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Bernhard König von der Kreisverkehrswacht trägt lieber eine Warnweste, wenn er die Königstädter Straße überquert.

Trotz Rasern

Ampel am Nauheimer Friedhof wird immer unwahrscheinlicher

Geschwindigkeitsmessungen am Friedhof haben ergeben, dass dort unter anderem ein Auto mit 171 Kilometer pro Stunde vorbeigerauscht sein soll. Dennoch scheint der Bau einer Fußgängerampel immer unwahrscheinlicher zu werden.

Nauheim - Bislang haben vor allem die Kommunalpolitiker das Für und Wider einer Bedarfsampel am Friedhof diskutiert. Bei der letzten Sitzung des Arbeitskreises Verkehrssicherheit wurden am Donnerstag Messdaten vorgelegt, die Bürgermeister Jan Fischer (CDU) in seiner Funktion als Straßenverkehrsbehörde bestärken, keine Lichtzeichenanlage zu bauen.

Mit einem Seitenmess-Radargerät habe die Gemeinde drei Wochen lang kontrolliert, wie viele Fahrzeuge über die Königstädter Straße den Friedhof passieren und wie schnell sie dabei sind. Dies hatte rein statistischen Wert und diente nicht dazu, die Kontrollen fahrzeugbezogen auszuwerten und Bußgelder zu verhängen.

Extremsünder rast mit 171 Stundenkilometern am Nauheimer Friedhof vorbei

Registriert wurden innerhalb von drei Wochen 83 298 Fahrzeuge in beiden Fahrtrichtungen. Ein Extremsünder, der mit 171 Kilometer pro Stunde gefahren sein soll – es könnte auch ein Messfehler gewesen sein, hieß es einschränkend – habe das Durchschnittstempo zwar nach oben getrieben. Unterm Strich überschritten aber auch 82,8 Prozent der Fahrzeuge das erlaubte Tempo von 50 Kilometern pro Stunde. De facto seien im Schnitt 58 Kilometer pro Stunde gefahren worden. 15 Prozent seien mit 68 Kilometern pro Stunde und mehr gemessen worden.

Fehlende Grundlage für eine Fußgängerampel am Nauheimer Friedhof

Diese Daten dienten nun als Grundlage, um sich auf eine bundesweit empfohlene „Richtlinie für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen“ zu berufen. Darin wird nahegelegt, das Verkehrsaufkommen statistisch zu erheben. Nicht gezählt worden seien die Fußgänger in Höhe des Friedhofs. Deren Menge sei zu vernachlässigen, hieß es im Arbeitskreis. Bei den Fahrzeugen sei „nur in kleinen Zeitfenstern“ ein Spitzenwert von 450 bis 600 Fahrzeuge pro Stunde gemessen worden.

Daraus seien Schlüsse zu ziehen, erklärten Mitarbeiter der Verwaltung und der Bürgermeister. Bei weniger als 450 Fahrzeugen und einer geringen Zahl von Fußgängern bestehe keine gesetzliche Grundlage, dort eine Ampel zu installieren, um das Überqueren der Straße sicherer zu machen.

Statt einer Fußgängerampel am Nauheimer Friedhof sollen Autos durch Verkehrsinsel ausgebremst werden

Bei geringem Verkehrsaufkommen es für Fußgänger reizvoll, bei Rot die Straße zu überschreiten. „Die gucken, sehen es kommt nichts und laufen einfach drüber“, hieß es. Was also sei zu tun? Die Richtlinie empfehle, einen sogenannten Fahrbahnteiler als Querungshilfe zu bauen und regelmäßig die Geschwindigkeit zu kontrollieren.

Bürgermeister Fischer wolle dafür sorgen, dass beim ausstehenden barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen in der Königstädter Straße diese „als Teil der Straße eingerückt“ werde. Dadurch werde der fließende Verkehr abgebremst. Dazu komme dann eine Mittelinsel, die den notwendigen Schutz für Fußgänger schaffen soll, eventuell kombiniert mit einer dauerhaften Blitzer-Säule. Im Haushalt stünden die Mittel für die notwendigen Bauarbeiten bereit. Klar sei, so Fischer, dass eine Baustellenampel – auch nicht als Provisorium – keine Sicherheit für Fußgänger biete.

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