber. Reiner@web.de senden. Von Rainer Beutel

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