In neue Duschen und Umkleidekabinen hat der Turnverein unter Führung von Wolfgang Glotzbach zuletzt investiert. Corona-bedingt bleiben die Errungenschaften bislang weitgehend ungenutzt. Foto: Rainer Beutel
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In neue Duschen und Umkleidekabinen hat der Turnverein unter Führung von Wolfgang Glotzbach zuletzt investiert. Corona-bedingt bleiben die Errungenschaften bislang weitgehend ungenutzt.

Vereinsleben

Nagelneu und kaum genutzt

Der Nauheimer Turnverein hat viel Geld in die Jahnhalle investiert. Doch die Mitgliederzahlen sinken - und damit auch die Einnahmen. Ist E-Sport eine Lösung?

Nauheim -Der Mitgliederschwund beim Turnverein 1888/94 hält an. Vorsitzender Wolfgang Glotzbach bedauert, dass es dem Verein noch nicht gelungen sei, die negativen Folgen der Corona-Krise zu mildern oder gar zu stoppen. Nun werde das Online-Angebot ausgebaut, teilt der Traditionsverein mit. Außerdem werde über E-Sport nachgedacht.

Während von der benachbarten Sport- und Kulturvereinigung (SKV) keine gravierenden Auswirkungen durch die Pandemie gemeldet werden, stehen die Warnzeichen beim Turnverein (TV) mindestens mal auf Gelb. Glotzbach, der früher Sportkreisvorsitzender war und noch immer gute Kontakte zu überregionalen Verbänden hat, wirkt alarmiert. "Das ist im gesamten Landessportbund so, es gibt riesige Verluste an Mitgliedern", sagt er.

Besonders im Bereich von Kindern und Jugendlichen, aber ebenso in der mittleren Generation sei der Schwund auffällig. "Wir verlieren ganze Generationen", klagt der TV-Vorsitzende. Bereits vor einigen Wochen hatte Glotzbach den Trend erkannt. Allerdings sei es nicht gelungen, die Entwicklung zu bremsen oder umzukehren, räumt er ein.

Maßnahmen zeigen keine Effekte

Die Halbierung der Mitgliedsbeiträge für Kinder habe nicht den erhofften Effekt gebracht. Bei einem Verein wie dem TV, der in den 1990er Jahren mehr als 1400 Mitglieder hatte und sich inzwischen quasi halbiert hat, wirke sich der Verlust finanziell aus. Über das Jahr hinweg seien das ein paar Tausend Euro, die dem Verein künftig fehlten. Und das bei hohen Investitionen. Seit 2005 habe der TV in seine Jahnhalle rund 700 000 Euro investiert, sagt Glotzbach.

80 bis 100 Mitglieder seien es gewiss schon, die sich vom Verein abgewandt hätten, genaue Zahlen lägen ihm nicht vor. Für den Vorsitzenden kommt der Einbruch nicht überraschend. Schon bei früheren Gelegenheiten hatte er beklagt, dass die enge Bindung zu Vereinen heutzutage stark nachgelassen habe, wie es sie vor wenigen Jahrzehnten oder gar zu Turnvater Jahns Zeiten noch gab. Breitensportvereine wie der TV würden gerne als Dienstleistungsbetrieb angesehen.

Ein spezielles Angebot, beispielsweise ein Reha-Training oder die Rückenschule, werde für einen gewissen Zeitraum wahrgenommen, dann träten die Leute wieder aus dem Verein aus. Dass eine Mitgliedschaft noch weitaus mehr Möglichkeiten biete und den Zugang zu sämtlichen Sportarten im Verein öffne, bleibe verkannt.

Nicht verändert habe sich das Dilemma, dass den Austritten keine Eintritte gegenüberstehen - das hatte Glotzbach schon vor Wochen analysiert. Zwischenzeitlich seien "vielleicht zwei oder drei Neue hinzugekommen", berichtet er. Die viele Austritte könnten keinesfalls kompensiert werden, wie das früher gelungen sei, um die Fluktuation aufzufangen.

Hallenöffnung für Familien mit Kindern

Mit der Öffnung der Halle jeden Samstag für Familien, die dort mit ihren Kindern einzeln turnen können, sei zumindest ein Anfang für eine Trendumkehr gemacht, gibt sich der Vorsitzende zuversichtlich. Auch Turner und Tischtennisspieler könnten ihren Sport nach wie vor ausüben. Ausgeweitet werde ebenfalls das Online-Training, versichert der Vorsitzende.

Darüber hinaus sei im Vorstand darüber gesprochen worden, künftig E-Sport anzubieten. Ein Verein, der in schwierigen Zeiten überleben wolle, müsse sich gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. Das heiße aber nicht, dass klassische Sportsparten vernachlässigt würden, so Glotzbach. "Wir müsse neue Wege gehen. Wenn wir eine Chance haben wollen, müssen wir mit der Zeit gehen", bekräftigt er.

Erste Schritte werden umgesetzt. Else Schuster von der TV-Geschäftsstelle weist auf ein neues Online-Training hin. Bislang habe es seit Januar jeden Freitag einen Online-Kurs gegeben. Nun stehe zusätzlich ein Übungsprogramm jeden Montag zur Verfügung, informiert sie. Die Übungen dauerten 30 Minuten und würden über die Kommunikationsplattform Zoom übertragen. Trainiert werde nun montags von 17 bis 17.30 Uhr und von 17.30 bis 18 Uhr sowie freitags von 15 bis 15.30 Uhr und anschließend eine weitere halbe Stunde.

Angeboten würden Übungen aus dem Gesundheits- und Rehasport, erklärt Schuster. Wer mitmachen will, sollte sich zuvor über die Homepage des Turnvereins unter www.tvnauheim.de/neue- termine-online-kurs/ anmelden. Das Angebot sei für Mitglieder kostenfrei. Rainer Beutel

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