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Andrés Kamilo Peña Ramirez und Nadin Knebel absolvieren in den Kitas der Gemeinde eine Praxisintergrierte Ausbildung zum Erzieher.

Betreuung

Nur positive Erfahrungen gesammelt

Seit Anfang August bietet die Gemeinde eine Praxisintegrierte Ausbildung für Erzieher an. Das Konzept kommt gut an.

Nauheim -In Nauheim haben sich drei Frauen und ein Mann, für eine "Praxisintegrierte Ausbildung" (PiA) entschieden, um nach drei Jahren als Erzieher zu arbeiten. Die für die Kommune neue Ausbildungsform bringt den Beteiligten Vorteile.

Geschätzt wird nicht nur die verkürzte Ausbildungszeit gegenüber dem klassischen Berufsweg. Als wesentlicher Vorteil der PiA gilt die Möglichkeit, erlerntes Wissen im Alltag sofort umsetzen zu können. Das verdeutlichen Andrés Kamilo Peña Ramirez und Nadin Knebel, die ihre Ausbildung in den Kitas Schillerstraße und Schwanenstraße absolvieren.

Der 24 Jahre alte Peña stammt aus Kolumbien. Er lebt seit rund zweieinhalb Jahren in Deutschland, wohnt in Nauheim und hat bei der Jugendpflege der Gemeinde ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) geleistet. Dass es in der Kommune nun die PiA gibt, habe seine Entscheidung extrem erleichtert, künftig als Erzieher zu arbeiten.

Kooperation mit Heisenberg-Schule

Er sei nach Deutschland gekommen, erklärt er, "um etwas zu lernen oder zu studieren". Während seines FSJ habe er gemerkt, wie sehr im soziale Arbeit und der Kontakt mit jungen Menschen liege. Dass er schon bald wieder in seine Heimat zurückkehre, sei keine Option gewesen. "Ich lerne doch diese komplexe Sprache nicht nur für ein Jahr", sagt er in bestem Deutsch und fügt an: "Ich will hier Kompetenzen entwickeln."

Möglich wird das seit dem 1. August für ihn, Nadine Knebel sowie für Annika Rühle (Kita Ochsengrund) und Irem Ertop (Kita Neckarstraße) durch die Kooperation der Gemeinde mit der Fachschule für Sozialwesen, Fachrichtung Sozialpädagogik, der Rüsselsheimer Werner-Heisenberg-Schule. Die Auszubildenden sind sie an zwei bis drei Tagen in der Woche praktisch in ihrer jeweiligen Kita tätig. An den übrigen Wochentagen steht theoretischer Unterricht an der Schule auf dem Programm. Um eine Praxisintegrierte Ausbildung zu absolvieren, sind berufliche Vorkenntnisse nötig. Der übliche Ausbildungsweg dauert mit Berufspraktikum gewöhnlich ein Jahr länger. Weil die Arbeit während der PiA bezahlt wird, heißt der Ausbildungsweg auch "Praxisintegrierte vergütete Ausbildung".

Nadin Knebel gibt zu, dass die Vergütung für sie auch ein Grund gewesen sei, diesen Berufsweg einzuschlagen. Sie ist 41 Jahre alt und Mutter eines vierjährigen Sohnes, habe einen Haushalt zu führen und müsse wie jeder andere über die Runden kommen.

Gelerntes gleich umsetzen

Schon nach der Mittleren Reife habe sie Erzieherin werden wollen. Das damalige Ausbildungsmodell sei für sie nicht in Frage gekommen. Mehrere Jahre ohne Einkommen? Das hätte sich die früher als selbstständige Yoga-Lehrerin tätige Knebel nicht leisten können. Die Bezahlung spiele für sie und Peña allerdings keine Hauptrolle. Die beiden beschreiben als wesentlichen Vorteil der PiA, dass sie die in der Schule erworbenen theoretischen Kenntnisse unmittelbar in ihrer Einrichtung umsetzen könnten. Knebel schwärmt vom regen Austausch mit etablierten Erzieherinnen, wenn es um Fachbegriffe wie Diversität gehe, über die an der Fachschule doziert werde und die sie in ihrer Kita einbringen könne.

Peña sieht sich als spontanen Menschen, der auch mal improvisiert. "Ich greife zur Gitarre und spiele Lieder", sagt er. Selbst U3-Kinder zeigten daran viel Interesse. Spontanität sei wichtig, das lehre die Schule. Wenn etwas nicht gleich angewendet werde, gehe es bei einer langen Ausbildungszeit leicht vergessen, befürchtet er. Knebel freut sich, dass ein Austausch ebenso in umgekehrter Richtung möglich sei. Was sie heute bei der Kinderbetreuung erlebe, könne sie am nächsten Tag in der Schule mit einer Lehrkraft theoretisch analysieren. "Ich glaube, man ist näher dran", betont sie die Vorzüge.

Ein Zuckerschlecken sei die Ausbildung jedoch nicht, da sind sich die beiden einig. "Niemand bekommt was geschenkt", sagen sie wie aus einem Munde. Doch die Anstrengung lohne sich. Beide betonen, dass sie den Umgang mit Kindern lieben und sie darin aufgingen. Rainer Beutel

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