+
Soll es richten: Willi Moritz wurde als Vereinsringvorsitzender wiedergewählt.

Nüchterne Bilanz

Mitglieder fragen sich: Wozu noch ein Vereinsringin Nauheim?

Sind die Tage des Vereinsrings gezählt? In der Hauptversammlung wird, mehr als ein Vierteljahrhundert nach seiner Gründung, von der „Auflösung“ gesprochen.

Willi Moritz vom Budo-Club lacht herzlich: Gerade wurde er einstimmig als Vorsitzender des Vereinsrings wiedergewählt. Dabei ist er selbst es, der für die nächste Amtsperiode einen Pflock in den Boden rammt: „Wir müssen dringend über unser Selbstverständnis reden.“

Wie es mit dem Vereinsring weiter geht, scheint fraglich. Anfang der 1990-er Jahre gegründet und einst mit ehrgeizigen Aufgaben gestartet, fragt sich der Vorstand mittlerweile: „Was machen wir hier eigentlich?“ Eine schlüssige Antwort gibt es noch nicht, auch nicht nach eingehender Debatte in der Hauptversammlung. Vor einigen Monaten wurde eine Umfrage unter den Mitgliedsvereinen gestartet. Der Rücklauf war ernüchternd.

Es sei lediglich ein Schreiben eingegangen, auf dem vermerkt gewesen sei, dass der Vereinsring seine Datenschutzrichtlinien überarbeiten solle. Die Resonanz sei also „gleich Null“, bedauerte Moritz am Mittwochabend, um im Beisein der Vertreter von zwölf Mitgliedsvereinen anzufügen: „Wozu sind wir eigentlich noch da?“ Der frühere Vorsitzende Ralf Uhlemann (katholische Kirchengemeinde) bemerkte, „dass sich der Vereinsring überlebt hat“. Von den einstigen Aufgaben, etwa der Gestaltung des Veranstaltungskalenders und die Terminkoordination unter den Vereinen, sei nichts mehr übrig. „Wir müssen darüber nachdenken, ob wir den Vereinsring auflösen“, sagte er. Widerspruch erntete er nicht.

Moritz bekräftigte, dass die Dachorganisation „nicht nur dafür da ist, Feste und den Weihnachtsmarkt zu organisieren“. Dies könnten die Clubs auch unter sich regeln. Beisitzerin Christine Lorenz (Ski-Club) sprach von einem „Geschmäckle“, wenn sich der Vorstand um die Vereine bemühe, diese aber dankbar abwinkten und lieber alles selbst machten. Ute Ansahl-Reissig (Erzgebirgischer Heimatverein) beobachtete, dass die Clubs bei der Termingestaltung „lieber ihr eigenes Süppchen kochen“ anstatt auf Vermittlungsversuche des Vereinsrings zu hören.

Ludwig Boßler (Gewerbeverein) erkannte ein grundsätzliches Problem: In Nauheim sei mit „vier bis fünf Veranstaltungen jedes Wochenende“ so viel los, dass es beinahe unmöglich sei, Veranstaltungen zu koordinieren. Terminüberschneidungen seien nicht zu vermeiden, daran könne auch der Vereinsring nichts ändern.

Moritz hält es für denkbar, dass die Organisation zu mehr Vorträgen einlade und somit ihren Service verbessere. Es sei aber „peinlich, einen Dozenten einzuladen und dann sitzen hier nur zwei Leute“. Steffen Hamm (Feuerwehr) lieferte für das möglicherweise geringe Interesse an Informationsveranstaltungen eine Erklärung: Die Vereine seien bereits informiert, dafür sorgten ihre eigenen Dachverbände. Die Feuerwehr beispielsweise sei „mit thematischen Angeboten rundum betreut“. Gewerbevereinsvorsitzende Boßler sah noch einen Grund, weiterzumachen: Mit seinen Mitgliedsbeiträgen erwirtschafte der Vereinsring Überschüsse, die für die Vereine sinnvoll verwendet würden.

Große Sprünge kann sich der Vereinsring nicht erlauben. Richter bilanzierte für den Weihnachtsmarkt 2017 einen Gewinn von 340 Euro, für das gesamte Jahr ein Plus von 280 Euro.Der Gedanke, den Vereins aufzulösen, wurde in der Hauptversammlung nicht weiter verfolgt. Im Gegenteil, letztlich bewies der Zusammenschluss Geschlossenheit bei der Wahl des neuen Vorstands, der es nun richten solle. Neben Willi Moritz als Vorsitzender wurde für die kommenden drei Jahre Peter Ziemainz als Stellvertreter, Markus Richter als Kassierer sowie Christine Lorenz und Ingrid Müller als Beisitzerinnen einstimmig gewählt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare