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Auch die Körpersprache ist wichtig: Ute Ernst-Hummel zeigt, wie Gesprächspartner fair argumentieren oder ihrem Gegenüber eine unfaire Haltung signalisieren.

Mediatorin

Schlichterin Ute Ernst-Hummel erklärt Ansätze zur Konfliktlösung

Bei politischen Veranstaltungen in der Gemeinde ist Ute Ernst-Hummel oft anzutreffen. Bisweilen hört sie nur zu und bildet sich ihre Meinung. Sie kann aber auch anders: Forsch und engagiert erklärt sie ihr Fachgebiet, wenn sie darum gebeten wird.

Ute Ernst-Hummel weilte am Montagabend bei den Landfrauen. Sie ist als frühere Schulamtsdirektorin und ehemalige stellvertretende Schiedsfrau der Kommune bekannt. Fünf Jahre begleitete sie das Ehrenamt. Nun berichtete sie auf erfrischende Weise, wie sie ihre Aufgaben als Mediatorin interpretiert und was „Anna Normal-Landfrau“ daraus lernen kann.

Zwischen Konfliktparteien zu vermitteln, bedeute in erster Linie viel Kleinarbeit, erklärte Ernst-Hummel. Lösungen könnten nicht einfach verordnet werden. Bisweilen dauere es Wochen und Monate, bis Streithähne wieder miteinander könnten. Und es sei gar nicht sicher, dass dies gelinge: „Man weiß nie genau, wie es ausgeht“, beschreibt sie spannende Aspekt ihrer Tätigkeit.

Sie, die in Konfliktsituationen im positiven Sinne zwischen den Stühlen sitzt, verhalte sich stets neutral. „Ich verordne nichts, ich leite das Gespräch nur“, betont sie, denn „die Beteiligten wissen im Grunde selbst, was für sie gut ist“. Seien es nun Abteilungen einer Firma, die sich nicht mehr gut verstehen oder eine Verwaltung, die vielleicht gegen den Willen unzufriedener Mitarbeiter umorganisiert werde.

Damit skizzierte die Mediatorin ansatzweise ihr Arbeitsfeld. Seit 18 Jahren arbeitet sie als Mediatorin, seit zwölf Jahren als Business-Coach. Sie habe sich „auf große Firmen spezialisiert“. Um die kleinen Streitereien im Ort, die sie als Schiedsfrau kennenlernt, kümmere sie sich weniger. „Ich bin in der glücklichen Position, davon nicht leben zu müssen, also kann ich mir die Rosinen raus picken“, erklärt Ernst-Hummel.

Und dennoch können Menschen von ihrem Wissen profitieren. Oder Vereine wie die Landfrauen, die vor einigen Jahren selbst schon einmal einen diffizilen Vereinskonflikt mit Hilfe von außen bereinigt haben. Nun erklärte die Mediatorin 20 Anwesenden, wie schwierige Gespräche geführt werden.

Eine Fülle von Ratschlägen fasste die Referentin in einem Arbeitspapier zum Mitnehmen zusammen und füllte damit 14 Seiten. Ihr Vortrag geriet dennoch alles andere als trocken. Lebendig und erquicklich schilderte sie Situationen und Beispiele, in denen es zu Meinungsverschiedenheiten kommen könne, die nicht auf Anhieb zu lösen seien. Bockige Blockaden, abweisende Gesten, verstörende Signale – sie führte einige Verhaltensweisen zur Illustration auch vor.

Ein klärendes Gespräch könne oft helfen, aber wie? Schneller auf den Punkt kommen, ein Dialog ohne Bewertungen, ein gleichberechtigtes Miteinander, das spontane aufeinander Zugehen, die klare Beschreibung von Zielen, der richtige Umgang mit Kritik und das gemeinsame Vorgehen, um konfliktlösende Vorsätze umzusetzen sind beispielhaft nur einige Ansätze, die zu positiven Ergebnissen führen könnten und die Ernst-Hummel erwähnte. Das Herunterspielen von Aussagen, ausforschende Fragen, moralisierende Urteile, anklagende Vorwürfe, Killerphrasen und das Bloßstellen des Gegenübers seien Beispiele, die einer Einigung zuwiderliefen.

In politischen Versammlungen bekommt sie oft mit, wie Debatten aus dem Ruder laufen. Besser könne es in den Parlamenten funktionieren, wenn sich die Parteien wirklich zuhörten und aufeinander eingingen. „Jeder versucht, seine Duftmarken zu setzen“, bedauerte sie.

Die Landfrauen und ein Mann, der als Gast anwesend war, schilderten Fallbeispiele aus persönlichen Erlebnissen und dem beruflichen Alltag. Ernst-Hummel erläuterte, welche Reaktion in der jeweiligen Situation angebracht gewesen wäre. Möglichkeiten, sich zu vertragen oder zumindest Kompromisse zu finden, gebe es immer. „Jeder Konflikt ist auch eine Chance“, betonte sie.

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