Säckeweise Müll: Erster Beigeordneter Hubert Deckert ist darüber alles andere als erfreut.
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Säckeweise Müll: Erster Beigeordneter Hubert Deckert ist darüber alles andere als erfreut.

Ordnung

Bürger verärgert über Schandflecken in Nauheim

Achtlos weggeschmissener Müll und Rostlauben verschandeln das Bild der Musikgemeinde. Doch dank des neuen Mängelmelders reagiert die Verwaltung schnell auf derartige Beschwerden.

Nauheim - Gemeindevertreter bringen ihre Klagen meist direkt beim Gemeindevorstand vor. So wie Cornelia Czernek von der FDP, die beobachtet hat, wie die Fußgänger- und Radfahrerunterführung als Abfahrtsrampe missbraucht werde. Bürger nutzen hingegen den Mängelmelder der Gemeinde. Und wenn dort etwas eingetragen wird, reagieren Verwaltung und Bauhof so schnell wie möglich - auch wenn es nicht immer so aussieht, wie jetzt im Fall eines Schrottwagens deutlich wurde.

Czernek kritisiert, dass sich in der Unterführung am Bahnhof nicht selten Kinder und Jugendliche tummeln, die dort mit E-Scootern die Rampe hinabsausen. Nach ihrem Dafürhalten seien die meisten für das Fahren mit einem Elektroroller noch zu jung, von den Gefährdungen für andere Passanten ganz abgesehen. "Die fahren ohne Kennzeichen, das ist eine Ordnungswidrigkeit", betont sie.

Ordnungsamt geht dem Schandfleck in Nauheim nach

Ihr Hinweis ließ sich bei mehreren Visiten an der Unterführung nicht bestätigen, was vielleicht an den Ferien liegen kann. An Ort und Stelle waren jeweils nur Radfahrer anzutreffen, die die Unterführung runter oder auf der anderen Seite der Bahnlinie wieder hochgefahren sind - mehr oder weniger zügig. Umlaufsperren am Ende der Passage bremsen dort das Tempo ohnehin ab.

Erster Beigeordneter Hubert Deckert (CDU) versichert, dass das Ordnungsamt einschreite. Allerdings müsse die zuständige Mitarbeiterin "zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein". Auch der freiwillige Polizeidienst könne ein Auge auf die Unterführung werfen, sagt der Erste Beigeordnete. Auf Deckerts Tisch - der eigentlich der Schreibtisch des Bürgermeisters ist, der jedoch in Urlaub weilt - landeten in jüngster Vergangenheit mehrere Beschwerden von Bürgern, die sich mittels des Mängelmelders oder am Telefon über alles Mögliche aufregen. Ein Dauerthema sei ein altes Auto gewesen, das augenscheinlich nicht mehr fahrtüchtig war und über Monate am Waldrand gegenüber der Kreuzung der Landesstraße 3482 und Schillerbrücke gestanden hatte.

Der optische Zustand des Wagens verschlimmerte sich wöchentlich. Doch seit wenigen Tagen ist er weg. Das Fahrzeug habe dort "seit einem Jahr" gestanden, "mitten im Eingang zu einem Landschaftsschutzgebiet". Es habe "keine Nummernschilder mehr und verliert Öl", lautete ein Eintrag im Mängelmelder, über den Bürger ihre Hinweise online (www.nauheim.de) an das Rathaus übermitteln können.

Kleine Missstände werden schnell behoben

Nun entstand der Eindruck, dass das Fahrzeug erst beseitigt wurde, als der Missstand im Mängelmelder publik gemacht wurde. Doch dem widerspricht Deckert. Das marode Fahrzeug sei der Gemeinde schon länger aufgefallen. Das Ordnungsamt sei der Sache nachgegangen und habe dank des Mainzer Kennzeichens, das zunächst noch vorhanden gewesen sei, den Halter ermittelt. Dieser sei aufgefordert worden, seine Karosse abzuholen. Als dies nicht geschah, sei ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden. Die Gemeinde habe das Auto nicht selbst abschleppen können, weil Fristen eingehalten werden mussten. Außerdem sei an der Stelle das Parken nicht untersagt. Nun aber sei der Schandfleck weg, versicherte Deckert. Wer dafür gesorgt habe, war ihm ohne Akteneinsicht allerdings unbekannt.

Auf kleine Makel kann die Gemeinde viel schneller reagieren. Das geht aus den Antworten des Rathauses im Mängelmelder hervor, wenn dort der Status "erledigt" zu sehen ist. Dort ist zum Beispiel von unansehnlichen Straßenmarkierungen, Holzresten der verwitterten Wildschweinskulpturen im Regionalpark, einem ungepflegten Grundstück und wild abgelagertem Müll an der Ecke Berzallee/Waldwiesengraben zu lesen.

Apropos Müll: Deckert handelt ohne zu zögern eigenmächtig, wenn ihm was auffällt. An der Georg-Schad-Halle entdeckte er am Mittwoch bei einem CDU-Ortstermin säckeweise Unrat neben Altkleidercontainern. "Das hört leider nie auf", bedauerte er die Verschmutzung und versicherte, dass der Dreck selbstverständlich rasch aufgeräumt werde. Das werde er veranlassen - ohne Garantie, dass sich das nicht wiederholt. Von Rainer Beutel

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