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Nicht noch mehr Verkehr, nicht noch ein großes Gewerbegebiet: Der Umweltausschuss spricht sich gegen Änderungen des Flächennutzungsplans aus.

Beschluss

Pläne für neues Gewerbegebiet abgelehnt

Nauheim soll keine neuen Wohn- und Gewerbegebiete ausweisen, sagt der zuständige Fachausschuss. Die Option wäre offen gewesen, wenn die Gemeinde einige infrage kommende Gebiete im neuen regionalen Flächennutzungsplan vorsorglich ausgewiesen hätte.

Nauheim - Ob die weiteren Wohn- und Gewerbegebiet je gebaut worden wären, wäre selbst dann fraglich gewesen, wenn die Kommune die Vermerke angefügt hätte. Mit einem Eintrag hätte zumindest die Chance bestanden, hieß es. Doch das Signal der Fraktionen ist eindeutig: Freie Flächen Richtung Trebur sollen ebenso unangetastet bleiben wie südlich des Wohngebietes „Im Teich“.

Es geht um mindestens 124 Hektar, davon allein in der Gemarkung „Sauunter/Auf dem Blech“ südlich des Teich-Gebietes 42 Hektar. Etwa genauso groß wären Gewerbeflächen zwischen dem Seichböhlgebiet und dem Standort des gescheiterten Geothermieprojekts. Dort hätte sich zumindest der Gemeindevorstand vorstellen können, neue Firmen anzusiedeln. Dazu wäre ein Vermerk in der für den regionalen Flächennutzungsplan notwendigen Stellungnahme der Gemeinde nötig gewesen.

Entgegen der Absprache

Bürgermeister Jan Fischer (CDU) verweist auf das Ziel des Landesentwicklungsplans, Flächen nicht durch viele kleine Gewerbegebiete zu zersiedeln, sondern eher ein großes auszuweisen. Der Gemeindevorstand habe darüber kontrovers diskutiert. In der Nähe des angedachten Geothermiestandorts hätten neue Gewerbeflächen umweltverträglich entwickelt werden können, gibt er zu bedenken.

„Wenn wir an der Fläche nicht festhalten, hat Nauheim nichts mehr. Ansonsten bleibt nur der Gewerbepark Süd“, sagt Fischer. Die Widerrede lässt im Ausschuss nicht auf sich warten. Reinhard Seiler, früherer Gemeindevertreter der Grünen und als Vorsitzender des BUND beratend anwesend, erinnert an das Mediationsverfahren zum Geothermieprojekt. Es sei klar gesagt worden, dass die planierten Flächen wieder landwirtschaftlich genutzt werden sollten, wenn das Projekt scheitere. „Es kann nicht sein, dass Absprachen nicht eingehalten werden und ein Gewerbegebiet entsteht, nur weil die Flächen jetzt versiegelt wurden“, betont er und kündigt an, eine Ausweisung für Gewerbe im Schulterschluss mit anderen Naturschutzverbänden verhindern zu wollen. Das Ausschussvotum ist ebenso deutlich wie für andere Gebiete: Einstimmig sind die Faktionen dagegen, wobei sich die SPD enthielt, weil die Themen noch fraktionsintern beraten werden sollten. Eher solle das Bestehende entwickelt werden, beispielsweise innerorts, rät Gabi Killian (Grüne). Zu befürchten sei, dass sich im Außenbereich große Logistikbetriebe wie in Groß-Gerau oder Geinsheim ansiedelten. Die Verkehrsbelastung sei jetzt schon schlimm.

Zu große Dimensionen

Gestoppt wurde die Ausweisung von neuen Wohnflächen im Osten. Fischer erkennt in der Abwägung gegenüber dem Regionalverband keine Chance, die Flächen hektarweise gegen vorhandene Konfliktpotenziale zu entwickeln. Außerdem seien die Vorhaben überdimensioniert. „Mit 11 000 Einwohner ist Nauheim ganz zufrieden. Die Hürden mit Lärm- und Naturschutz sind so hoch, es macht keinen Sinn, sie einzureißen“, sagt der Bürgermeister.

Einem Waldkindergarten hinter dem Culinarium scheinen die Fraktionen nicht abgeneigt. Durch den Eintrag „kommunale Nutzung“ wäre so etwas denkbar. Auch die Option, den Bauhof in die Nachbarschaft der Kläranlage auf gemeindeeigenes und bislang ungenutztes Gebiet zu verlagern, wurde akzeptiert. Unangetastet bleibe hingegen das „Gartenfeld“, wo der Geflügel- und Vogelzüchterverein und der Obst- und Gartenbauverein ihre Domizile haben. In der Königstädter Straße soll ein an Wohnhäuser angrenzendes Grundstück ebenfalls mit Wohnungen zu bebauen sein, nicht aber der gesamte Waldabschnitt bis zum Ortsrand, lautet ein extra Beschluss. Das letzte Wort spricht die Gemeindevertretung am 11. April.

VON RAINER BEUTEL

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