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Ein Wohnbauverdichtung gibt es in der Gemeinde zurzeit in der Graslitzer Straße, allerdings nur für Eigenheimbesitzer. Der Mietwohnungsmarkt ist und bleibt offenbar angespannt.

Wohnen

„Zuzug aus dem Umland ist enorm“

  • vonRainer Beutel
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Die Nachfrage nach Baugrund und Mietwohnungen bleibt auch in der Musikgemeinde Nauheim ungebrochen hoch - trotz Nachverdichtung. Das bestätigte auch Immobilienmakler Thomas Kreuz.

Nauheim -Wohnungssuchende stöhnen, Makler können es nur bestätigen, und eine spontane Recherche auf einschlägigen Anzeigenplattformen beweist es: Eine Mietwohnung in der Gemeinde zu finden, ist schwierig. Die Gemeindevertretung hat diese Einschätzung jetzt schwarz auf weiß erhalten. Immobilienmakler Thomas Kreuz geht nicht davon aus, dass sich an der Situation bald etwas ändert.

Lediglich der Kauf von Häusern, Doppelhaushälften oder Eigentumswohnungen scheint derzeit in Nauheim möglich, beschränkt sich aber auf einzelne Angebote. Dabei werden in jüngerer Vergangenheit vor allem Gewerbeflächen zu Wohnquartieren umgewandelt. Darunter das frühere Gelände des Musikinstrumentenherstellers Keilwerth in der Königstädter Straße, Betriebsflächen der Firma Blumen-Bärsch in der Waldstraße und - gerade im Entstehen - das Areal der bislang in Nauheim ansässigen Instrumentenkofferproduzenten Winter in der Graslitzer Straße.

Nicht zu vergessen der mit rund 50 Wohneinheiten bebaute Schillerplatz. Darüber hinaus werden zurzeit neue Wohngebäude in der Straße Unter der Muschel und in der Weingartenstraße errichtet.

Preise steigen seit Jahren

Die Preise für Immobilien steigen seit Jahren, die Mieten nicht minder. Kaltmieten für eine Zweizimmerwohnung in Nauheim liegen, je nach Größe, selten unter 600 Euro. Angebote sind rar, der spärliche Anzeigenmarkt unterstreicht das.

„Der aktuelle Wohnungsmarkt ist angespannt. Aufgrund der Siedlungsbeschränkung ist es nicht möglich, die Wohnungsmarktentwicklung positiv zu beeinflussen. Neue Wohnungen entstehen derzeit in geringem Umfang durch Nachverdichtungen“, heißt es in einer aktuellen Einschätzung der Lage von Katrin Feldhausen, Leiterin des Fachdienstes „Bauen, Liegenschaften und Umwelt“ im Rathaus.

Immobilienmakler Thomas Kreuz bestätigt: „Die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot.“ Auf ein annonciertes kleines Appartement meldeten sich innerhalb von ein paar Stunden bis zu 50 Interessenten, berichtet Kreuz aus der Praxis. Oft sei ein Angebot nach maximal einem Tag schon wieder weg. Der Zuzug aus dem Umland sei enorm. Im Frankfurter Bereich sei alles noch deutlich teurer. Von dort kämen die Interessenten „zu uns aufs Land“. Eine Besserung sei nicht in Sicht, betont der Experte.

Der angespannte Wohnungsmarkt wird in einer Selbsteinschätzung dokumentiert, die von der Gemeinde an das Hessische Wirtschaftsministerium übermittelt wurde. Das Rathaus war um eine Stellungnahme gebeten worden, nachdem dem Ministerium in der Kommune „eine hohe Neubauintensität“ aufgefallen sei. Die Bewertung soll in mieterschutzrechtliche Vorschriften eingehen, die unter anderem die Mietpreisbremse, Kündigungssperrfristen und die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen betreffen.

Angeblich „hohe Neubauintensität“

Feldhausen dementiert jedoch die angeblich „hohe Neubauintensität“. In den vergangenen drei Jahren seien in nennenswertem Umfang keine neuen Baugebiete entwickelt worden, die den Markt entspannt hätten. Gegenwärtig gebe es lediglich eine Nachverdichtung. Sie bezieht sich auf den erwähnten Bau von 22 Wohneinheiten in der Graslitzer Straße. Diese sollen voraussichtlich bis Dezember 2020 bezugsfertig sein.

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Nauheim sei in den vergangenen drei Jahren gleichbleibend gewesen, die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen nur leicht gestiegen. Die Bodenrichtwerte seien gestiegen, ebenso „leicht“ der Zuzug - um 132 Personen im vorigen Jahr. Gleichbleibend sei die Zahl der sozialwohnungssuchenenden Haushalte. Feldhausen erklärt, es sei nicht vorgesehen, dass die Kommune Belegungsrechte erwirbt, um kurzfristig Wohnungen für geringere Einkommen zur Verfügung zu stellen. Rainer Beutel

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