Die Gemeinde will die Berzallee optisch verengen. Dort soll künftig maximal Tempo 30 gefahren werden.	Foto: Rainer Beutel
+
Die Gemeinde will die Berzallee optisch verengen. Dort soll künftig maximal Tempo 30 gefahren werden. Foto: Rainer Beutel

Nauheim Verkehr

"Es ist unerträglich, wie die rasen"

  • vonRainer Beutel
    schließen

Die Arbeitsgemeinschaft für Verkehrssicherheit plädiert für Tempo 30 auf der Berzallee. Das könnte mit einem sogenannten Fahrgassenversatz erreicht werden.

Nauheim -Auf der Berzallee soll entlang des Wohngebietes "Wolfsberg" künftig Tempo 30 gelten. Mit flankierenden Maßnahmen könnte die Geschwindigkeit von zu schnell fahrenden Autos verringert werden. Dafür spricht sich die Arbeitsgemeinschaft Verkehrssicherheit aus.

Auf der Strecke Richtung Regionalpark werde die derzeitige Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometer sehr häufig überschritten, klagen Anwohner. Durch den Skaterpark und die rege Nutzung von Freizeitgärten sei der Verkehr enorm gestiegen.

"Es ist wirklich manchmal unerträglich, wie die rasen. Zum Glück ist noch nichts passiert. Es sollten wenigstens Schilder hingestellt werden. Lediglich vorne am Kreisel gibt es einen Hinweis auf Tempo 50", beschrieb Anwohnerin Gabi Bender in der AG-Zusammenkunft die Situation. AG-Leiterin Petra Ziemainz wohnt ebenfalls in der Berzallee und bestätigte: "Im Hochsommer wird dort richtig hochgezogen. 50 ist ganz, ganz selten."

Im Namen "vieler weiterer Bürger"

Die Betroffenen, die ihre Beschwerde im Namen "vieler weiterer Bürger" (Bender) äußern, wären schon zufrieden, wenn die Verkehrsteilnehmer wenigstens Tempo 50 einhalten. Dass dies aufgrund des kerzengeraden Verlaufs der Straße kaum zu erwarten sei, verdeutlichten Bernhard König von der Kreisverkehrswacht und Bürgermeister Jan Fischer (CDU).

Daher verständigte sich die AG darauf, den östlichen Teil der Berzallee ähnlich zu gestalten wie den Abschnitt westlich des Kreisels. Die Berzallee sei daher in die Tempo-30-Zone einzubeziehen. Da aufgrund des geraden Ausbaus nicht davon auszugehen sei, dass dann auch 30 oder maximal 50 gefahren werde, müsse für einen sogenannten Fahrgassenversatz gesorgt werden, erklärte König.

Möglich sei das, in dem Parkbuchten auf der Straße aufgezeichnet werden. Autos könnten dann nicht nur auf einem Seitenstreifen abgestellt werden, sondern an der Fahrbahnseite. "Dadurch verschwindet der optische Durchsatz", so König. Es entstehe ein Begegnungsverkehr. Autofahrer müssten langsamer fahren und sich vergewissern, dass keiner entgegenkomme. Zus��tzlich könnten Bäume gesetzt werden.

König und Fischer sprachen sich ausdrücklich gegen Schwellen aus, weil durch das Abbremsen und erneute Beschleunigen neuer Lärm entstehe. Bevor extra Schilder aufgestellt werden dürfen, müssten "Fastunfälle passiert sein", sagte König. Solche Gefahrensituationen müssten bekannt sein und nachvollzogen werden können.

Der Einbezug in die in den meisten Nauheimer Straßen geltende Tempo-30-Regelung sei indes möglich, weil in der Berzallee keine gravierenden einschränkenden Bedingungen zu erkennen seien, wie sie in den dafür geltenden Leitlinien der Straßenverkehrsordnung definiert seien. Zum Beispiel gebe es keine Ampel. Die Gemeinde könne eine Verkehrsplanung veranlassen, die im Einvernehmen mit der Straßenverkehrsbehörde die von der AG empfohlenen Maßnahmen anordne, erklärte der Sprecher der Kreisverkehrswacht den weiteren Fortgang.

Gewisse Zweifel blieben bei den Anliegern dennoch. Gabi Bender äußerte Bedenken, dass die Anwohner nicht bereit seien, ihr Auto auf der Fahrbahn zu parken. "Uns wurde schon mal ein Auto kaputt gefahren", sagte sie. König sieht das anders. Wer von überregionalen Straßen auf eine Ortsstraße kommt, rechne heutzutage damit, deutlich abbremsen zu müssen. "Das Bewusstsein hat sich gewandelt. Die Unverbesserlichen fahren selbst im verkehrsberuhigten Bereich mit 80. Deshalb sind flankierenden Maßnahmen nötig", bekräftigte der Experte. (Von Rainer Beutel)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare