Mit neuem Logo auf dem Short dirigiert Norbert Bolbach das SKV-Orchester zum Auftakt des musikalischen Neuanfangs. Foto: Rainer Beutel
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Mit neuem Logo auf dem Short dirigiert Norbert Bolbach das SKV-Orchester zum Auftakt des musikalischen Neuanfangs.

Vereine

Musiker kommen in Schwung

Die Sport- und Kulturvereinigung baut ein neues Orchester auf. 13 spielfreudige Musiker erschienen zur ersten Probe.

Nauheim -Die Sport- und Kulturvereinigung (SKV) baut ein neues Orchester auf. Zur ersten offenen Probe am Samstag erschienen mehr als ein Dutzend Musiker. Einst gab es in dem Verein gleich drei Orchester mit weit mehr als 100 Instrumentalisten. Einer, der das nicht nur miterlebte, sondern entscheidend prägte, weilte als Zuhörer im Saal.

Ein Orchester gehört zur SKV wie die Butter zum Brot, da sind sich die meisten Mitglieder einig. Doch die glorreichen Zeiten mit einem Junior- und einem Jugendorchester, die allesamt bestrebt waren, irgendwann einmal bei den Erwachsenen im renommierten SKV-Blasorchester zu spielen, gehören der Vereinsgeschichte an. Nach und nach haben sich alle drei Ensembles aufgelöst. Die Corona-Pandemie beschleunigte diesen Prozess noch zusätzlich.

Bei der ersten Probe des SKV-Orchesters, wie sich die Formation nun nennt und mit einem neuen Logo stolz nach außen zeigt, herrschte zwar keine euphorische Aufbruchstimmung. Doch die 13 Musiker um den neuen Abteilungsleiter Fabian Hofmann wirkten spielfreudig, tatenfreudig und zuversichtlich, dass der Neuanfang gelingen würde.

Eine extra Portion Motivation lieferte kein geringerer als SKV-Vorsitzender Norbert Bolbach. Der Trompeter, der über Jahrzehnte die unzähligen Höhen und wenigen Tiefen des früheren SKV-Blasorchesters mitgemacht hat, sprang vorübergehend als erster Dirigent ein. Er sprach den meisten aus der Seele, als er die Lust aufs gemeinsame Musizieren thematisierte und sich fast wehmütig erinnerte, wie lang er sein Instrument nicht mehr angerührt habe. "Ich dachte, ich wäre ein Anfänger", verriet er von seinen Empfindungen, als er seiner Trompete das erste Mal wieder Töne entlockte.

Er riet den in der SKV-Halle mit breitem Abstand zueinander verteilten Musikern, sich anfangs nicht zurückzuhalten. "Lasst das Piano weg, gebt mal ein bisschen mehr Gas, dann kommt der Ansatz wieder", empfahl er zu einer etwas ungezügelten Spielweise. Die hörte sich seiner Meinung nach gar nicht so unbeholfen an. "Das war doch schon ganz gut", lobte Norbert Bolbach nach dem gelungenen Einstand, bevor er sich selbst in die Reihen der Musiker setzte und das Dirigat dem früheren Orchesterleiter Robert Zaske überließ.

Abteilungsleiter Hofmann berichtete, dass "seit mindestens einem Jahr" keine gemeinsame Probe mehr stattgefunden habe. Nun sei es Zeit, wieder in Schwung zu kommen und etwas Neues anzupacken. Das SKV-Orchester wolle sich ein neues, jüngeres Repertoire aneignen, also modernere Melodien als früher spielen. Das ehemalige Blasorchester orientierte sich am vermeintlichen Musikgeschmack der Nauheimer, die einst in der ortsansässigen Musikindustrie gearbeitet hatten, überwiegend aus dem sudetendeutschen Musikwinkel stammten und sich an Polkas und Märschen nicht satthören konnten - frei nach dem Evergreen "Aus Böhmen kommt die Musik".

Wie lange es dauern wird, "wieder ein gutes, spielfähiges Orchester" (Hofmann) zu haben, vermochte bei der Probe keiner einzuschätzen. Tatsache ist, dass die Anwesenden ihr Fach beherrschten. Niemand war dabei, der nicht schon früher in einem der erwähnten Vereinsorchester musiziert hatte und nicht "richtig Bock auf Musik" gehabt hätte, wie es ein neues Plakat des SKV-Orchesters ausdrückt. "Musik gehört bei uns einfach dazu", bestätigte SKV-Geschäftsstellenleiterin Michaela Kotthoff die Bestrebungen des Vereins, musikalisch wieder zum guten Ton zu gehören.

In den hinteren Reihen weilte ein weiterer Zuhörer, der zu den Unvergessenen gehört, die einst bei der SKV für musikalische Jubelarien sorgte: Peter Schmidt. Der frühere Dirigent, Musiklehrer und Musiker hatte vor mehr als zwei Jahrzehnten aus dem Nichts das Junior- und Jugendorchester aufgebaut und mit seiner charismatischen Art mehr als 100 Kinder und Jugendliche für die Orchestermusik begeistert.

Am Samstag wollte Schmidt, der mit dem Musizieren inzwischen aufgehört hat, mal schauen, wie der Neuanfang gelingen sollte. Und er war beeindruckt, wie er versicherte. Vor allem über die respektable Resonanz beim Auftakt. "Darauf kann man aufbauen", sagte er erfreut über seine Nachfolger.

Wer künftig mitspielen will, ist bei der nächsten Probe am Dienstag, 6. Juli, um 20 Uhr in der SKV-Halle herzlich willkommen. Rainer Beutel

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