Geprüft und für gut befunden: VdK-Vorsitzende Brigitte Breckheimer (rechts) und ihre Stellvertreterin Christa Rotzal testen unter den Blicken des Bürgermeisters den Rathausaufzug. Foto: Rainer Beutel
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Geprüft und für gut befunden: VdK-Vorsitzende Brigitte Breckheimer (rechts) und ihre Stellvertreterin Christa Rotzal testen unter den Blicken des Bürgermeisters den Rathausaufzug. Foto: Rainer Beutel

Barrierefrei

Nauheim: Nach zwölf Jahren fährt der Aufzug

  • vonRainer Beutel
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Der VdK-Ortsverband begutachtet den neuen Lift im Rathaus. Als nächstes sollen die Toiletten barrierefrei umgebaut werden, verrät Bürgermeister Jan Fischer.

Nauheim - Nach Inbetriebnahme und Einweihung des Aufzugs im Rathaus richtet sich der Blick nach vorne: "Als nächstes sind die Toiletten dran", sagt Bürgermeister Jan Fischer zu den Plänen, das Rathaus barrierefrei zugänglich zu machen.

Rund zwölf Jahre mussten die Nauheimer warten und der VdK-Ortsverband drängen, bis der Aufzug gebaut wurde. Mittlerweile funktioniert der Lift, dessen Technik innerhalb weniger Wochen betriebsbereit war. Verzögert hatte sich alles, weil sich nach Idee, Planung und Ausschreibung vor zehn Jahren herausgestellt hatte, dass es sich "um eine Fehlplanung handelte", wie Fischer am Montag in kleiner Runde im Beisein von Verwaltungsangestellten und VdK-Vorstandsmitgliedern bestätigte.

Die juristische Auseinandersetzung mit dem Planer sei noch immer nicht ausgestanden, fügte er auf Anfrage hinzu. Es gebe noch Meinungsverschiedenheiten, welche Leistungen zu bezahlen sind. "Möglicherweise läuft es auf einen Vergleich hinaus", wagte der Verwaltungschef eine Prognose.

Für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer

Mit dem nun funktionsfähigen Aufzug gelangen Besucher, denen die Treppe zum Foyer vor dem Bürgerbüro zu mühsam ist, ins Rathaus. Dass es noch einen barrierefreien Hintereingang gibt, war beinahe in Vergessenheit geraten. Mit dem Aufzug könnten nun aber auch Behinderte oder Rollstuhlfahrer den direkten Weg nehmen. Allerdings sei der Lift nicht breit genug für einen Zwillingskinderwagen, war zu erfahren.

Es sei ein "Einbau im Bestand" gewesen, verdeutlichte Fischer ein Problem, das auch für künftige Vorhaben relevant sein könnte. Denn als nächstes sollen die Rathaustoiletten barrierefrei gestaltet werden. Wann das Vorhaben beginnt und vor allem, wie lang es dauert, blieb am Montag offen. Auch über mögliche Kosten gibt es noch keine Vorstellungen. Den genauen Preis des Aufzugs nannte der Bürgermeister nicht. Er sprach von "fünfstelligen Kosten" für ein Modell, das es in dieser Form vor zehn bis zwölf Jahren noch gar nicht gegeben habe. Damals sei die Gemeinde von mehr als 100 000 Euro ausgegangen.

Bei der Planung von neuen Gebäuden verringerten sich Aufwand und Preis. Das deute sich bei der geplanten Erweiterung des Sportkindergartens an, wo es ebenfalls einen barrierefreien Zugang mittels Aufzug geben werde. Teuer seien stets Umbauten, so auch der geplante Bau barrierefreier Bushaltestellen. Für die Haltestellen in der Waldstraße und am Friedhof habe die Kommune jetzt den Förderbescheid des Landes bekommen, der sich auf rund 400 000 Euro belaufe. Die Gesamtkosten würden bei rund 600 000 Euro liegen. VdK-Vorsitzende Brigitte Breckheimer begrüßt solche Investitionen ausdrücklich. Doch genaugenommen werde noch zu wenig für Behinderte getan, sagte sie bei der Vorstellung des Aufzugs. "Wir müssen jetzt dran bleiben", forderte sie dringend weitere Maßnahmen. Auf einer Testroute vom Bahnhof bis ins Atrium habe sie "etliche Hindernisse" für Menschen mit Einschränkungen festgestellt. "Die müssen peu à peu beseitigt werden", verlangte sie.

"Jeder könnte betroffen sein"

Der VdK biete seine Hilfe bei Planungen an und sei in dieser Funktion auch deutschlandweit anerkannt. Das zeige der Zulauf an Mitgliedern. Jeder Mensch könne urplötzlich in eine Situation kommen, die eine Behinderung nach sich zieht - "auch Jüngere", wie Breckheimer, ihre Stellvertreterin Christa Rotzal und der Bürgermeister unisono betonten. 2017 lebten nach Breckheimers Angaben bereits 1838 Menschen mit Behinderung in Nauheim.

Der Aufzug läuft, aber im Rathausfoyer seien nun noch einige kosmetische Arbeiten zu erledigen, berichtete Fischer abschließend. Dies übernehme der Bauhof, der auch gemeinsam mit einer Fachfirma den Lift eingebaut hatte. Gewartet werde die Anlage von einem Fachbetrieb. Rainer Beutel

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