Auf dem Podium zum Auftakt des Kultursommers entwickeln Rapper Saikatsu, Silke Schneider vom Musikverein, Moderator Michael schneider, Joyride-Bandmitglieder Anna Spahn und Yuki (von links) sowie Fabia Hofmann (nicht auf dem Bild) Ideen, wie sich die Musikgemeinde zu einer "Music-Community" entwickeln könnte. FOTO: RAINER BEUTEL
+
Auf dem Podium zum Auftakt des Kultursommers entwickeln Rapper Saikatsu, Silke Schneider vom Musikverein, Moderator Michael schneider, Joyride-Bandmitglieder Anna Spahn und Yuki (von links) sowie Fabia Hofmann (nicht auf dem Bild) Ideen, wie sich die Musikgemeinde zu einer "Music-Community" entwickeln könnte.

Kultursommer

Neue Impulse für die Musikgemeinde

"Musikgemeinde" ist out, "Music-Community" ist in: Junge Menschen überlegen, welche Schwerpunkte sie in Nauheim setzen können.

Nauheim -In der ersten Veranstaltung des Nauheimer Kultursommers sind am Samstag neue Impulse für die Musikgemeinde vorgetragen worden. Es sei an der Zeit, für ein neues Image zu sorgen und sich von überholten Gewohnheiten zu trennen, lautet die Botschaft einer Podiumsdiskussion.

Der Kultursommer wurde als neue Veranstaltungsform nach der Hochinzidenzzeit der Corona-Pandemie entwickelt. Die Initiative geht von der Gemeinde und örtlichen Vereinen aus. Ausgangspunkt ist eine Bühne auf dem Areal des Geflügel- und Vogelzuchtvereins, wo demnächst weitere Veranstaltungen folgen. Integriert in den Auftakt war am Samstagabend die Geburtstagsfeier der Wild Boys mit Konzert der Band MGNTS und einer Show von Bauchredner Markus Wissel. Der Footballverein blickt heuer auf sein 30-jähriges Bestehen zurück. Die Fete lockte viele Besucher der mittleren Generation an. Das wirkte sich auf die Zusammensetzung eines Podiums aus, das der Frage nachging, was sich Musiker in Nauheim wünschten. Zu Wort kamen junge Menschen, die sonst kein Gehör finden, wenn in Gremien oder Vereinsrunden über künftige Projekte gesprochen wird.

Weiterhin ein großes Potenzial

Als äußerlicher Rahmen wählte Mitveranstalter und SPD-Gemeindevertreter Michael Schneider den Namen "Nauheim Music Lounge". Schon früh kristallisierte sich heraus, dass die Bezeichnung "Musikgemeinde" überholt ist. Und zwar nicht nur, weil bis auf einzelne Produktionsstätten ein Großteil von der nach dem Zweiten Weltkrieg in Nauheim sesshaft gewordenen Musikindustrie die meisten Betriebe nicht mehr existieren beziehungsweise abgewandert sind und sich die Zahl der örtlichen Orchester spürbar verringert hat. Die Podiumsteilnehmer kamen überein, dass im Ort weiterhin ein großes musikalisches Potenzial bestehe, sich dieses nur moderner äußere und anders als früher gefördert und wahrgenommen werden müsse.

In dieser "Music-Community", wie es als Alternative zur Bezeichnung "Musikgemeinde" hieß, gehe es unter anderem um strukturelle Änderungen. Hatten früher kleine, junge Bands das Problem, einen Proberaum zu finden, leide darunter mittlerweile sogar der renommierte, 1950 gegründete Musikverein, wie Vorsitzende Silke Schneider bekannte.

Dass Corona mangels kultureller Veranstaltungen die musikalische Entfaltung in Nauheim zusätzlich gebremst habe, war Konsens. Ein junger Mann, der sich auf dem Podium mit seinem Künstlernamen Yoki als Bandmitglied der Gruppe Joyride vorstellte, fasste zusammen: "Wir haben geblutet." Fabian Hofmann vom SKV-Orchester bedauerte die fehlende Vernetzung. Moderator Michael Schneider bestätigte das Dilemma mit seiner Kenntnis von Anfragen nach dem Motto "Kennt jemand einen Klavierlehrer?" - in einer Kommune, in der es früher zig Musiklehrer und bis zu einem Dutzend private sowie eine kommunale Musikschule gegeben hatte.

"Wir sind auch für Junge da"

"Musikgemeinde - das trifft es nicht mehr, das stammt aus meiner Zeit", zog Silke Schneider einen Schlussstrich. In einer neuen "Music-Community" sei es sinnvoll, zu sammeln, wohin die Reise gehen könne. "Wir müssen zeigen, hier gibt es was, wir sind auch für Junge da", forderte Rapper und Hip-Hopper "Saikatsu" von der Politik. Während Yuki es begrüßen würde, wenn Veranstaltungen wie der Skaterwettkampf "Brettbewerb" mit "cooler Musik" bereichert und "Sport mit Musik stärker verknüpft werden", regte Anna Spahn (Band Joyride) einen Austausch der Generationen an. Jüngere könnten von Älteren lernen.

Fabian Hofmann wünscht sich, dass junge Musiker bereits in Schulen abgeholt würden. Saikatsu sieht Chancen, dass es in Sommercamps Instrumentenunterricht gebe - verbunden mit Geselligkeit am Lagerfeuer, wie Anna Spahn anfügte. Flächen am Hegbachsee oder im Regionalpark böten sich als neue Auftrittsorte an, weil niemand gestört werde. Die Konzertreihe "Live im Hof" sei toll und erfolgreich gewesen, habe sich aber vielleicht überholt, merkte Silke Schneider an, bevor sie ergänzte: "Wir dürfen nie aufgeben."

Rainer Beutel

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare