Die Entfernung zu den Partnergemeinden könnte - zumindest im Fall des französischen Orts Charvieu-Chavagneux - für einen regelmäßigen Austausch zu weit sein, findet Parlamentschef Johann Siegl.
+
Die Entfernung zu den Partnergemeinden könnte - zumindest im Fall des französischen Orts Charvieu-Chavagneux - für einen regelmäßigen Austausch zu weit sein, findet Parlamentschef Johann Siegl.

Partnerstädte

Nauheim: Hat die Verschwisterung noch Zukunft?

Nauheim: Die Kommission zur Verschwisterung soll bestehen bleiben. Aber auch neue Partnerstädte sind denkbar.

Nauheim - Mit einer Randbemerkung ließ Gemeindvertretervorsteher Johann Siegl (CDU) vor wenigen Tagen aufhorchen. Was wird aus der Verschwisterung? Braucht es noch eine Kommission, die sich um die Partnerschaften mit zwei Orten in Frankreich und den Niederlanden kümmert? Oder sollten besser neue Partnerschaften eingegangen werden? Auf seine Fragen haben potenzielle Adressaten bislang noch nicht reagiert. Grund genug, mal nachzuhaken, was genau der Parlamentschef meint.

Siegl begründet seine Ausführungen zunächst mit internen Gesprächen nach der Kommunalwahl. Ausnahmslos alle Parteien hätten sich für Erhalt, Förderung und Ausbau der Verschwisterungskommission ausgesprochen. "Es fehlt aktuell aber an Personen auf beiden Seiten, die das aktiv betreiben würden", betont er.

Nauheim: Manche Kontakte sind eingeschlafen

Die mit Nauheim seit den 1970er Jahren befreundeten Kommunen Born in der niederländischen Provinz Limburg und das französische Charvieu-Chavagneux nahe Lyon pflegten zur hiesigen Gemeinde "gänzlich unterschiedliche Bindungen". Das Bindeglied zu den Niederländern sei über Jahrzehnte der Breitensport gewesen. Als Beispiel nennt Siegl ein groß angelegtes "Spiel ohne Grenzen" 1985 im Nauheimer Sportpark. Noch 1995 sei ein weiteres großes Sportfest aufgezogen worden. Er selbst war damals Organisationschef.

"Den Gegenbesuch machte später eine kleine Delegation, die in drei Tagen mit dem Fahrrad von Nauheim nach Born zu deren Sportfest fuhr. Das Gepäck transportierte im Begleittross ein junger Mann namens Jan Fischer. Bedingt durch fehlenden Nachwuchs, der Eingemeindung von Born und damit fehlendem Interesse von kommunaler Seite, ist der Kontakt mittlerweile eingeschlafen" fasst Siegl die Entwicklung zusammen.

Nach Charvieu-Chavagneux seien es eher die privaten Kontakte sowie eine "formelle politische Schiene" gewesen, die die Partnerschaft geprägt hätten. Altersbedingt seien die privaten Kontakte zurückgegangen. Der mehr formelle Teil sei aufrechterhalten worden. Es fehle aber an Nachwuchs und dem Willen, gemeinsam etwas zu gestalten. Möglicherweise sei auch die Distanz von fast 700 Kilometern für regelmäßige Kontakte zu weit. Ob die Jumelage eine Zukunft habe, hänge damit zusammen, zu welchem Zweck diese betreiben werde. Ursprünglich sei es darum gegangen, "Hürden aus der Kriegszeit zu überwinden, Vorurteile abzubauen sowie Frieden und Verständnis zu schaffen". Doch die Interessen hätten sich verändert. "Friede wird als naturgegeben angesehen. Auslandsreisen sind dank Pauschaltourismus einfach und preiswert möglich", analysiert Siegl.

Nauheim: Distanzen gering halten

Jüngere Leute seien nicht mehr an den direkten privaten Kontakten interessiert. Sie suchten eher ein unverbindliches Miteinander. "Heute kann, wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht, jeder irgendwohin fliegen. Ob derjenige dann das Land und die Leute kennen und verstehen lernt, ist eine andere Frage", stellt der Erste Bürger der Gemeinde fest.

Die Wiederbelebung internationaler Kontakte sei durchaus wünschenswert. Ob dies gelinge, sei "stark von den führenden Protagonisten sowie ihren Partnern abhängig". Denkbar seien auch neue Bindungen, dies bedürfe einer gründlichen Analyse. Es gehe um eine verträgliche Entfernung für regelmäßige Kontakte, Sprachbarrieren und die jeweiligen Bedürfnisse der Kommunen und ihrer Bewohner. Es sei leicht, einen beliebten Fremdenverkehrsort als neues Ziel zu erklären. Ob die Gegenseite an Nauheim interessiert sei, wäre abzuklären, deutet Siegl neue, noch nicht konkretisierte Ideen für kommunale Partnerschaften an.

Bei der Suche nach geeigneten Partnern könnten bestehende private Kontakten helfen. Ebenso biete das Jumelagekomitee der EU-Kommission einen Katalog von potenziellen Orten. "Unsere regionalen EU-Abgeordneten sind ebenso zur Kontaktvermittlung geeignet, wie die Heimatorte der hier Ortsansässigen mögliche Ankerpunkte sein können. Bindungen und Verbindungen sind vorhanden und sicher ausbaufähig", blickt Siegl nach vorne.

Rainer Beutel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare