Die Leitplanken entlang der Schillerbrücke verliehen der Straße "den Charakter einer Autobahn", sagt ein Anwohner, der sich von dem Lärm während des Berufsverkehrs gestört fühlt.	Foto: Rainer Beutel
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Die Leitplanken entlang der Schillerbrücke verliehen der Straße "den Charakter einer Autobahn", sagt ein Anwohner, der sich von dem Lärm während des Berufsverkehrs gestört fühlt. Foto: Rainer Beutel

Verkehr

Nauheim: Lärm an der Schillerstraße - Autofahrer „zum Rasen verführt“

  • vonRainer Beutel
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Anwohner klagen über Motorenlärm an der Schillerstraße. Die Arbeitsgruppe Verkehrssicherheit lehnt jedoch Tempo 30 ab. Sie setzt lieber auf häufigere Geschwindigkeitskontrollen.

Nauheim - Trotz der Klagen einiger Bewohner, die seit wenigen Jahren in der Nähe der Bahnüberführung wohnen, lehnen die Arbeitsgemeinschaft (AG) Verkehrssicherheit und Bürgermeister Jan Fischer (CDU), der kraft Amtes Chef der Straßenverkehrsbehörde ist, ein Anliegen lärmgeplagter Anlieger ab. Dass eine Geschwindigkeitsreduzierung angeordnet wird, scheint weitgehend ausgeschlossen.

Ein Bürger, der nach eigenen Angaben seit fünfeinhalb Jahren in dem Mehrfamiliengebäude auf dem ehemaligen Gelände der Firma Köstler wohnt, fühlt sich belästigt. Er betont, dass er auch für seine Nachbarn spreche. "Die Leute holen Schwung und sind gefühlt zu Beginn der Brücke bei 70", beschreibt der Mann die Umstände. Der Straßenverlauf mit einer leicht geschwungenen Kurve verführe zum Rasen. Die Leitplanken der Schillerbrücke verliehen der Straße "den Charakter einer Autobahn". Auch wenn dort wenig Unfälle passierten, sei es für die Anlieger "ein Lärmschutzthema". Zu gewissen Zeiten sei es möglich, im Sommer die Fenster aufzulassen. Sobald der Berufsverkehr einsetzt, werde es laut.

Bei einer Stippvisite bestätigt sich ein weiterer Eindruck, den der Betroffene darlegt. Die Lärmschutzwand auf der Schillerbrücke reflektiert das Geräusch der vorbeifahrenden Autos, so dass sich diese lauter anhören als sie offenbar sind. Selbst außerhalb der Stoßzeiten wirkt die Straße stark befahren. Allerdings gilt das Verkehrsaufkommen in der Rüsselsheimer Straße, der zweiten großen Ein- und Ausfallstraße in der Gemeinde, noch als deutlich höher. Kann also die Schillerstraße in die Tempo-30-Zone der Gemeinde einbezogen werden? Bernhard König, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht im Landkreis Groß-Gerau, sieht dafür keine Optionen. Selbst eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 40 bringe nicht viel. "Die zehn Stundenkilometer wird jeder Autofahrer weglächeln", sagt König. Für Tempo 30 sehe er "absolut keine Chance". Die baulichen Voraussetzungen seien nicht vorhanden. Es fehle an der verkehrsrechtlichen Begründbarkeit "und erst recht an der Akzeptanz".

Sein Vorschlag: "Man kann Tempo 50 allenfalls erzwingen durch häufigere Kontrollen." Einen Hoffnungsschimmer hat der Verkehrsexperte dann doch noch. Über ein Lärmschutzgutachten könnten Vorgaben für eine Geschwindigkeitsreduzierung erreicht werden, die von den baulichen Gegebenheiten gegeben seien.

Bürgermeister Jan Fischer sagt, "es gibt keinen Grund, dort zu schnell zu fahren". Es müsse jedem klar sein, dass nur 50 erlaubt sind. "Ein Lärmschutzgutachten würde ich aber mitnehmen", geht der Verwaltungschef auf einen möglichen Verhandlungsspielraum ein.

Mit Kontrollen einschreiten

Grundsätzlich bestätigte das Gemeindeoberhaupt die Angaben des Bürgers. Das hohe Verkehrsaufkommen sei ebenso bekannt wie der Umstand, dass dort 15 Prozent zu schnell fahren. Die Gemeinde könne durch regelmäßige Kontrollen einschreiten. Doch nicht nur in der Schillerstraße gebe es Probleme mit Temposündern. Der gemeinsame Ordnungsamtsbezirk wisse schon gar nicht mehr, wo er wegen des Individualverkehrs noch blitzen solle. Das Auffrischen der Tempo-50-Hinweise auf der Straße sei möglicherweise schon eine erste Hilfsmaßnahme.

In der AG wurde vorgeschlagen, einen sogenannten Starenkasten in der Schillerstraße aufzubauen, um Radarkontrollen zu ermöglichen. Fischer erinnert daran, dass es eine solche Einrichtung bis zum Bau des Mehrfamilienhauses auf dem früheren Köstler-Gelände gegeben hatte. Die "Blitzeranlage" sei allerdings damals mit Rücksicht auf den Investors demontiert worden. Rainer Beutel

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