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Vermüllt ist der Waldwiesengraben allemal. Ob der starke Bewuchs die Fließgeschwindigkeit von Wasser beeinträchtigt, bleibt offen.

Schlechter Zustand

Im Waldwiesengraben sammelt sich Müll und Gestrüpp breitet sich aus

Im Südwesten hui, im Nordosten pfui: Der Zustand des Waldwiesengrabens lässt stellenweise zu wünschen übrig. Die Gemeindeverwaltung signalisiert jedoch, dass es keinen Handlungsbedarf gebe.

In der Südgemarkung sieht der Waldwiesengraben gepflegt aus. Nach dem Sturm im September 2018 mussten dort entwurzelte Bäume und zerfetztes Gestrüpp beseitigt werden. Entlang der Wohngebiete „Wolfsberg“ und „Teich“, also etwas weiter nördlich, erinnert das alte Entwässerungssystem jedoch eher an einen Müllplatz.

Ob der Graben seiner ursprünglichen Aufgabe noch gerecht wird, können Laien kaum beurteilen. Anwohner und Spaziergänger schütteln indes den Kopf. „Warum wird hier nicht mal sauber gemacht?“, wundert sich eine Frau, die dort ihrem Hund Auslauf gönnt. Sie ärgere nicht das wild wuchernde Gebüsch, sondern der Müll, der sich dort über Jahre angesammelt habe. Ein Anlieger bestätigt den Eindruck: „Hier passiert nichts“, winkt er ab und geht.

Nicht alles bereinigt

Von kleineren Schandflecken wie achtlos weggeworfenen Getränkedosen und Plastiktüten bis hin zu größeren Umweltfreveln wie alten Autoreifen findet sich alle paar Meter etwas. Der Unrat spielte bei den jüngsten Ausschussberatungen allerdings keine Rolle. Die FLN-Fraktion mahnte aber an, dass der Waldwiesengraben und der darauf etwa im 90-Grad-Winkel zulaufende Graben A „auf dem Gebiet der Gemeinde“, also auch im Nordosten, von üppigem Bewuchs gereinigt werden müsse. Denn das Wasser fließe vom Graben A gar nicht mehr in den Waldwiesengraben ab und das Geländeniveau stimme nicht.

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Müll.Bürgermeister Jan Fischer (CDU) macht sich eine Stellungnahme seines Umweltamts zu eigen, um die FLN-Kritik zu entkräften. Der Bauhof habe Sohle und Böschung des Grabens voriges Jahr gemulcht. Das geschah nach dem Sturm im Oktober und November. Allerdings sei der vorhandene Bewuchs nicht vollständig entfernt worden, weil es sich um eine natürliche Entwässerungsrinne handele, sagt Fischer. Das sei nicht nur aus ökologischen Gründen mit Rücksicht auf naturschutzrechtliche Belange unterlassen worden. Es gebe zudem Stellen, die mit den Maschinen nicht zu erreichen seien. Damit bezieht sich Fischer auf den im Süden der Gemarkung liegenden Teil des Waldwiesengrabens, der weiter westlich in den Schwarzbach mündet.

„Hier bei uns ist schon lange nichts mehr passiert“, stellt die Hundehalterin mit Blick auf die Altreifen fest, die im Waldwiesengraben etwa 500 Meter weiter nördlich am Ende der Berzallee unter einer Brücke verrotten. Laut Umweltamt sei es „zurzeit nicht nötig“, den Waldwiesengraben auszugleichen. Das Abflussvermögen sei „heute durchgängig höher einzuordnen als noch vor knapp 25 Jahren“. Der Hinweis auf „heute“ bezieht sich allerdings laut der vorliegenden Unterlagen auf mittlerweile 14 Jahre alte Daten. Die werden von der Gemeinde mit Ausgangswerten von 1981 verglichen.

Funktion gegeben

Der zumindest optisch fragwürdige Zustand des Waldwiesengrabens, speziell im Nordosten, wird vom Umweltamt nicht thematisiert. Die Entwässerungsfunktion sei nicht beeinträchtigt, heißt es vielmehr. Vor elf Jahren sei der Graben von der Bahnlinie bis zur Einmündung in den Schwarzbach auf einer Strecke von 525 Metern für 10 000 Euro geräumt worden. Besser fließe das Wasser seitdem nicht ab. Eher drücke es sich vom Schwarzbach ungehindert in den Waldwiesengraben. Diese Darstellung des Zustands betrifft erneut den Südwesten. In den Wohngebieten „Wolfsberg“ und „Teich“ im Nordosten wurde der Graben damals nicht grundlegend angetastet.

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Über die Fließrichtung des Grabens A müsse sich im Übrigen niemand sorgen, stellt das Umweltamt ergänzend fest. Das Gegengefälle zum Waldwiesengraben sei bekannt. Der Graben habe einen Überlaufschacht mit Pumpen. Dort werde Wasser abgepumpt und über die Ringleitung der Pumpengalerie zum Schwarzbach befördert. Im Fachausschuss verständigten sich die Fraktionen darauf, sich die Situation vor Ort einmal genauer anzuschauen.

von RAINER BEUTEL

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