Dass Tuba Celik vor dem Wappen der Gemeinde steht, ist kein Zufall. Die 30-jährige Frau mit Behinderung hat von der Gemeinde eine Festanstellung in der Kita Schillerstraße bekommen.
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Dass Tuba Celik vor dem Wappen der Gemeinde steht, ist kein Zufall. Die 30-jährige Frau mit Behinderung hat von der Gemeinde eine Festanstellung in der Kita Schillerstraße bekommen.

Werkstätten für Behinderte

Ein Musterbeispiel für erfolgreiche Inklusion

Für Tuba Celik und Bianca Berk haben sich neue Perspektiven eröffnet. Die beiden Frauen sind seit 1. August bei den Kindertagesstätten der Gemeinde angestellt.

Nauheim -Bürgermeister Jan Fischer (CDU) und Vertreter der Werkstätten für Behinderte Rhein-Main (WfB) aus Königstädten sprechen von einer Erfolgsgeschichte. Sie meinen nicht nur ihre Zusammenarbeit, sondern vor allem, dass es gelungen sei, zwei Menschen mit Behinderung durch Ausbildung und berufliche Anstellung glücklich zu machen.

Es geht um Bianca Berk und Tuba Celik. Gemeinde und WfB haben den beiden Frauen den Weg in den Arbeitsmarkt ermöglicht und ihnen eine neue Perspektive eröffnet, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Die Freude über die gelungene Integration der beiden Frauen ist groß. Die persönliche Atmosphäre ist bei einem Pressegespräch im Sitzungssaal des Rathauses deutlich zu spüren.

Dabei ist zu erkennen, dass der 30-jährigen Tuba Celik die Lobeshymnen ein wenig unangenehm sind. Die bescheiden wirkende Frau, die 30 Stunden in der Woche in der Kita Schillerstraße arbeitet, freut sich jedoch herzlichst und sagt, "Kindergarten macht Spaß". Keinesfalls wolle sie ihre frühere Tätigkeit bei der WfB wieder aufnehmen, sondern lieber bei der Gemeinde Nauheim bleiben. Ihre Kollegin ist nicht anwesend. Sie möge es nicht so, im Mittelpunkt zu stehen, erklärt Steffen Walther, Vorstandsassistent, Fortbildungsbeauftragter und Öffentlichkeitsreferent der WfB.

Zusammenarbeit künftig ausbauen

Walther und Fischer erklären die Hintergründe. WfB und Gemeinde kooperieren im Bereich betriebliche Integration von Menschen mit Behinderung seit vier Jahren. Beide Seiten bekräftigen, die Zusammenarbeit auch künftig fortzuführen und gegebenenfalls auszubauen zu wollen. Es sei eine "Win-Win-Situation".

Berk und Celik sind seit 1. August sozialversicherungspflichtig in kommunalen Kindertagesstätten angestellt. Vorher hatten sie einen WfB-Werkstattvertrag, womit sie an einer Maßnahme der Eingliederungshilfe teilnahmen. Die Zusammenarbeit habe sich vor fünf Jahren angebahnt, erinnert sich der Bürgermeister.

Nun sei es gelungen, dass die beiden Frauen Tätigkeiten im Hauswirtschaftsbereich der Kindertagesstätten Neckarstraße und Schillerstraße abdecken, für die es schwierig sei, Arbeitskräfte zu finden, wenn Tätigkeiten tarifvertraglich abgebildet werden müssten. Es gehe um alltägliche Erledigungen "auf Zuruf". Wenn es dafür Mitarbeiter gebe, garantiere dies, dass sich die fest angestellten Erzieherinnen auf ihren eigentlichen Auftrag, die Erziehung und Bildung von Kindern, konzentrieren könnten, so Fischer. Die beiden Frauen machten dies hervorragend, bestätigen Fischer und der stellvertretende Leiter der Kita Schillerstraße, Christian Flick.

Neue Berufsfelder erschließen

Eine wichtige Bezugsperson für beide Arbeitskräfte ist Thomas Liesenberg, Fachkraft für berufliche Integration bei der WfB. Er ist und bleibt quasi das Bindeglied zwischen WfB und Gemeinde und informiert zusammen mit Jolanda Wilker, Bereichsleiterin Bildung und Arbeit bei der WfB, dass die Werkstätten immer bestrebt seien, weitere Berufsfelder für ihr Klientel zu erschließen. Dazu gehöre beispielsweise die Lagerlogistik, der Gartenbereich, die Haustechnik und Tierpflege. Der WfB sei es gelungen, knapp 60 solcher im Betrieb integrierter Beschäftigungen zu ermöglichen.

Der Bürgermeister versichert, dass die Gemeinde beruflich individuelle Förderungen anbiete und perspektivisch bestrebt sei, weitere Kräfte der WfB einzustellen, "zum Beispiel im Bauhof oder im Bereich Landschaftspflege". Die WfB-Vertreter betonen, dass es stets darauf ankomme, die richtige Person für die passende Stelle zu finden, nicht anders wie im normalen Berufsalltag.

Die persönlichen Bindungen zur WfB bleiben erhalten, das betonen alle Anwesende. Und Thomas Liesenberg lässt erkennen, wie das gemeint ist. Er wendet sich Tuba Celik zu und garantiert ihr, dass sie ihn immer anrufen könne, wenn sie mal Sorgen habe. Auch zu ungewöhnlichen Zeiten. "Wir lassen niemand allein", garantieren Liesenberg und Steffen Walther unisono.

Rainer Beutel

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