Hauptsache die Hegbachseebahn fährt wieder, sagt sich Thomas Zwiorek (rechts). Da stört der Ausfall der Dampflok am Sonntag wenig, zumal Roland Kappes (links) ihm eine 500-Euro-Spende zukommen ließ.
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Hauptsache die Hegbachseebahn fährt wieder, sagt sich Thomas Zwiorek (rechts). Da stört der Ausfall der Dampflok am Sonntag wenig, zumal Roland Kappes (links) ihm eine 500-Euro-Spende zukommen ließ.

Mini-Eisenbahn

Mit Volldampf ins Grüne

  • vonRainer Beutel
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Hegbachseebahn von Thomas Zwiorek dreht wieder ihre Runden in Nauheim.

Nauheim -Pfingsten war für Thomas Zwiorek etwas Besonderes. Nach sinkenden Inzidenzzahlen im Kreisgebiet war es dem Betreiber der Hegbachseebahn erstmals nach sieben Monaten gestattet, an seiner Anlage mit Passagieren zu fahren. Obendrauf erhielt er noch eine Spende. Aber einen kleinen Wermutstropfen musste er trotzdem schlucken.

"Seit November war hier zu", informiert Zwiorek am Sonntagmittag. Auf der von ihm selbst geschaffenen Anlage seiner Mini-Eisenbahn, die es seit knapp zwei Jahren gibt, flattern überall Absperrbänder. Der Betreiber sorgt mit einer Wegeführung dafür, dass sich die Fahrgäste nicht zu nahe kommen. Eine Terminvereinbarung zum Mitfahren ist ebenfalls noch nötig.

Auf den Anhängern, die von einer Elektrolok im Kleinformat gezogen werden, sind Sitzplätze gesperrt. Voll besetzte Züge wären nicht möglich, weil die Leute weiterhin Abstand zueinander halten müssen. "Aber Hauptsache, ich darf wieder fahren", sagt Zwiorek, den die verschiedenen Corona-Lockdowns seit Frühjahr 2020 schon zu allerlei Einschränkungen gezwungen hatten. Dass er aber sieben Monate keinen Cent mit seiner Hegbachseebahn einnehmen durfte, hätte auch er nicht erwartet.

Nauheim: Auf jeden Euro angewiesen

Als selbstständiger Unternehmer, der den Spaß für Kinder und ihre Eltern im Nebenerwerb betreibt, ist er auf jeden Euro angewiesen. Immerhin sei es ihm gelungen, Fan-T-Shirts mit dem Logo seiner Hegbachseebahn zu verkaufen. "Es wurden merkwürdigerweise mehr Shirts für Erwachsene als für Kinder gekauft", freut er sich über die Unterstützer. Zu diesen gehört auch Roland Kappes. Der ortsansässige Gerüstbauer hat vor einigen Monaten mit einer Spendenaktion begonnen. Dabei greift er jenen unter die Arme, die finanziell nicht so gut durch die Corona-Pandemie gekommen sind wie er als Handwerker. "Diesmal habe ich 500 Euro für die Hegbachseebahn überwiesen", berichtet er. 250 Euro habe er von der Firma "Die Therapeuten" bekommen, um die gleiche Summe stocke er den Spendenbetrag persönlich auf.

"Ich habe extra damit gewartet, bis er wieder fahren darf", berichtet Kappes. Der Gönner, der mit seiner Aktion "Nauheimer in Nauheim für Nauheim" bereits viele Vereine und Betriebe gefördert hat, bedauert, dass er nicht allen helfen könne. Aber bei der Hegbachseebahn sei jeder Cent sinnvoll investiertes Geld. "Die Bahn bereitet so vielen Kinder Freude, da ist es wichtig, dass es weitergeht", findet Kappes.

Nauheim: Kostenlose Sonderfahrt

Bahnbetreiber Thomas Zwiorek versprach, dass er demnächst die eine oder andere kostenlose Sonderfahrt ausrufen wolle, die durch die Spende finanziert werde. Er könne so etwas an seine Fahrgäste weitergeben. Außerdem wolle er die Mini-Bahnanlage zwischen Campingplatz und Hegbachseeufer weiter verschönern, den "Bahnhof" genannten Haltepunkt zum Ein- und Aussteigen hübscher gestalten und für Eltern, die ihren Kindern beim Bahnfahren zuschauen, mehr Sitzgelegenheiten bieten.

Das alles passiere weiterhin auf nicht ganz abgesicherter Genehmigungslage. Bis die Gemeinde für das Areal am Hegbachsee einen Bebauungsplan aufgestellt habe, gelte die Mini-Bahn weiterhin als geduldet. Auf dieser Grundlage sei der Betrieb "vom Kreis zunächst um ein Jahr verlängert". Die Untere Naturschutzbehörde war 2019 unmittelbar vor der Inbetriebnahme eingeschritten, weil sich die Bahn nicht in die Landschaft einfüge, wie es damals hieß.

Gegen diesen Schock, der vor knapp zwei Jahren alles in Frage stellte, kommen Zwiorek die jüngsten Probleme beinahe banal vor. Er freute sich auf den Neuanfang nach der Corona-Pause, hatte für das Pfingstwochenende schon alles eingerichtet, um mit seiner Dampflok zu fahren. Doch plötzlich platzte an der Zugmaschine eine Wasserleitung. Davon lässt er sich nach so vielen Rückschlägen nicht unterkriegen. "Die repariere ich heute Abend bei mir zu Hause." Er ist zuversichtlich, dass er kommendes Wochenende wieder mit Volldampf fahren kann.

Von Rainer Beutel

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