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Vorfahrt für Busse: Ist am Friedhof die Haltestelle barrierefrei ausgebaut, können Auto- und Radfahrer nicht mehr vorbei, weil auf der Königstädter Straße eine Mittelinsel gebaut wird und eine Mehrzweckspur für Radler unterbrochen wird.

Verkehr

Radler sollen auf Straße ausweichen

Die Grünen sehen eine Gefährdung der Radfahrer, sollte die Bushaltestelle am Friedhof nach dem aktuellen Plan umgebaut werden. Endet die Mehrzweckspur, müssten sie auf der Straße fahren.

Nauheim – Drei Bushaltestellen sollen von März nächsten Jahres an barrierefrei umgebaut werden. In der Königstädter Straße ist in Höhe des Friedhofs eine Planung maßgeblich, für die es im August 2019 keine politische Mehrheit gab. Radfahrer müssten deshalb künftig auf die Straße ausweichen.

Die Auftragsvergabe ist für Mittwoch, 21. Oktober, im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt terminiert (19.30 Uhr im Saalbau). Danach stehen die Kosten fest. Im Mai 2019 war von knapp einer halben Million Euro die Rede. Gleichzeitig wurden Zuschüsse bis zu 80 Prozent beantragt. Inzwischen hat das Land Hessen rund 420 000 Euro Fördermittel für Infrastrukturmaßnahmen für barrierefreie Haltestellen in der Wald- und in der Königstädter Straße am Friedhof bewilligt.

Der Umbau am Friedhof wurde voriges Jahr massiv kritisiert und abgelehnt. Radfahrer, die von Königstädten nach Nauheim unterwegs sind, sollen demzufolge von einer für sie relativ sicheren und plötzlich endenden Mehrzweckspur auf die Straße schwenken, um sich wie ein Kraftfahrzeug hinter einem wartenden Bus an einer neuen Mittelinsel einzusortieren. Die neue Bushaltestelle verhindere, dass der Mehrzweckstreifen durchgängig benutzbar sei, erklärte seinerzeit Planer Ulrich Holtkötter. Sprecher aller Fraktionen bezeichneten dies als "äußerst gefährlich" und forderten im Mai 2019 eine neue Variante.

Die lag im August vorigen Jahres vor. Sie enthielt einen sogenannten "Bypass". Über einen kleinen Umweg könnten Radfahrer einen wartenden Bus umfahren, lautete der Vorschlag. Doch bei der Abstimmung ergab sich ein Patt, weil sich Hildegard Neis (SPD) eines Votums enthielt. Das Planungsbüro wurde daraufhin vom Gemeindevorstand beauftragt, die alte Variante ohne extra Spur für Radler auszuarbeiten.

"Sicherheit wird zurückgestellt"

Die Sachlage wird von der Fraktion der Grünen ausdrücklich bedauert. "Uns als Fraktion erschreckt, dass die Sicherheit von Radfahrern wieder gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern zurückstehen soll", betont Fraktionschef Marco Müller auf Anfrage. Für eine bessere Planung sei genügend Zeit gewesen, weil die Gesamtplanung wegen einer Querungshilfe ohnehin länger gedauert habe.

Entscheidend sei also die Enthaltung. Das Abstimmungsverhalten dürfe "sehr wohl hinterfragt werden", so Müller. Durch die gewählte Variante entstehe "ein erhebliches Gefährdungspotential für Radfahrer". Wenn diese von der Mehrzweckspur auf die Fahrbahn und schließlich in eine Engstelle geleitet würden, bestehe "immer das Risiko einer Kollision mit einem von hinten kommenden Fahrzeug".

Bürgermeister Jan Fischer (CDU) findet, eine Umfahrung sei nicht sicherer. Fahrradfahrer seien Teil des öffentlichen Verkehrs. Sie müssten mit der Situation wie alle anderen zurechtkommen. Die Gemeinde wolle gezielt eine Straßenverengung, argumentierte der Verwaltungschef voriges Jahr. Die Grünen erkennen indes einen "erheblichen Nachbesserungsbedarf". Künftig müsse sich die Gemeinde bei der Planung weiterer Umbauten mit dem Arbeitskreis Verkehrssicherheit und dem ADFC abstimmen, um keine weiteren Risikopotenziale zu schaffen, fordert Müller.

Wie geht es weiter? Zunächst werde die Bushaltestelle in der Waldstraße und anschließend die beiden Haltestellen in der Königstädter Straße barrierefrei ausgebaut, erklärt Pressesprecherin Sophie Lukas das geplante Vorgehen. Mit einem Baubeginn sei im März nächsten Jahres zu rechnen. Vorgesehen sei eine neue Zufahrt zum Friedhof und ein Versatz der bisherigen Haltestelle auf der westlichen Seite der Königstädter Straße um rund 50 Meter nach Süden. Um Ein- und Ausstieg zu erleichtern, würden die Zugänge zu den Bussen um 22 Zentimeter erhöht. Außerdem gebe es eine Mittelinsel, einen neuen Fußweg zum Friedhof sowie taktile Bodenindikatoren als Orientierung für Sehschwache oder Blinde. In der Waldstraße werde zusätzlich der Gehweg von der Heinrich-Heine-Straße bis zur Rüsselsheimer Straße verbreitert. Rainer Beutel

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