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Kritische Mienen: Der wiedergewählte Vorstand der BUND-Ortsgruppe mit dem Vorsitzenden Reinhard Seiler, seinem Stellvertreter Hans-Jürgen Birkholz und Kassiererin Gutta Dreyer (von links) fordern die Politik zum umweltbewussten Handeln auf.

Natur

Mitglieder der BUND-Ortsgruppe formulieren bei der Jahreshauptversammlung umweltpolitische Ziele

Das vergangene Jahr war zu trocken für die frisch eingesäte Ökowiese, bedauert die BUND-Ortsgruppe. Ohnehin sind sich die Mitglieder einig, dass es aus ökologischer Sicht besser sei, die Natur sich selbst zu überlassen.

Die BUND-Ortsgruppe hat in ihrer Hauptversammlung am Donnerstag die Politik aufgefordert, Forderungen von Umweltschützern ernst zu nehmen. Eigene Ansätze, mehr ökologische Vielfalt zu schaffen, haben noch nicht das erhoffte Ergebnis gebracht.

Der in der Versammlung wiedergewählt Vorsitzende Reinhard Seiler verlangt Maßnahmen zum Grundwasserschutz im hessischen Ried. Die Landesregierung müsse eingreifen, um den Landgraben und das Trinkwasserreservoir der Region vor einer weiteren chemischen Verunreinigung zu schützen.

Saat ging nicht auf

Falsch sei es, die Agrarindustrie immer stärker zu fördern „und die Kleinbauern am langen Arm hängen zu lassen“. Subventionen müssten anders verteilt werden. Um der Trockenheit in Wäldern und im hessischen Ried entgegenzuwirken, verlangt der BUND einen Runden Tisch. Topthema müsse eine Reduzierung der Grundwasserentnahme sein.

Nach wie vor auf der Agenda der Umweltschützer stünden altbekannte Themen wie saubere Luft im Rhein-Main-Gebiet und eine konsequentere Umsetzung des Nachtflugverbots zwischen 23 und 5 Uhr am Frankfurter Flughafen. „Es kann nicht sein, dass hier noch 30 Flieger unmittelbar nach 23 Uhr landen“, forderte Seiler. Der Vorsitzende, sein ebenfalls wiedergewählte Stellvertreter Hans-Jürgen Birkholz und weitere Mitglieder bekräftigten auf Nachfrage, dass auf Nauheimer Gebiet die Natur noch dort in Ordnung sei, wo Menschen am wenigsten eingriffen. Als Beispiel wurde das unter Schutz gestellte Seichböhlgebiet genannt, wo allerdings ein vom BUND bewusster Eingriff noch nicht zum gewünschten Ergebnis führte, wie die Mitglieder bedauerten.

Die Aussaat einer Blumenwiese im vorigen Jahr sei, womöglich wegen der wochenlangen Trockenheit im Sommer, nicht erfolgreich gewesen. „Ein Baum ist schneller gepflanzt als eine Ökowiese angelegt“, bilanzierte BUND-Mitglied Thomas Arnold, der bei der Gemeinde im Umweltamt beschäftigt ist.

Gleichgewicht herstellen

Arnold spricht sich dafür aus, dass von Menschen nicht ständig neue Ideen entwickelt werden, um die Natur nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Forstgebiete, die nur noch eingeschänkt genutzt werden oder gar nicht mehr der Waldwirtschaft dienen, würden sich zunehmend regenerieren, berichtet er. Seiler wünscht sich in diesem Kontext eine stärkere Vernetzung von Schutzgebieten als Voraussetzung für ein ökologisches Gleichgewicht.

Mit verschiedenen Veranstaltungen habe sich der BUND vergangenes Jahr für seine Anliegen eingesetzt, hieß es bei einer Bilanz für 2018. Seiler nannte den Pflanzenflohmarkt, den Widerstand gegen eine Parkplatzerweiterung am Friedhof, eine erfolgreiche Nistkastenaktion, die zur Ansiedlung eines Wiedehopfs geführt habe und den Plan, einen neu angelegten Steinhaufen für Eidechsen in diesem Jahr zu vergrößern. Dafür bekomme die BUND-Ortsgruppe aus dem Fonds des Hessen-Lotto eine Zuwendung von 500 Euro, informierte Kassiererin Gutta Dreyer, die wie die übrigen Vorstandsangehörigen einstimmig gewählt wurde.

VON RAINER BEUTEL

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